Technikchef: Probleme "grauenhaft" Neuer BER-Zeitplan erst Mitte 2013

08.01.2013 - 16:18 0 Kommentare

Die Hängepartie am künftigen Hauptstadtflughafen wird immer länger. Erst in einem halben Jahr soll ein neuer Eröffnungstermin feststehen. Der Technikchef nennt massive Probleme.

Der Gesch - © © dpa - Bernd Settnik

Der Gesch © dpa /Bernd Settnik

Die Probleme auf der Baustelle des künftigen Hauptstadtflughafens BER sind nach Angaben von Technikchef Horst Amann noch schwerwiegender als zunächst angenommen. Im Hessischen Rundfunk beschrieb Amann die Schwierigkeiten am Dienstag als "grauenhaft". Jetzt gehe es darum, "die Wahrheit auf den Tisch zu legen und zwar schonungslos". Auf einen neuen Eröffnungstermin wollte sich Amann nicht festlegen, das Jahr 2014 sei aber "eine gute Nummer".

"Die Probleme sind leider Gottes nach dem, was wir jetzt wissen und was wir sehr mühevoll in den letzten Monaten aufgedeckt haben, heftig, sehr heftig", sagte der Technikchef der Berliner Flughafengesellschaft dem HR. "Und zwar so gravierend, fast grauenhaft, dass die Maßnahmen, die wir jetzt ergriffen haben, notwendig waren", begründete er die Aufgabe des zuletzt geplanten Eröffnungstermins im Oktober. Angesichts der Probleme, habe er die Reißleine ziehen müssen - "ich hoffe, ich habe sie nicht zu spät gezogen".

Das Hin und Her über den weiteren Zeitplan begründete Amann damit, dass viele Mängel nicht unmittelbar erkennbar gewesen seien. "Wir konnten beispielsweise nicht mehrere hunderttausend Quadratmeter Decken aufreißen", sagte der Technikchef. Jetzt müsse in Abstimmung mit den Behörden festgestellt werden, was planerisch und baulich notwendig sei. Dies werde ungefähr ein halbes Jahr dauern. Erst dann könne voraussichtlich wieder ein Fertigstellungstermin genannt werden.

Amann hatte die Flughafen-Gesellschafter Bund, Berlin und Brandenburg am vergangenen Freitag in einem Schreiben darüber informiert, dass der Termin 27. Oktober nicht eingehalten werden kann. Das sickerte am Sonntag durch, am Montag wurde es offiziell bestätigt. Der Regierende Bürgermeister von Berlin, Klaus Wowereit (SPD), kündigte an, den Vorsitz des Flughafen-Aufsichtsrats an den brandenburgischen Ministerpräsidenten Matthias Platzeck (SPD) abzugeben.

Entscheidend für die Terminabsage war wohl ein Treffen Amanns am 18. Dezember 2012 mit Technikern von Siemens und Bosch, an dem unter anderen auch der Staatssekretär im Bundesverkehrsministerium, Rainer Bomba, sowie der brandenburgische Wirtschaftsminister Ralf Christoffers (Linke) teilnahmen. «Dabei wurde klar, dass die bisherigen Erkenntnisse zu vergrößerten Risiken für die geplante Inbetriebnahme am 27. Oktober 2013 geführt haben», stellte Amann am Montag fest. Als Grund für die Terminabsage nannte Amann abermals «Probleme mit der Brandschutzanlage», unter anderem mit der Komplexität des Systems.

Bei Siemens und Bosch war am Dienstag nicht bekannt, was letztlich ausschlaggebend für die Terminverschiebung war. Siemens ist verantwortlich für die Steuerung der Entrauchungsanlage. Dabei geht es um die Signale, die Klappen für den Abzug von Rauch öffnen. Eine Siemens-Sprecherin verwies darauf, dass es immer wieder Schwierigkeiten mit den Planungsunterlagen gegeben habe. Sie hätten oft nicht die Qualität gehabt, um die Programmierung weiterzuentwickeln. «Nach dem jetzigen Bautenstand funktioniert die Steuerung», fügte die Sprecherin hinzu.

Bosch liefert die Komponenten für die Brandmeldeanlage, die die Signale weiterleiten. «Komponenten und Anlage funktionieren», sagte ein Bosch-Sprecher. Wenn aber die gesamte Anlage umgebaut werden müsse, seien natürlich auch eine Neuabstimmung mit der Brandmeldeanlage notwendig. Die Techniker von Flughafen und Bosch stünden ständig in Kontakt.

Von: AFP, dpa, dpa-AFX
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