Amsterdam darf Airlines nicht zum Umzug zwingen

14.05.2019 - 07:03 0 Kommentare

Der Flughafen Amsterdam operiert am Limit. Damit KLM weiter wachsen kann, baut die Schiphol-Group einen Ausweichflughafen und will Fluggesellschaften zum Umzug bewegen. Das machen aber weder die Airlines noch die EU-Kommission mit.

Reisende stehen am Haupteingang des Flughafen Schiphol in Amsterdam (Archivfoto).  - © © dpa - Marcel Antonisse

Reisende stehen am Haupteingang des Flughafen Schiphol in Amsterdam (Archivfoto). © dpa /Marcel Antonisse

Viele große europäische Drehkreuze haben mit Kapazitätsproblemen zu kämpfen. Eine Verlagerung von Punkt-zu-Punkt-Verkehr im Ferien- und Billigflug-Segment hin zu kleineren Flughäfen scheint dabei ein praktikabler Lösungsansatz. Die auch in Deutschland immer wieder erhobene Forderung erweist sich aktuell in den Niederlanden aber als Vorhaben mit viele Fallstricken.

Dabei ist in dem deutschen Nachbarland eine zentrale Steuerung der Flughäfen sogar bereits weitgehend Realität. Die Royal Schiphol Group betreibt nämlich neben dem in den Niederlanden mit Abstand größten Flughafen Amsterdam Schiphol auch jene Airports in Rotterdam und Eindhoven.

Der Flughafen in Amsterdam platzt dabei aus allen Nähten und hat im vergangenen Jahr erstmals die gesetzliche jährliche Obergrenze von 500.000 Flugbewegungen knapp überschritten.

Abhilfe ist also dringend nötig, will man gegenüber den im 400-Kilometer-Radius gelegenen Konkurrenzflughäfen in London, Paris und Frankfurt nicht ins Hintertreffen geraten und darüber hinaus den wichtigsten Kunden am Platz weiterhin Wachstumsmöglichkeiten bieten.

Lelystad als Amsterdam-Ventil

So soll das Terminal am Amsterdamer Ausweichflughafen Lelystad aussehen. Foto: © Caspar Schwarz Architects

Auf Betreiben der Schiphol Group hat die niederländische Politik daher bereits vor zehn Jahren beschlossen, den 30 Kilometer nordöstlich Amsterdams gelegenen Verkehrslandeplatz Lelystad zu einer Alternative für Point-to-Point-Airlines auszubauen.

Der neue Flughafen für Billig- und Ferienfluggesellschaften sollte den ursprünglichen Planungen zufolge bereits ab 2018 pro Jahr bis zu 50.000 Flugbewegungen von Schiphol übernehmen. Eine Lösung, die aus Sicht der niederländischen Politik eine einfache Möglichkeit zur effizienten Umverteilung des Verkehrs versprach.

Den Planungen der Schiphol Group zufolge wäre dann im Gegenzug in Amsterdam ein weiterer Netzwerk-Ausbau der "Premium-Airlines" möglich. Das käme vor allem dem Homecarrier KLM zugute, der von Amsterdam aus ein internationales Streckennetz betreibt, das mit dem recht kleinen Heimatmarkt in den Niederlanden allein nicht profitabel zu betreiben wäre.

EU-Kommission untersagt Umzugs-Zwang

Da es im Grunde unter den in einer Holding-Struktur organisierten niederländischen Flughäfen auch keine Konkurrenz gibt, erschien das Bestreben auch aus Sicht des weitestgehend staatlichen Flughafenbetreibers realistisch. Doch die Niederländer hatten ihre Rechnung ohne die Fluggesellschaften und die EU-Kommission gemacht.

Denn betroffene Airlines wie etwa Easyjet wollen sich nicht zwingen lassen, zu einem anderen Flughafen umzuziehen, der obendrein noch eine schlechtere Nahverkehrsanbindung hat. Dies sei eine einseitige Bevorzugung von KLM, argumentieren sie.

Damit finden die Fluggesellschaften auch das Gehör der EU-Kommission. Die EU-Wettbewerbshüter ließen das angestrebte Verteilungsmodell der Schiphol Group bereits zweimal abblitzen. Zuletzt wurde der Gruppe Mitte 2018 untersagt, ihre Airline-Kunden einfach nach Destinationen zwischen den niederländischen Flughäfen aufzuteilen.

© dpa, Julian Stratenschulte Lesen Sie auch: Flughafenpolitik und Verkehrspolitik im Spannungsfeld Aviation Management

In der Folge wurde die geplante Eröffnung von Lelystad zuletzt auf "frühestens April 2020" verlegt, wobei auch dieser Termin aktuell aufgrund einer fehlerhaften Flugroutenplanung, die zu mehr Fluglärm als genehmigt führen würde, offen ist.

Und auch wenn Lelystad seine Pforten öffnet, bleibt dem Betreiber nur, auf den freiwilligen Umzug von möglichst vielen Ferien- und Billigflieger zu setzen. Man müsse dazu in Lelystad ein Produkt anbieten, das die Fluggesellschaften von einem "freiwilligen Flughafenwechsel" überzeugen könne, heißt es nun bei der königlichen Schiphol Gruppe.

Von: dk
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