Neue Verhandlungen bei Cityline nötig

Exklusiv 11.10.2018 - 14:06 0 Kommentare

Die Tarifverhandlungen bei Lufthansa Cityline stocken - sowohl fürs Cockpit- als auch fürs Kabinenpersonal. Dabei geht es vor allem um eine langfristige Perspektive für die Airline. Denn in der Vergangenheit war sie Hebel eines anderen Konflikts im Konzern.

CRJ-900 der Lufthansa Cityline. - © © AirTeamImages.com - Rudi Boigelot

CRJ-900 der Lufthansa Cityline. © AirTeamImages.com /Rudi Boigelot

Bei Lufthansa Cityline muss ein neuer Tarifvertrag für die Flugbegleiter verhandelt werden. Die Gewerkschaft Ufo hat den aktuellen Vergütungstarifvertrag (VTV) bei der Kranich-Regionaltochter nach airliners.de-Informationen fristgerecht zu Ende September aufgekündigt.

Auch fürs Cockpit wird derzeit ein neues Tarifwerk ausgehandelt. Das gestaltet sich schwierig. Obwohl Vereinigung Cockpit (VC) und Konzern immer wieder bekräftigen, eine Lösung finden zu wollen, hängt diese aktuell in der Schwebe. Der Kranich-Vorstand lehnte nach airliners.de-Informationen am Dienstag eine Gesamtlösung ab, auf die sich VC und das Cityline-Management verständigt hatten.

Tarifstreitigkeiten eint ein Thema

Im Kern geht es bei den Tarifstreitigkeiten in Kabine und Cockpit um die Frage, wohin Cityline steuert. Denn der Airline fehle eine klare Perspektive, konstatiert ein Lufthanseat. "Noch 2009 hieß es, dass Cityline den führenden Part im Hub-Feeding der Regionaltöchter übernehmen soll." Dazu zählten die frühere Eurowings, Contact Air, Augsburg Air und eben Cityline.

Doch kurze Zeit später wurde mit dem Sparprogramm "Score" die Parole ausgegeben, dass es sich nicht lohne, im Konzern Flugzeuge unter 100 Sitzen zu betreiben. "Die Augsburg und die Contact verschwanden, Eurowings wurde zur neuen Low-Cost-Plattform umgebaut und Cityline fehlte auf einmal die Perspektive."

Tarifhebel Cityline

Gleichzeitig wurde Cityline in einen anderen Tarifkonflikt hineingezogen: in den zwischen Piloten von Lufthansa Classic und dem Airline-Management. Die verhandelnde VC weigerte sich die im Zuge von "Score" vom Management kommunizierte Sparquote von 20 Prozent bei Lufthansa Classic umzusetzen.

Die Kabine hingegen stimmte Einsparungen zu, indem Ufo die Lösung aushandelte, dass Lufthansa Classic fortan auf ein Crew-Mitglied verzichten dürfe. Dadurch fiel die Drohung weg, dass mehr als ein Dutzend Langstreckenflugzeuge stillgelegt werden.

Management nutzte Schlupfloch

Das Airline-Management nutze im Streit mit den Piloten ein Schlupfloch in den Tarifverträgen und transferierte acht A340-300-Jets der Classic ins AOC der Regionaltochter. Dies war möglich, indem die schriftlich fixierte Wet-Lease-Quote aktiviert wurde.

Darüber ist geregelt, dass Lufthansa Classic maximal 6,5 Prozent des Angebots mit Wet-Leases abdecken darf. Dies soll eigentlich sicherstellen, dass die Kranich-Airline nicht in großem Stil geltende Tarifverträge umgeht.

So flogen auf acht A340-300-Maschinen unter "LH"-Flugcode in der Kabine Crews von Lufthansa Classic und im Cockpit Piloten von Cityline. Die Maschinen trugen eine neutrale "Star Alliance-Lackierung". 2017 einigten sich VC und Management auf andere Sparpunkte, sodass die Vierstrahler bis 2020 zurück zur Classic-Airline sollen.

Piloten stimmten Einsparungen zu

Im Konzerntarifvertrag ("Perspektivvereinbarung", PPV) mit den Piloten wurde unter anderem vereinbart, dass neue Flugzeugführer bei Germanwings nicht mehr nach Konditionen des Konzerntarifvertrags bezahlt werden. Stattdessen bekommen sie die Gehaltsstrukturen und Manteltarifvertragskonditionen der Eurowings.

© airliners.de

Dass Lufthansa-Chef Carsten Spohr mit dem Einsatz von Cityline als Wet-Lease-Geber sein Sparziel durchboxte, brachte ihm viel Anerkennung ein. So spricht ein ehemaliges Aufsichtsratsmitglied davon, dass "Cityline der Stachel im Fleisch der VC" sei. Gleichzeitig zeigt es aber auch, weswegen das Management wohl aus strategischen Gründen an der Regionaltochter festhält.

"Der Konzerntarifvertrag mit den Einsparungen gilt nur bis 2023", heißt es im Umfeld des Kranich-Chefs. "In den neuen Verhandlungen braucht das Management ein Druckmittel."

Vorbild für Eurowings?

Oder anders ausgedrückt: "Werden die Forderungen 2023 zu groß, gehen die acht A340s halt wieder zu Cityline." Einen ähnlichen Hebel könnte der Konzern einsetzen, sollte es zu Tarifverhandlungen bei der Eurowings-Langstrecke kommen und auch diese "aus dem Ruder laufen".

Im Schatten des Konflikts wurde das eigentliche Kerngeschäft der Cityline, nämlich die Regionalflüge, von den Basen Düsseldorf, Berlin-Tegel, Hamburg und Köln/Bonn auf die Mutter-Drehkreuze Frankfurt und München verlagert. Die Mitarbeiter dürfen jedoch an den vier Standorten bleiben und werden - zum Teil auf Kosten von Cityline, zum Teil auf eigene Rechnung - zu den Hubs gebracht.

"Damoklesschwert 'Score'" über Cityline

Das alles ändere nichts daran, dass über der Airline, die nach Konzernangaben jährlich acht Millionen Fluggäste befördert, noch das "Damoklesschwert 'Score'" kreise, heißt es im Lufthansa-Umfeld. "Da muss Klarheit her", fordert auch Ufo. Bei der jetzigen Tarifrunde gehe es weniger um ein "sattes Gehaltsplus" als um eine langfristige Perspektive für die Mitarbeiter.

© Lufthansa, Lesen Sie auch: Lufthansa will Air-Dolomiti-Flotte verdoppeln

Denn der nächste Aderlass ist schon vorprogrammiert: Nachdem bereits 2016 17 Embraers Cityline Richtung Austrian verließen, sollen die übrigen 14 schon bald zur Lufthansa-Tochter Air Dolomiti in Italien gehen.

Unbestätigten Informationen zufolge sollen die A319-Maschinen des Konzerns zur Cityline wechseln und dort geflogen werden, sobald die Kranich-Airlines ihren Bestand mit Neos aufgefüllt haben. Eine dafür nötige Tarifeinigung wurde bereits 2013 für die Kabine ausgehandelt.

Von: cs
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