Neue Detektoren sollen Flüssigsprengstoff finden

26.06.2012 - 17:38 0 Kommentare

Harmloses Shampoo oder hochexplosives Gemisch? Seit diversen Anschlägen sind Flüssigkeiten im Flugzeug nur in Mini-Mengen erlaubt. Neue Geräte sollen bald schon bei der Gepäckkontrolle Alarm schlagen.

Demonstration eines Flüssigkeitsscanners (27.04.2011) - © © dpa - Tim Brakemeier

Demonstration eines Flüssigkeitsscanners (27.04.2011) © dpa /Tim Brakemeier

Spezielle Geräte sollen an europäischen Flughäfen schon bald flüssigen Sprengstoff im Gepäck von Reisenden aufspüren können. Rund 20 solcher Anlagen verschiedenster Hersteller habe man bereits auf ihre Tauglichkeit getestet, sagte Dirk Röseling vom Fraunhofer-Institut für Chemische Technologie (ICT) am Montag in Pfinztal (Kreis Karlsruhe). Im dortigen Testcenter werden seit 2010 im Auftrag der Bundespolizei Detektionssysteme für ihre Zulassung an europäischen Flughäfen geprüft.

Zwei solcher Geräte seien von deutschen Behörden bereits gekauft worden, könnten aber noch nicht eingesetzt werden. Dafür müssen sich laut Röseling die EU-Länder erst auf ein einheitliches Vorgehen bei der Gepäckkontrolle einigen.

«In unserem Testcenter können die Hersteller der Detektionsanlagen ihre Geräte 'trainieren'», sagte Röseling. Die verschiedenen Terror-Sprengstoffe, die den Sicherheitsbehörden bekannt seien, würden in die Geräte gegeben. Dann werde überprüft, ob diese anschlagen. Dabei werden verschiedene Techniken eingesetzt: «Unter anderem Röntgenstrahlen, CT-Technik mit 3D-Bildern oder infrarote Chemolumineszenz», erklärte der Wissenschaftler weiter.

Bei der Chemolumineszenz wird durch eine chemische Anregung ein bestimmtes Licht abgegeben. Auch andere optische Verfahren werden eingesetzt, mit der eine Art Fingerabdruck der Flüssigkeit erstellt und diese dann analysiert werden kann.

Die bislang getesteten Anlagen seien je nach Typ in der Lage, eine oder mehrere Gefäße mit oder ohne Verpackung zu scannen. Bei manchen Anlagen müsse das Gefäß aktiv geöffnet werden, andere könnten die Behältnisse in den Taschen lokalisieren und den Inhalt analysieren. Bei den bislang bekannten Terror-Sprengstoffen handele es sich um die ganze Bandbreite zwischen «gepanschtem Zeug und hochwertig zusammengestellten Gemischen», sagte Röseling.

«Das perfekte Gerät gibt es nicht», stellte Röseling klar. Mit einer Kombination aus mehreren Analyseverfahren erreiche man aber eine hohe Sicherheit. Der Einsatz von Detektionsgeräten werde das Einchecken an den Flughäfen aber weiter verzögern.

Die Anlagen kosten bis zu 120.000 Euro pro Stück. Der Flughafenverband ADV hatte im April geschätzt, es werde die Flughäfen und die Bundespolizei 400 bis 500 Millionen Euro kosten, allein in Deutschland umzurüsten: mit neuen Flüssigkeitsdetektoren, zusätzlichen Kontrolllinien und mehr Sicherheitspersonal.

Im Juli 2012 will die EU entscheiden, ob die sogenannte EU-Flüssigkeitsregelung im April kommenden Jahres aufgehoben wird oder nicht. Die "Wirtschaftswoche" hatte vergangene Woche unter Berufung auf einen ihr vorliegenden Vermerk des Ministeriums an den Bundestag berichtet, dass die EU-Kommission einen Rückzieher machen wolle. Demnach unterrichtete Brüssel die Mitgliedstaaten bereits darüber, dass entgegen den Planungen "die völlige Aufhebung des Verbots zum 29.04.2013 nicht möglich" sei. Ein Kommissionssprecher teilte auf dpa-Anfrage allerdings mit, dass die Kommission noch "keine Entscheidung in dieser Frage getroffen" habe.

Ins Handgepäck dürfen Flüssigkeiten zum Schutz vor Anschlägen seit 2006 EU-weit nur noch in höchstens 100 Milliliter großen Behältern in durchsichtigen Plastikbeuteln. Ursprünglich waren schon für 2011 Lockerungen vorgesehen, aber dann aufgeschoben worden. Nun sollte die Beschränkung im April 2013 wegfallen. Die Flughäfen warnen davor, diese Regelung zu kippen. Ihrer Ansicht nach gibt es noch keine ausgereiften Geräte, die Flüssigkeiten sicher auf ihre Gefährlichkeit hin überprüfen können.

Das ICT mit rund 500 Mitarbeitern beschäftigt sich vor allem mit angewandter Forschung und wirbt 70 Prozent seiner Mittel bei der Industrie ein. 30 Prozent kommen aus Landes- und Bundesmitteln. Im vergangenen Jahr betrug der Haushalt rund 32 Millionen Euro.

Von: Anika von Greve-Dierfeld, dpa
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