Neue Cook-Airlines sorgen für Unruhe bei Condor

05.02.2018 - 09:26 0 Kommentare

Für Condor fliegen in diesem Sommer zwei neue Thomas-Cook-Gesellschaften: Thomas Cook Aviation und Balearics. Die Kabinenmitarbeiter befürchten, das könnte schlechtere Konditionen bedeuten.

Flugbegleiter von Condor. - © © Condor -

Flugbegleiter von Condor. © Condor

Condor wächst in diesem Sommer kräftig - aber nicht mit der Stammbelegschaft. Die Airline selbst betreibt auf der Kurz- und Mittelstrecke weiterhin nur 25 Jets, während zwei neue Thomas-Cook-Töchter die zusätzlichen Kapazitäten bereitstellen: Thomas Cook Aviation und Thomas Cook Airlines Balearics starten im Sommer mit elf Maschinen an deutschen Flughäfen.

430 neue Stellen wurden ausgeschrieben

Thomas Cook Aviation soll aus der Air Berlin Aviation GmbH hervorgehen - der Ableger der insolventen Airline wurde vom Cook-Konzern gekauft und erhielt jüngst seine Betriebsgenehmigung. Die neu gegründete Gesellschaft Thomas Cook Airlines Balearics hat zwar ihren Sitz auf Mallorca, aber sie wird nach airliners.de-Informationen im Sommer ebenfalls Stationen in Deutschland einrichten und Personal anheuern.

Nach Unternehmensangaben wurden bei den beiden Neugründungen 300 Stellen für Flugbegleiter und 130 für Piloten ausgeschrieben. Ein Großteil davon sei schon akquiriert, berichtet ein Sprecher auf Anfrage von airliners.de.

Kurz- und Mittelstreckenflotte von Condor

Flugzeuge im
Sommer 2018
Flugzeuge im
Sommer 2017
Condor
25
25
Thomas Cook Balearics
5
-
Thomas Cook Aviation
6
-
Wet-Lease
9
6
gesamt
45
31

Quelle: Unternehmensangaben

Condor-Mitarbeiter befürchten, dass durch die neuen Tochtergesellschaften die bisher gültigen Konditionen unter Druck geraten. Wenn das Outsourcing im großen Stil eingeführt werde, drohe eine "schleichende Ausflaggung", meint Olaf Bödecker, Tarifvorstand bei der Kabinengewerkschaft Ufo, im Gespräch mit airliners.de.

Unser Anspruch ist klar: Alles was mit Condor-Flugnummer fliegt, soll mit Condor-Personal und zu Condor-Bedingungen bereedert werden.

Olaf Bödecker, Tarifvorstand bei der Kabinengewerkschaft Ufo

Bei den Neugründungen sei zwar keine weitere Absenkung der Vergütung zu befürchten - die liege für die Kabinenmitarbeiter der Airline "ohnehin schon im unteren Bereich des Wettbewerbs", so der Gewerkschafter. Ufo bemüht sich seit 2016 um einen neuen Vergütungstarifvertrag bei Condor.

Ufo sieht Arbeitsbedingungen unter Druck

Bödecker sieht die Konditionen für das Kabinenpersonal aber in anderer Hinsicht unter Druck: "Die Musik spielt eher bei den Arbeitsbedingungen: Hier sollen lediglich die gesetzlichen Mindestbedingungen zur Anwendung kommen." Unter anderem sollen längere Arbeitszeiten gelten und zum Teil befristetet Verträge abgeschlossen werden. Derzeit sind zahlreiche saisonale Stellen für Kabinenpersonal an den Stationen Frankfurt, Düsseldorf, Hannover, Köln, Leipzig und Stuttgart ausgeschrieben.

Fraglich ist laut Ufo-Vorstand Bödecker, ob die neuen Cook-Gesellschaften die ausgeschriebenen Stellen überhaupt besetzen können. "Sie tun sich schwer, Leute zu finden. Lufthansa sucht Personal, Eurowings sucht Personal - der Markt ist abgegrast."

In der Tat signalisiert Condor Kompromissbereitschaft, was die Konditionen bei den Neugründungen angeht. "Da ist noch nichts final, wir sind in guten Gesprächen", sagt der Airline-Sprecher.

Weniger Zündstoff bei den Piloten

Weniger kontrovers sind offenbar die Neueinstellungen für das Cockpit. "Bei der künftigen Thomas Cook Aviation sind die Bedingungen an die Condor angelehnt", so der Sprecher. Bei Thomas Cook Airlines Balearics seien sie "lokal vergleichbar", entsprächen also dem Niveau am Standort Mallorca.

Bei der Vereinigung Cockpit (VC) beobachtet man die Situation bei Condor gleichwohl "mit Vorsicht", wie Sprecher Markus Wahl erklärt. "Es darf nicht sein, dass die einzelnen Betriebsteile gegeneinander ausgespielt werden nach dem Motto: Wenn du es nicht billiger machst, finde ich jemand anderen, der es tut."

Lösung für saisonale Schwankungen gesucht

Bei Condor sollen die beiden neuen Betriebsplattformen offenbar unterschiedliche Funktionen erfüllen. Der Balearen-Ableger wird für den deutschen Markt ganz überwiegend im Sommer eingesetzt. "Er soll vor allem die Wet-Lease-Maschinen ersetzen, die wir bisher im Sommerflugplan eingesetzt haben", erklärt der Condor-Sprecher.

Um das Nachfragehoch in der Haupturlaubszeit abzudecken, hat der Ferienflieger in den vergangenen Jahren stets mehrere Flugzeuge ausländischer Gesellschaften unter Vertrag genommen. In diesem Sommer wird es nach Unternehmensangaben neun dieser Subcharter geben.

Auf diesen Flügen kommt es allerdings immer wieder zu Problemen mit Qualität und Pünktlichkeit. Die neue Flugplattform auf Mallorca soll nun helfen, das starke Sommergeschäft zu bewältigen, ohne dass die Marke Condor leidet. Im Winterhalbjahr soll sie vor allem für den britischen Markt eingesetzt werden.

© Darstellung: Brützel, Lesen Sie auch: Outsourcing in der Airline-Industrie (1) Aviation Management

Mit der Gesellschaft Thomas Cook Aviation könnte Condor dagegen dem Beispiel von Eurowings folgen: Die Lufthansa-Tochter hat in den vergangenen Jahren durch Neugründungen oder Übernahmen versucht, möglichst kostengünstige Produktionsplattformen zu bilden und Kapazitätszuwächse außerhalb der alten Tarifverträge umzusetzen.

Von: pra
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