Berliner Staatssekretär Lütke Daldrup wird neuer BER-Chef

06.03.2017 - 16:13 0 Kommentare

Personalwechsel rund um den BER: Der bisherige Flughafenchef Karsten Mühlenfeld geht. Sein Nachfolger wird ein Mann aus der Politik. Berlins Regierender Bürgermeister Michael Müller verlässt den Aufsichtsrat, der entlassene Technikchef Marks kehrt zurück.

Engelbert Lütke Daldrup

Engelbert Lütke Daldrup
© dpa - Soeren Stache

Berlins Flughafenchef Karsten Mühlenfeld.

Berlins Flughafenchef Karsten Mühlenfeld.
© dpa - Maurizio Gambarini

Der Berliner Flughafen-Technikchef Jörg Marks.

Der Berliner Flughafen-Technikchef Jörg Marks.
© dpa - Jörg Carstensen

Michael Müller (SPD) ist Berlins Regierender Bürgermeister.

Michael Müller (SPD) ist Berlins Regierender Bürgermeister.
© dpa - Gregor Fischer

Der Berliner Staatssekretär Engelbert Lütke Daldrup wird neuer Geschäftsführer der Berliner Flughäfen. Zudem verlässt Berlins Regierender Bürgermeister Michael Müller (SPD) den Aufsichtsrat des Unternehmens, wie dieser jetzt ankündigte. Dies sei aus Compliance-Gründen notwendig.

Lütke Daldrup sei eine gute, sachgerechte und schnelle Lösung, sagte Müller. Die Suche nach einem externen Manager mittels eines Personalvermittlers hätte mindestens ein halbes Jahr gedauert.

Technikchef Marks darf zurückkehren

Müller kündigte an, dass der Bauleiter für den neuen Hauptstadtflughafen, Jörg Marks, seine Arbeit wieder aufnehmen werde. Mühlenfeld hatte den Ingenieur freigestellt, nachdem auf der Baustelle mehrere Termine verfehlt worden waren. Weil Mühlenfeld den Personalwechsel gegen den Willen des Aufsichtsrat vollzog, war die Führungskrise im Unternehmen entstanden.

Mühlenfeld unterschrieb eine Vertragsauflösung, wie Müller sagte. Nach Informationen des "Tagesspiegels" ist Mühlenfeld, der bei einem Jahresgehalt von rund 500 000 Euro einen Vertrag bis 2020 hatte, bis Jahresende bei vollen Bezügen freigestellt. Für das nächste Jahr erhalte er noch einmal 80 Prozent seiner Bezüge. Offen ist noch, was mit dem Rahmenvertrag des Ingenieurs Christoph Bretschneider geschieht, den Mühlenfeld als Nachfolger für Marks angeheuert hatte.

© dpa, Bernd Settnik Lesen Sie auch: Der Freischwimmer - Berlins Flughafenchef eckt an

Der Bund und Berlin sahen nach dem Rauswurf von Marks das Vertrauensverhältnis zu Mühlenfeld erschüttert. Sie waren aber in der vergangenen Woche im Aufsichtsrat vorerst damit gescheitert, Mühlenfeld zu entlassen.

Der Mit-Eigentümer Brandenburg hatte sich in der Sondersitzung noch gegen Mühlenfelds Entlassung gesperrt, signalisierte am Wochenende aber bereits Kompromissbereitschaft. Die Länder Berlin und Brandenburg sowie der Bund sind gemeinsam Eigentümer des Unternehmens, das den neuen Berliner Großflughafen baut.

Die Eröffnung des Flughafens ist seit dem Baubeginn im Jahr 2006 schon fünf Mal verschoben worden. Inzwischen ist das Projekt gut fünf Jahre in Verzug. Grund sind Technikprobleme, Fehlplanungen und Baumängel. Aber auch Personalwechsel führten wiederholt zu Verzögerungen.

© dpa - Bildfunk, Ole Spata/dpa Lesen Sie auch: Vom gelernten Raumplaner zum BER-Chef

Mit der Ablösung Mühlenfelds gibt es nach zwei Jahren den nächsten Führungswechsel bei dem politisch umkämpften Flughafen-Projekt. Airlines hatten zuvor davor gewarnt, sich von Mühlenfeld zu trennen. Sie fürchten weitere Verzögerungen an dem Flughafen.

Lütke Daldrup wird bereits der vierte Flughafenchef seit dem Baubeginn des BER 2006. Rainer Schwarz hatte wegen der geplatzten Eröffnung 2012 und des Krisenmanagements danach 2013 seinen Hut nehmen müssen. Sein Nachfolger Hartmut Mehdorn blieb bis März 2015 zwei Jahre lang am BER. Er trat nach Konflikten mit dem Aufsichtsrat zurück.

© dpa, Bernd Wüstneck Lesen Sie auch: Der BER als Personalkarussell

Nach Müllers Erwartung werden künftig Staatssekretäre als politische Vertreter im Aufsichtsrat sitzen. Demnach dürften sich auch Berlins Kultursenator Klaus Lederer (Linke) und Justizsenator Dirk Behrendt (Grüne) zurückziehen. Das Kontrollgremium tagt am 17. März wieder, zunächst leiten es die stellvertretenden Vorsitzenden, der Verdi-Funktionär Holger Rößler und der Brandenburger Flughafen-Koordinator Rainer Bretschneider. Brandenburg habe Interesse, den Vorsitz zu übernehmen, sagte Müller.

Von: ch, dpa
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