Nayak und Zeitfracht übernehmen Air Berlin Technik

Air Berlin hat Abnehmer für ihre Wartungstochter gefunden. Eine Bietergemeinschaft aus Nayak und Zeitfracht übernimmt die Air Berlin Technik - allerdings nicht mit allen Mitarbeitern. Mit Easyjet und Condor laufen derweil weiter Verhandlungen.

Air-Berlin-Technik am Flughafen Düsseldorf. - © © dpa - Maja Hitij

Air-Berlin-Technik am Flughafen Düsseldorf. © dpa /Maja Hitij

Für die Technik-Tochter von Air Berlin ist ein Käufer gefunden: Das Berliner Logistikunternehmen Zeitfracht will das Unternehmen zusammen mit der Wartungsfirma Nayak erwerben. Der Vertrag solle noch diese Woche unterzeichnet werden, teilte Air Berlin am Donnerstag mit. Ein Kaufpreis wurde nicht genannt.

Rund 300 Mitarbeiter würden übernommen. "Für die weiteren rund 550 Mitarbeiter steht eine Transfergesellschaft zur Abfederung sozialer Härten bereit", teilte die Airline mit. Die Auffanggesellschaft könne "aufgrund der Liquiditätssituation" in diesem Verfahren ohne Unterstützung Dritter finanziert werden.

Zeitfracht hatte bereits die Air-Berlin-Logistiktochter Leisure Cargo übernommen und baut aktuell mit dem parallelen Kauf der deutschen WDL Aviation an einer eigenen Expressfracht-Fluggesellschaft.

Die Nayak-Gruppe mit Tochtergesellschaften in Deutschland, den Niederlanden und Italien strukturiert sich aktuell selbst um. Die deutsche Nayak betriebt Standorte in Bremen, Hannover, Köln/Bonn und Düsseldorf. Die Bieterfrist für die Air-Berlin-Wartungstochter war zuvor mehrfach verschoben worden.

© dpa, Roland Weihrauch Lesen Sie auch: Zeitfracht-Gruppe übernimmt Air-Berlin-Tochter Leisure Cargo

Derweil verhandelt die insolvente Fluggesellschaft weiter parallel mit Easyjet und Condor über den Verkauf von Teilen des Unternehmens. "Es ist ein knappes Rennen zwischen den beiden", sagte ein Sprecher. Offen blieb zunächst, wann im laufenden vorläufigen Insolvenzverfahren spätestens noch ein Abschluss mit einem der beiden Interessenten möglich ist. Air Berlin stellt am Freitag ihren Flugbetrieb ein.

Verhandlungen ziehen sich weiter

Mit der Easyjet verhandelt Air Berlin bereits seit gut einem Monat. Angeblich soll es um die Übernahme von etwa 25 Flugzeugen gehen. Zu den Erfolgsaussichten machte ein Unternehmenssprecher keine Angaben. Auch Easyjet bestätigte, dass die Verhandlungen am Donnerstag noch liefen. Easyjet hatte zuvor ein generelles Interesse an der Operations in Tegel bekanntgegeben.

Mit Lufthansa hatte sich Air Berlin dagegen bereits geeinigt. Europas größter Luftverkehrskonzern hatte am 13. Oktober einen Kaufvertrag unterschrieben, mit dem die beiden nicht insolventen Air-Berlin-Töchter Niki und LG Walter samt der entsprechenden Mitarbeiter übernommen werden sollen. Als nächstes steht nun die kartellrechtliche Überprüfung des Deals durch die EU-Kommission an.

Berlin erwartet bis hunderte Arbeitslosenmeldungen

Die Berliner Arbeitsagenturen stellen sich derweil darauf ein, dass sich kommende Woche über 1000 Mitarbeiter von Air Berlin in der Hauptstadt arbeitslos melden könnten. "Das wird eine Herausforderung", sagte der Leiter der Arbeitsagentur Berlin-Nord, Christoph Möller. Sollte außerdem keine Transfergesellschaft für die Verwaltungsangestellten kommen, rechnet er mit noch mehr Arbeitslosenmeldungen.

Die Jobchancen schätzt er vergleichsweise gut ein: "Ich denke, dass die meisten Mitarbeiter schnell wieder etwas finden, wenn sie sich schnell kümmern." Piloten und Flugbegleiter würden gesucht - auch für Flugzeuge, die übernommen werden. Es gebe aber auch in der Verwaltung viele unterschiedliche Berufsgruppen, etwa IT-Experten, Marketingexperten und Mitarbeiter in kaufmännischen Berufen.

Wenn man neu einsteige, fange man zum Teil tiefer an, das sei auch im öffentlichen Dienst so. "Das ist erstmal ein schmerzhafter Prozess. Das ist aber vielen Mitarbeitern von Air Berlin auch klar." Die Arbeitsagentur hat ein eigenes Büro in der Zentrale von Air Berlin. Man habe einige Mitarbeiter bereits zum 1. November in neue Jobs vermittelt.

Klar sei aber auch, dass es eine gewisse "Sucharbeitslosigkeit" geben kann, sagte Möller. Er gehe davon aus, dass mit der Pleite aber keine neue Langzeitarbeitslosigkeit in Berlin entstehe. Zu jeder Phase der Umorientierung gehöre leider, dass es vielleicht Einbußen beim Gehalt gebe. "Das ist schmerzhaft. Niemand verlässt gerne das Unternehmen, in dem er viele Jahre beschäftigt war", sagte Möller.

© dpa, Sophia Kembowski Lesen Sie auch: Keine Transfergesellschaft für alle Air-Berlin-Mitarbeiter

Air Berlin und der Berliner Senat bemühten sich unterdessen weiter um die Einrichtung einer Auffanggesellschaft für den Mutterkonzern. Diese soll in der Hauptstadt nach unterschiedlichen Angaben 1200 bis 1400 bisherigen Air-Berlin-Mitarbeiten eine bessere Jobperspektive eröffnen. Darunter sind vor allem die Verwaltungsmitarbeiter aus der Berliner Zentrale, deren Vermittlung auf dem Arbeitsmarkt als schwieriger gilt als die von Piloten und Flugbegleitern. Die Verhandlungen um eine Transfergesellschaft für alle Air-Berlin-Mitarbeiter waren zuvor gescheitert.

Von: dh mit dpa

Datum: 26.10.2017 - 17:27

Adresse: http://www.airliners.de/nayak-zeitfracht-air-berlin-technik/42700