Die Born-Ansage (2) ( Gastautor werden )

Natürlich wird der BER bei seiner Eröffnung zu klein sein!

05.03.2015 - 12:25 0 Kommentare

Konnte man Mitte der 90er Jahre die Kapazitäten für den Berliner Hauptstadtflughafen richtig voraussagen? Natürlich nicht. Diesen Flughafen muss man in "BER-Dekaden" denken, meint Karl Born.

Klare Ansagen: Professor Karl Born kommentiert die aktuellsten Entwicklungen der Luftverkehrsbranche. - © © airliners.de, Karl Born -

Klare Ansagen: Professor Karl Born kommentiert die aktuellsten Entwicklungen der Luftverkehrsbranche. © airliners.de, Karl Born

Bei der Planung des neuen Großflughafens in Berlin haben sich die Gesellschafter (mindestens) zwei historische Fehlannahmen erlaubt:

  1. Wir können einen Flughafen bauen und
  2. Egal wann er öffnet, er wird immer groß genug sein.

Kommen wir zu Punkt 2 (Punkt 1. ist inzwischen Allgemeingut). Erinnern wir uns: Die Planungen für den neuen Großflughafen begannen Mitte der 90er Jahre und so sah damals die Welt aus: Helmut Kohl war Bundeskanzler, Bill Clinton war US-Präsident, Mandela wurde Präsident von Südafrika, Michael Schumacher wurde zum ersten Mal Weltmeister und Henry Maske bestritt seinen letzten Kampf.

Das Tabu-Thema

Genau dieses Chart zeigte ich bei meinem Vortrag am 9. Mai 2012, beim Tag des Tourismus, in Berlin. Ich fügte damals vor vollem Saal noch hinzu: „Die Kapazitätsfrage ist noch ein Tabu-Thema. Aber glaubt jemand, dass man damals die richtige Größe für einen Flughafen 2012 richtig hat voraussagen können?“. Und jetzt reden wir von 5 Jahren später (23.11.2017: 2.000 Tage seit Nichteröffnung?).

© taz, Lesen Sie auch: 1000 Tage BER-Debakel

Wowereit hat jeden mit fast beleidigender Missachtung bestraft, der behauptet hatte, der BER sei bei seiner Eröffnung zu klein (dabei ahnten die meisten noch nicht einmal, wie sehr diese Eröffnung in der Zukunft liegen würde/könnte). Jetzt „haut“ ausgerechnet Bundesverkehrsminister Dobrindt in die gleiche Kerbe. Zitat: „Ich rate dazu, den Flughafen erst mal wie geplant fertig zu bauen. Jetzt ist es nicht die Zeit, über Erweiterungsmaßnahmen zu spekulieren“.

Hallo Herr Minister, geht’s noch? Na klar scheint es komisch, wenn man bei einem noch nicht fertiggestellten Flughafen schon über Erweiterung diskutiert, aber hier muss man schließlich in „BER-Dekaden“ denken. Wer jetzt glaubt, so viel Naivität ließe sich nicht steigern, der „unterschätzt“ Dobrindt gewaltig. Er brachte letzte Woche Leipzig als Ergänzung zu Berlin ins Gespräch. Zitat: „Der Flughafen Leipzig wäre mit der Bahn in 55 Minuten Fahrzeit aus der Berliner Stadtmitte zu erreichen“.

Abgesehen davon, dass diese Aussage inhaltlich falsch ist, erinnert sie doch stark an die legendäre Stoiber-Rede von 2002 als man nach vielen „Ähs“ von ihm nicht mehr wusste, ob jetzt der Transrapid vom Bahnhof zum Flughafen oder der Bahnhof selbst zum Flughafen fahren sollte.

Berlin-Magdeburg, Berlin-Leipzig und Berlin-Rostock?

Leipzig als Satelliten-Flughafen von Berlin? Da könnte man auch zusätzlich noch Magdeburg nennen. Der Flughafen dort hatte schon vor längerer Zeit beantragt sich „Berlin-Magdeburg“ nennen zu dürfen. Aber, und jetzt wird es richtig pikant, warum dann nicht auch Rostock. Dort ist jetzt Prof. Schwarz seit kurzem Flughafenchef. Exakt, der gleiche Prof. Schwarz, der vorher Flughafenchef von Berlin war und auch immer verkündet hatte, die Kapazität des BER würde ausreichen.

Das hätte echt was, würde er am Rollfeld in Top Gun-Pose stehen, auf den ersten Overflow-Flieger aus Berlin warten und die Früchte seiner falschen Vorhersage ernten. (Ich bin mir allerdings sicher, dass er es schon damals besser wusste, sein Aufsichtsrat ihm aber verboten hatte das laut zu sagen.)

Aber, da ich meine Berliner Politiker kenne, wird folgendes passieren. Leipzig und Magdeburg und Rostock werden gemeinsam zu Berliner Ergänzungsflughäfen ernannt. Da der BER auch durch die Umsteigefunktion an Bedeutung gewinnen sollte, wird unser Verkehrsminister Dobrindt dieses Gebilde dann zum ersten „großflächigen dezentralen Umsteigeflughafen der Welt“ hochfeiern. Es kann natürlich auch sein, dass er bis dahin nicht mehr Verkehrsminister sein wird. Vielleicht ist er dann Sonderbeauftragter des Flughafens München… für seine Verdienste um das Kleinhalten vom BER.

Noch ein lustiges Zitat zum Abschluss. Da sagte der Regierende Bürgermeister von Berlin, Michael Müller, während der Auswahl des künftigen Flughafenchefs von Berlin: „Wir brauchen niemanden, der wieder alles besser weiß“. Auf eine solche Stelle hätte ich mich nie beworben.

Über den Autor

In seiner Reihe "Die Born-Ansage" veröffentlicht der ehemalige Condor-Vertriebschef, TUI-Vorstand und Touristik-Honorarprofessor Karl Born auf airliners.de Kolumnen zum aktuellen Geschehen in der Luftverkehrswirtschaft.

Professor Karl BornAls Redner auf Führungskräfte- und Verbandstagungen ist Karl Born in der ganzen Welt unterwegs. Als "Querdenker der Reisebranche" für seine "Bissigen Bemerkungen" ausgezeichnet, nimmt der ehemalige Airline- und Touristikmanager auch in Sachen Luftverkehr kein Blatt vor den Mund. Kontakt

Von: Karl Born für airliners.de
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