Trump schlägt Umbenennung von 737 Max vor

15.04.2019 - 15:01 0 Kommentare

Donald Trump hat eine Idee, wie man das angekratzte Image der 737-Max-Baureihe wieder verbessern könnte. Derweil kündigt der nächste US-Carrier an, die Maschinen bis in den Spätsommer am Boden zu lassen. Und Boeing könnten frühere Aussagen zur Max juristischen Ärger bereiten.

US-Präsident Donald Trump am 17.02.2017 beim Besuch einer Fabrik des US-Flugzeugbauers Boeing in North Charleston. - © © dpa - Susan Walsh/AP

US-Präsident Donald Trump am 17.02.2017 beim Besuch einer Fabrik des US-Flugzeugbauers Boeing in North Charleston. © dpa /Susan Walsh/AP

US-Präsident Donald Trump hat dem Flugzeugbauer Boeing wegen des weltweiten Startverbots eine Umbenennung des Mittelstreckenjets vorgeschlagen. "Wenn ich Boeing wäre, würde ich die Boeing 737 Max in Ordnung bringen, ein paar großartige Eigenschaften hinzufügen und dem Flugzeug einen neuen Namen verpassen", schrieb Trump am Montag auf Twitter. "Kein Produkt hat so sehr gelitten wie dieses."

American Airlines fliegt mit 737 Max nicht vor August

Wegen des andauernden Flugverbots für die Boeing 737 Max streicht die US-Fluggesellschaft American Airlines in den kommenden Monaten 115 Flüge pro Tag. Airline-Chef Doug Parker erklärte am Sonntag laut dpa, dies entspreche rund 1,5 Prozent der im Sommer täglich angebotenen Flüge. American Airlines plant demnach vorerst bis zum 19. August keine ihrer 24 Boeing 737 Max einzusetzen.

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In der vergangenen Woche hatte auch der größte Betreiber des Musters in den Vereinigten Staaten, Southwest Airlines, angekündigt, ihre Max-Jets bis mindestens Anfang August nicht zu fliegen. Beide Airlines sprachen jedoch der nach zwei Luftfahrt-Katastrophen in die Kritik geratenen Maschine ihr Vertrauen aus. Er gehe davon aus, dass die Boeing 737 Max vor dem 19. August wieder fliegen dürfe, so Parker.

Tui hat die Lücken bereits gefüllt

Trotz des Groundings sieht sich die deutsche Tuifly für den Osterreiseverkehr gerüstet. "Zu Ostern müssen wir maximal zwei Boeing 737 Max 8 ersetzen", sagte ein Tuifly-Sprecher der Deutschen Presse-Agentur. Die wären im Normalfall dann bereits ausgeliefert und eingesetzt worden.

Daher wurden nun eine Maschine angemietet und ein auslaufender Leasing-Vertrag für ein anderes Mittelstreckenflugzeug verlängert. "Damit sind die nächsten Wochen abgedeckt", sagte der Sprecher.

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Der Tui-Reisekonzern ist in Europa, neben der Billig-Airline Norwegian, von den Max-Problemen besonders betroffen. Dem Airline-Verbund der Tui werden 23 fest eingeplante Jets auf ungewisse Zeit bis zur Wiederfreigabe des Flugzeugtyps fehlen. Auf 200 Millionen Euro hatte Tui-Chef Friedrich Joussen die Mehrkosten bis Mitte Juli beziffert, wenn auslaufende Leasingverträge verlängert und neue Mietverträge abgeschlossen werden. Bleiben die Boeings länger am Boden, wird es schnell teurer.

Boeing hat längere Max-Versionen zuvor als ungeeignet für "Hot&High"-Flughäfen bezeichnet

Unterdessen berichtet die Nachrichtenagentur Bloomberg, dass Boeing im Zuge eines Handelskonflikts mit Bombardier im Jahr 2017 die Versionen 737 Max 8 und Max 9 als "ungeeignet" für bestimmte Flughäfen bezeichnete. "Die 737 Max 7 liefert an schwierigen Flughäfen eine bessere Performance" so Boeing in einem Schriftwechsel zu dem Verfahren, mit dem der US-Flugzeugbauer die Vorzüge seiner Max 7 erläutern wollte.

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Insbesondere könne die 737 Max 7 sogenannte "Hot&High"-Flughäfen bedienen und habe eine größere Reichweite beim Start auf kürzeren Bahnen. Boeing benennt in dem Schriftsatz mehrere Flughäfen in Nordamerika, welche von der Max 7 angeflogen werden könnten, von den Versionen Max "8, 9 und 10 jedoch nicht" und verweist auf bestimmte Kombinationen aus Höhe, Klima und Startbahnlänge einiger Flughäfen.

Die Namen der betroffenen Flughäfen wurden nicht veröffentlicht. Während einer Anhörung vor der Handelskomission antwortete ein Sachverständiger für Boeing auf die Frage, welche Flughäfen dies seien, jedoch: "manchmal könnte Denver dazu gehören." Ein weiterer Experte gab an, dass auch Mexiko-Stadt "sicherlich" dazu zähle.

Sowohl der Flughafen von Mexiko-Stadt als auch der von Denver liegen zwischen knapp 100 und gut 600 Meter tiefer als der Bole Airport in Addis Abeba – ihre Start- und Landebahnen sind ebenso lang oder länger als die in Addis Abeba, von wo aus der verunfallte Ethiopian-Flug startete. Auch Aeroméxico betreibt Boeing 737 Max 8 in ihrer Flotte und am Drehkreuz in Mexiko Stadt.

Der Flughafen im indonesischen Jakarta, von dem die Lion-Air-Unglücksmaschine abhob, ist besonders heiß. Sowohl hoch gelegene als auch besonders warme Flughäfen beeinflussen die Leistungswerte von Flugzeugen. So müssen beispielsweise höhere Start- und Landegeschwindigkeiten geflogen werden, um den benötigten Auftrieb zu gewährleisten.

Laut Bloomberg spielte die Höhe beziehungsweise Hitze an den Flughäfen in der Unfalluntersuchung der Max-Unglücke bisher keine Rolle. Zwar könnten sich diese Faktoren in kritischen Flugzuständen als zusätzliches Problem erweisen, jedoch sei es nicht zwingend, dass sie ursächlich für die Abstürze seien. Eine Aussage dazu könne jedoch erst ein vollständiger Unfallbericht zu beiden Unglücken treffen.

Trotzdem sehen US-Rechtsexperten in dem Schriftsatz durchaus juristische Sprengkraft: "Selbst wenn es Bullshit ist, werden sich die Anwälte der Kläger auf das Zitat konzentrieren und Boeing auffordern, es zu erklären", sagte der langjährige Luftfahrtanwalt Roger Clark, der Professor für Luftfahrtrecht an der Rutgers University in New Jersey ist.

© dpa, Ted S. Warren/AP Lesen Sie auch: Boeing nach Flugzeugabstürzen von Aktionären in USA verklagt

Von: dk mit dpa
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