
Air Berlin übernimmt TUIfly-Liniengeschäft Doch keine Überkreuzbeteiligung
Wie vorgesehen übernimmt Air Berlin zum Beginn des Winterflugplans Ende Oktober das TUIfly-Geschäft mit Städteverbindungen, teilte Air Berlin am späten Montagabend in einer Pflichtmitteilung für die Börsen mit. Das Chartergeschäft verbleibt bei TUI.
Alle innerdeutschen Verbindungen sowie die Flüge in europäische Städte - stark ist TUIfly vor allem bei den Strecken nach Italien und Österreich - übernimmt damit die Air Berlin. Die bisher gebuchten Flüge bleiben gültig, werden aber unter Air-Berlin-Flugnummern durchgeführt. Hierfür verchartert TUIfly für die Wintersaison 2009/10 zunächst 13 und ab Sommer 2010 dann 14 Flugzeuge über einen langfristigen Leasingvertrag inklusive Crews an Air Berlin.
Air Berlin verstärkt durch die Übernahme der TUIfly-City-Strecken nach eigenen Angaben ihre Präsenz auf den Märkten Köln, Stuttgart und Italien. "Damit bauen wir unser europäisches und innerdeutsches Streckennetz aus, was gerade für das Firmenkundengeschäft von erheblicher Bedeutung ist", sagte Air-Berlin-Chef Joachim Hunold laut Mitteilung. Zugleich werde die Position der Air Berlin im "herausfordernden wirtschaftlichen Umfeld" verbessert.
Doch keine Überkreuzbeteiligung
Die zweitgrößte deutsche Fluggesellschaft und der Reisekonzern specken ihre geplante strategische Kooperation allerdings nach Problemen mit den Kartellbehörden ab: Die ursprünglich vorgesehene Überkreuzbeteiligung von bis zu 19,9 Prozent wird nicht umgesetzt.
Nachdem das Kartellamt wettbewerbsrechtliche Bedenken habe durchblicken lassen, sei jetzt eine einseitige Beteiligung der TUIfly von 9,9 Prozent an Air Berlin vorgesehen. TUI zahle für ein entsprechendes Aktienpaket 33,5 Millionen Euro. Im Fall der Beteiligung, für die noch Abstimmungen mit dem Bundeskartellamt nötig wären, werde TUI diese in den nächsten Jahren «planmäßig verringern».
Sollte auch diese Lösung auf kartellrechtliche Einwände stoßen, soll es keine Beteiligungen geben. In diesem Fall zahle TUI an Air Berlin einen Ausgleichsbetrag von 15 Millionen Euro.
Air Berlin und TUI hatten Ende März 2009 eine entsprechende Vereinbarung unterzeichnet und dabei auch eine Überkreuzbeteiligung ihrer beiden Airlines beim Bundeskartellamt zur Genehmigung angemeldet. Das Bundeskartellamt hatte daraufhin die Übernahme des "City Carrier"-Liniengeschäftes bereits genehmigt, nicht aber die mögliche Minderheitsbeteiligung von TUI an Air Berlin.
TUIfly gibt Lowcost auf und fliegt nur noch Charter
Mit der Abgabe der Linienverbindungen verabschiedet sich TUI aus dem Lowcost-Geschäft und besinnt sich zurück auf das Charterfluggeschäft. "Wir stellen TUIfly auf eine stabile wirtschaftliche Basis mit einer verbesserten Wettbewerbsposition im europäischen Luftverkehr", betonte TUI-Travel-Vorstandsmitglied Volker Böttcher. Durch die Übernahme der Städteverbindungen durch Air Berlin könne sich TUI im deutschen Fluggeschäft wieder ganz auf das touristische Streckenportfolio konzentrieren.
Die volle kommerzielle Verantwortung des bisher verlustreichen Städtegeschäfts der TUIfly übernimmt den Vereinbarungen nach ab dem Winterflugplan 2009/2010 vom 25. Oktober an Air Berlin. Die Verbindungen in die Feriengebiete, die im Charterverkehr die Reiseveranstalter bedienen, werden unverändert mit 23 Flugzeugen unter der Marke TUIfly vermarktet. Sie sollen aber auch künftig einzeln im Internet zu buchen sein.
2002 hatte sich TUI erstmalig auf dem boomenden Markt der Billigflieger mit der Marke "Hapag-Lloyd Express" (hlx) engagiert. Im Januar 2007 wurde die Lowcost Airline allerdings bereits wieder mit der Schwestermarke Hapagfly (vormals Hapag-Lloyd Flug) zur gemeinsamen Marke TUIfly verschmolzen.
Quelle: dpa-afx, ddp, airliners.de
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