Artikel vom 16.02.2009 0
Unglücksmaschine flog trotz Vereisung per Autopilot
Neue Ermittlungserkenntnisse
© dpa
Absturz einer Colgan-Air-Maschine am 12.2.09
Die Unglücksmaschine von Buffalo ist kurz vor ihrem Absturz in der Nacht zum Freitag per Autopilot geflogen - trotz Empfehlungen, Flugzeuge in stark eisigen Bedingungen per Hand zu steuern. Das hat die US-Flugsicherheitsbehörde NTSB bei der Auswertung des Flugschreibers herausgefunden, der aus den Trümmern der Maschine geborgen worden war. Allerdings ging die NTSB nicht so weit zu sagen, dass die Piloten des Propellerflugzeugs mit insgesamt 49 Menschen an Bord gegen Regeln verstoßen hätten. So gebe es keine Hinweise auf wirklich «schwer eisige Bedingungen» in der Unglücksnacht.Das Unglücksflugzeug sei vom Autopiloten gelenkt worden, obwohl die Fluggesellschaft und die US-Luftfahrtaufsicht bei Eiswetter eine Steuerung per Hand empfehlen, zitiert die Zeitung «New York Daily News» einen ehemaligen Experten der NTSB.
In einem Interview des Senders CNN am Montag sagte der Sprecher der Verkehrssicherheitsbehörde NTSB, Steve Chealander, er würde das Verhalten der Piloten nicht als «Fehler» charakterisieren. Nach seinen Worten hat die NTSB der Flugaufsichtsbehörde FAA empfohlen, Vorschriften zu erlassen, nach denen in «schwer eisigen Bedingungen» der Autopilot abgeschaltet werden solle, weil etwaige Probleme schneller bei einer Handsteuerung erkannt werden könnten. Die FAA habe solche Regeln aber bisher nicht erlassen.
Die Crew hatte kurz vor dem Absturz stark verreiste Tragflächen-Vorderkanten und Cockpitfenster diskutiert. Das Wetter zur Unglückszeit war leicht verschneit mit einer Sichtweite von 3 Meilen. Die Temperatur lag bei 33°F um den Gefrierpunkt.
Neue Ermittlungserkenntnisse
Es werde aber nach allen Richtungen ermittelt, sagte Chealander. Es sei zu früh, sich auf Eis als Unglücksursache festzulegen. Die Q400 verfüge über sehr effiziente Enteisungsmechanismen. Die Triebwerke liefen ersten Untersuchungen zufolge allerdings ohne Probleme.
Bereits am Freitag waren der Flugschreiber und der Stimmrekorder geborgen worden. Nach den Worten Chealanders ereignete sich das Unglück augenblicklich, nachdem die Klappen in knapp 2200 Fuß Höhe zur Landung ausgefahren wurden. Danach kam es zu heftigen Neigungs- und Rollbewegungen. «Sie hatten plötzlich eine ganze Menge (Probleme), und dann sind sie runtergekommen», erläuterte er.
Den Aufzeichnungen zufolge sprang kurz vor dem Absturz sowohl der Stick-Shaker, wenig später auch der Stick-Pusher an. Die beiden System warnen die Crew vor einem Strömungsabriss bzw. agieren dagegen. Dass diese Systeme anschlugen deute darauf hin, dass die Luftströmung am Flügel nicht ausreichend war.
Nach Erkenntnissen der Ermittler schlug das Flugzeug flach auf und nicht wie zunächst angenommen steil mit der Nase zuerst. Zudem zeigte die Flugzeugnase beim Aufschlag entgegen der ursprünglichen Flugrichtung. Darauf deute die Lage der Wrackteile hin, hieß es von der NTSB am Sonntag.
NTSB-Briefing vom Sonntag
Bis zum Sonntag konnten nach Angaben der Behörden zunächst 15 Leichen geborgen werden. Bergungstrupps durchkämmten am Wochenende weiter in eisigen Temperaturen das Trümmerfeld. Es wird den Angaben zufolge noch Tage dauern, bis alle Opfer geborgen sein werden.
Die Bombardier Q400 der für Continental Connection fliegenden Colgan Air war in der Nacht zum Freitag beim Landeanflug auf den Flughafen in Buffalo in ein Haus gestürzt. Alle 49 Menschen an Bord und ein Mann am Boden kamen dabei ums Leben. Flug 3407 war vom Flughafen Newark in New Jersey gestartet.
Weitere Informationen zum Thema:
Stand: 16.02.2009 - 3:52 PM Uhr
Quelle: dpa, airliners.de
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