Artikel vom 16.04.2008
Kammern fordern Rücknahme von Tempelhof-Schließungsbeschluss
Handwerkskammer-Präsident Stephan Schwarz ergänzte: «Für die Wirtschaft ist das Offenhalten von Tempelhof außerdem aus Kapazitätsgründen unbedingt notwendig.» Angesichts des rasant wachsenden Flugverkehrs würde BBI schon kurz nach der geplanten Eröffnung im November 2011 an seine Kapazitätsgrenzen stoßen. Dann könnte Tempelhof als Landeplatz für Geschäftsflugzeuge den BBI entlasten.Schweitzer fügte hinzu, die rot-rote Koalition müsse auch prüfen, ob die Hauptstadt alle Flughäfen im Stadtgebiet aufgeben wolle, während in Brandenburg rund um Berlin eine Vielzahl von Landeplätzen für Geschäftsflieger ausgebaut würden.
Auch Top-Manager mehrerer deutscher Konzerne machen sich für den Berliner Innenstadtflughafen Tempelhof stark. In ganzseitigen Zeitungsanzeigen mit der Forderung «Die deutsche Hauptstadt braucht Tempelhof» warben sie am Mittwoch dafür, bei einem Volksentscheid in Berlin am 27. April für ein Offenhalten des Airports zu stimmen. Zu den Unterstützern gehören Vorstandsvorsitzende wie Dieter Zetsche (Daimler), Peter Löscher (Siemens), Martin Winterkorn (Volkswagen), René Obermann (Telekom), Wolfgang Reitzle (Linde) und Jürgen Hambrecht (BASF). Als Tempelhof-Befürworter bekennen sich auch Bahnchef Hartmut Mehdorn sowie der Deutsche Industrie- und Handelskammertag (DIHK) und der Deutsche Fußball-Bund (DFB).
Die Berliner Flughäfen haben die Kammern deutlich kritisiert. Von Kapazitätsengpässen des BBI zum Zeitpunkt seiner Eröffnung und in den Folgejahren könne keine Rede sein, sagte Pressesprecher Ralf Kunkel auf ddp-Anfrage. Der BBI sei auf eine Anfangskapazität von 22 bis 25 Millionen Passagieren ausgerichtet. Sollten diese irgendwann erschöpft sein, könne der BI bis auf eine Kapazität von 40 Millionen Passagiere erweitert werden, ergänzte Kunkel. Dafür reiche es, Terminalnebengebäude zu errichten.
Für Geschäftsflieger werde ein eigenes Terminal rechts vor dem Hauptterminal errichtet, führte Kunkel weiter aus. «Das ist eine absolute Premiumlage.» Dort werde eine rasche Abfertigung der Geschäftsreisenden ermöglicht. Überdies würden diese Anlagen für Fluggesellschaften erweitert, die von Tempelhof zum BBI wechselten. Die entsprechenden Investitionen betrügen 7,5 Millionen Euro. Überdies werde der Flughafen Schönefeld bereits jetzt von Geschäftsflugzeugen gut angenommen, wie das entsprechende Aufkommen während der Berlinale gezeigt habe.
Die Kammern haben sich mit ihrem Anliegen zehn Tage vor dem Volksentscheid am 27. April zur Zukunft des Flughafens Tempelhof zu Wort gemeldet. Wenn eine Mehrheit der Teilnehmer und gleichzeitig 25 Prozent der Abstimmungsberechtigten (rund 610 000 Stimmen) für Tempelhof votieren, ist der Volksentscheid erfolgreich. Für den Senat hat der Volksentscheid allerdings keine rechtliche Bindung. Die rot-rote Regierung will Tempelhof zum 31. Oktober schließen.
Artikel vom 16.4.2008
Quelle: ddp, dpa
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