Artikel vom 03.03.2008 0

BFU analysiert Ursache für Beinahe-Katastrophe in Hamburg

Lufthansa A320 Sturmlandung

Nach der Beinahe-Katastrophe mit einem voll besetzten Lufthansa-Airbus A320 während des Orkans am Samstag bei der Landung am Flughafen Hamburg Fuhlsbüttel ermittelt die Bundesstelle für Flugunfalluntersuchung (BFU). Man gehe vor allem der Frage nach, warum die Maschine zur Landung auf einer für die vorherrschende Windrichtung ungüstigen Landebahn vorgesehen wurde.

Der Lufthansa Airbus A320 war am Samstag beim Landeanflug auf den Flughafen augenscheinlich nur knapp einer Katastrophe entgangen. Bei einem Landeversuch streifte die linke Tragflächenspitze den Boden, nachdem das Flugzeug von einer heftigen Windböe erfasst worden war. Die Cockpitcrew konnte die Maschine abfangen und startete durch. Der zweite Landeanflug war dann erfolgreich und das Flugzeug kam sicher an den Boden.

Der mit 131 Passagieren besetzte Airbus A320 aus München war beim Landeanflug kurz vor dem Aufsetzen von einer Böe des Orkans "Emma" erfasst worden. Das Flugzeug geriet dabei ins Schlingern, ein Flügel berührte mit der äußersten Spitze die Piste. Dank eines Durchstart-Manövers brachte der Pilot die Maschine wieder unter Kontrolle. Die Passagiere waren laut Lufthansa unverletzt geblieben, einige Insassen erlitten jedoch einen Schock.

Ein Amateur-Video des Vorfalls war auf der Internet-Homepage www.lifleak.com veröffentlicht worden.

Ein BFU-Sprecher sagte in Braunschweig, bei der Untersuchung ginge es nicht vorrangig um das Verschulden, sondern darum, die fachliche Ursache zu klären, um künftige Unfälle zu verhindern. Neben den vom Flughafen an ankommende Maschinen gesendeten Wetter- und Landeinformationen würden der Flugschreiber sowie der Sprechverkehr der Flugsicherung analysiert und die Besatzungsmitglieder befragt. Zusätzlich habe die BFU beim Deutschen Wetterdienst ein Gutachten angefordert.

Die BFU prüfe nun vor allem, warum der gesamte Flugbetrieb auf dem Hamburg Airport bis zum Zeitpunkt der Havarie auf der Landebahn 23 und nicht auf der günstigeren Rollbahn 33 abgewickelt worden sei, sagte BFU-Experte Lothar Müller der Nachrichtenagentur ddp am Montag in Braunschweig. Über die Landebahn 23, die im Gegensatz zur 33 über ein vollständiges ILS-Instrumentenlandesystem (ILS) verfügt, seien zum Zeitpunkt des Anflugs der Maschine schwere Sturmböen mit Geschwindigkeiten von bis zu 90 Stundenkilometern mit einem Winkel von 70 Grad zum landenden Flugzeug gefegt. «Die 33 wäre unter solchen Bedingungen schon besser gewesen», so Müller. Die Landebahn 33 verfügt nur über einen Landekurssender und kein vollständiges ILS. Ein Präzisionsanflug wird jedoch durch das Vorhandensein eines Localizers und eines Distance Measuring Equipments (DME) gewährleistet. Bei der anschließenden Landung auf dieser Rollbahn sei mit dem von leicht links vorn kommenden Wind dann der Seiteneinfluss relativ gering gewesen.

Die Pilotenvereinigung Cockpit kritisierte, der Maschine sei zunächst nicht die optimal geeignete Landebahn zugewiesen worden. Die Crew habe eine schwierige Situation "sehr gut und sehr professionell gemeistert", lobte Cockpit-Vizepräsident Niels Stüben im rbb-Inforadio. Er übte Kritik am Hamburger Flughafen, der der Maschine eine bestimmte Landebahn zugewiesen habe, obwohl gerade die andere - gegen den Wind liegende - Bahn für die Wetterbedingungen optimal geeignet gewesen wäre. Sie sei schließlich auch für den zweiten Landeanflug erfolgreich genutzt worden.

DFS-Sprecher Axel Raab sagte, es liege allein im Ermessen des Piloten, ob er zu landen versuche oder den Anflug abbreche. Die Bedingungen seien mit im Schnitt etwa 30 Knoten Seitenwind «völlig im Limit» für die Maschine gewesen. Die Landebahn 23 sei aufgrund der ILS-Ausstattung die bei derartigen Schlechtwetterlagen bevorzugte Piste. «Der Pilot entscheidet, auf welcher Bahn er runter will», sagte Raab. Die Crew erhalte zudem kurz vor der Landung nochmals die nötigen Wetterdaten vom Tower. Bei derartigen Orkansituationen drehe der Wind jedoch auch mal sehr schnell.

Die beschädigte Maschine wurde nach der Havarie in die Flugzeugwerft von Lufthansa Technik gebracht. Nach Angaben eines Sprechers wurden bei der Berührung mit der Landebahn der sogenannte Wingtip am linken Flügelende sowie die äußere untere Tragflächenverkleidung beschädigt. Beide Bauteile wurden ausgetauscht. Die Tragfläche selbst sei völlig in Ordnung. Die Maschine sei bereits durchgecheckt und könne voraussichtlich am Dienstag wieder in Betrieb gehen.

Artikel vom 3.3.2008

Quelle: AFP, ddp AFP, dpa, airliners.de

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