Nach Flugausfällen laufen nun Hunderte Klagen gegen Tuifly

12.01.2017 - 17:03 0 Kommentare

Massenhafte Krankmeldungen hatten im vergangenen Oktober die Tuifly-Maschinen am Boden gehalten. Nun droht dem Ferienflieger wieder größeres Ungemach: Hunderte betroffene Passagiere klagen auf Schadenersatz.

Fluggäste stehen an der Information der Tuifly auf dem Flughafen in Hannover. - © © dpa - Peter Steffen

Fluggäste stehen an der Information der Tuifly auf dem Flughafen in Hannover. © dpa /Peter Steffen

Wegen der massenhaften Flugausfälle bei Tuifly im Herbst laufen beim Amtsgericht Hannover bereits 395 Zivilverfahren. Die meisten Kläger machten Ansprüche gemäß der Fluggastverordnung der Europäischen Union geltend, sagte Gerichtssprecher Jens Buck. Einige Fluggäste klagten auch auf Schadenersatz, weil ihnen eine gesamte Pauschalreise entgangen sei.

Der Ferienflieger Tuifly hatte Anfang Oktober 2016 seinen Betrieb wegen massenhafter Krankmeldungen seiner Besatzungen fast komplett eingestellt. Auch an weiteren Tagen gab es Flugausfälle, ehe sich der Betrieb wieder normalisierte.

Entschädigungen zunächst abgelehnt

Tuifly lehnte Entschädigungen zunächst ab. Das Unternehmen argumentierte damit, dass die massenhaften und äußerst kurzfristigen Krankmeldungen ein außergewöhnlicher und nicht vermeidbarer Umstand im Sinne von höherer Gewalt gewesen seien. Nach einer Entscheidung des Bundesgerichtshofs (BGH) sind Fluggesellschaften im Fall eines Streiks von einer Entschädigungszahlung befreit. Ob die Krankmeldungen auch als solches unabwendbares Ereignis aufzufassen sind, sei rechtlich strittig, sagte Buck.

Nach Einschätzung des Sprechers gibt es in Zusammenhang mit den Flugausfällen vermutlich noch weitere Gerichtsverfahren an anderen Amtsgerichten. Neben der Klage in Hannover, am Sitz des Unternehmens Tuifly, hätten Reisende auch die Möglichkeit, am Abflugsort zu klagen.

Kurz bevor es zu den massenhaften Krankschreibungen kam, war bekannt geworden, dass die Touristiksparte von Air Berlin mit Tuifly zusammengelegt werden soll. Mittlerweile haben sich die Gemüter beruhigt. Der Tui-Aufsichtsrat billigte Ende Novemver die geplante gemeinsame Ferienfluggesellschaft des Reisekonzerns und des Air-Berlin-Anteilseigners Etihad.

© dpa, Julian Stratenschulte Lesen Sie auch: Tui stellt wichtige Weiche für Umbaupläne von Air Berlin und Tuifly

Von: gk, dpa
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