Nach Bayern-Wahl: Schlechte Chancen für dritte Bahn in München

15.10.2018 - 16:48 0 Kommentare

In Bayern sind die möglichen Koalitionspartner der CSU strikte Gegner des Flughafenausbaus in München. Lufthansa-Chef Spohr kann offenbar noch längere Zeit ohne die dritte Bahn auskommen.

Blick auf das Terminal 1 des Airport München.

Blick auf das Terminal 1 des Airport München.
© Flughafen München GmbH - Werner Hennies

Blick auf das Terminal 2 am Airport München.

Blick auf das Terminal 2 am Airport München.
© Flughafen München GmbH - Werner Hennies

Das Ergebnis der Landtagswahl in Bayern könnte für den Flughafen München unangenehmen Folgen haben: Aller Voraussicht nach verschiebt sich der Bau einer dritten Start- und Landebahn im Erdinger Moos bis auf Weiteres. Denn eine politische Mehrheit gibt es dafür vorerst nicht mehr im Landesparlament.

Alle Parteien, die als Koalitionspartner für die CSU in Frage kommen, sind strikte Gegner eines Flughafenausbaus. Das gilt insbesondere für die Freien Wähler, die am Sonntag von Ministerpräsident Markus Söder (CSU) bereits als Wunschpartner für eine Regierung benannt wurden.

Freie Wähler machen Aus für die dritte Bahn zur Bedingung

Parteichef Hubert Aiwanger nannte den Punkt "Keine dritte Startbahn" am Montag noch einmal ausdrücklich als Bedingung für eine Koalition mit der CSU. Die Freien Wähler hatten bereits in der vergangenen Woche per Pressemitteilung bekräftigt, dass sie das Großprojekt "aus sozialen und ökologischen Gründen" ablehnen.

Die Stadt München platze schon jetzt aus allen Nähten, erklärte Aiwanger. "Ein weiterer Wachstumsschub durch eine dritte Startbahn hätte sehr negative gesellschaftliche Auswirkungen wie etwa eine weitere Mietpreisexplosion und Verkehrsstress."

Die Freien Wähler schlagen unter anderem eine Verringerung des Flugverkehrs durch Verlagerung innerdeutscher Flüge auf die Schiene vor. Außerdem sieht das Wahlprogramm ein gesamtbayerisches Flughafenkonzept mit einer Stärkung der Airports Nürnberg und Memmingen vor.

Grüne: "Wir brauchen kein Drehkreuz"

Auch die Grünen und die SPD - rechnerisch ebenfalls mögliche Koalitionspartner der CSU - sprachen sich in ihren Wahlprogrammen ausdrücklich gegen die dritte Bahn aus. Am vehementesten ist die Position der Grünen, die nicht nur eine Aufhebung des Planfeststellungsbeschlusses fordern, sondern auch der Ansicht sind: "Wir brauchen hier kein internationales Drehkreuz."

Einzige Partei im bayerischen Landtag, die sich zum Flughafenausbau bekennt, ist die FDP. Sie hat jedoch nicht genug Sitze, um mit der CSU eine Regierung zu bilden.

CSU ging bereits auf Distanz zum Ausbau

Die CSU selbst hat in ihrem Wahlprogramm den Münchner Flughafen mit keinem Wort erwähnt. Söder entschied im Februar, das Thema aus dem Wahlkampf herauszuhalten.

Zwar hatte sich die Regierungspartei immer wieder zum Bau der dritten Bahn bekannt. Angesprochen oder gar forciert wurde das Projekt zuletzt aber nicht mehr. Söder nannte im Februar das Jahr 2025 als Termin für eine Fertigstellung.

© Flughafen Muenchen Lesen Sie auch: CSU will Startbahn-Entscheidung für München aufschieben

Spohr will Ausbau bis 2030

Mittlerweile sieht offenbar sogar die Lufthansa das Thema weniger dringlich als zuvor. "Tendenziell brauchen wir diese Startbahn etwas später", sagte Airline-Chef Carsten Spohr bereits vor der Wahl am vergangenen Donnerstag. Wie die Nachrichtenagentur Reuters berichtet, sieht Spohr die zusätzliche Bahn in München erst Ende des kommenden Jahrzehnts als erforderlich an. "Dann sollte es passieren, wenn München nicht in eine Sackgasse kommen will."

So wie der Flughafen selbst hatte Lufthansa zuletzt stets eine Inbetriebnahme bis 2025 gefordert. Nun erklärte Spohr, Lufthansa überbrücke die Kapazitätsengpässe in München mit größeren Maschinen und einer höheren Auslastung der Flugzeuge.

Von: pra
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