Gedankenflug

Auch am Flughafen lässt sich über Musikgeschmack streiten

31.08.2016 - 09:19 0 Kommentare

An einem Londoner Flughafen werden Reisende an der Sicherheitskontrolle nun mit Musik beschallt. Ein guter Ansatz, findet airliners.de-Redakteur Gunnar Kruse. Doch mit der Auswahl der Songs ist das so eine Sache.

"I believe I can fly" - auch ein passender Song beim Warten am Flughafen. © dpa /Malte Christians

Na, das ist ja mal eine Nachricht: "London City Airport empfängt Reisende an der Sicherheitskontrolle mit wohltuenden Klängen." Die "subtile Einspielung von Musik, die zu den Airport-Sicherheitskontrollen passt und als vertraut sowie positiv empfunden wird, kann eine willkommene Ablenkung bedeuten", wird eine Musikpsychologin zitiert.

Klingt alles erst mal gut - und auch recht naheliegend. Den entspannenden Effekt von Musik können sicherlich die meisten Menschen bestätigen. Doch der Teufel steckt mal wieder im Detail. Was zugleich als "wohltuend", "vertraut" und "positiv" empfunden wird, ist wie so vieles - und gerade in Sachen Musik - Geschmackssache.

Madonnas 80er-Jahre-Hit "Holiday" oder Daft Punk mit "Around the World" als Wartemusik in der Schlange vor der Sicherheitskontrolle? Naja, da muss man schon in der "passenden Laune" sein, wundert man sich beim Blick auf die Playlist des London City Airports.

Zu dessen Ehrenrettung: Zu den besten vom Fliegen inspirierten Liedern gehören laut Flughafen auch Songperlen wie "The Passenger" von Iggy Pop oder "Aeroplane" der Red Hot Chili Peppers.

Hamburg Airport hat bereits Top-20-Liste erstellt

Sollten sich deutsche Flughäfen ein Vorbild an den Briten nehmen, ist ein ähnliches, akustisches Vergnügen nicht ganz ausgeschlossen. Gut vorbereitet wäre beispielsweise der Flughafen Hamburg. Eine Top-20-Liste der besten Songs rund ums Fliegen gibt es dort bereits.

Und mit "In The Air Tonight" von Phil Collins oder "Fly on the wings of love" der Olsen Brothers im Ohr entspannt auf die Kontrolle zu warten? Eigentlich ein ganz angenehmer Gedanke. Und auch "Flieger, grüß mir die Sonne" (fast egal, von wem interpretiert) würde die Stimmung unter den Wartenden bestimmt aufpolieren.

"Über den Wolken" darf nicht fehlen - oder doch?

Apropos aufpolieren: Dies sollten die Hamburger vielleicht doch besser mit ihrer Songliste tun, falls sie sich jemals mit dem Gedanken einer öffentlichen Aufführung tragen sollten. Denn ob das offenbar unvermeidliche "Über den Wolken" von Reinhard Mey oder Nicoles "Flieg nicht so hoch mein kleiner Freund" wirklich eine subtil-vertraut-positive Ablenkung wären, darf zumindest angezweifelt werden. Aber wie gesagt, wie so vieles ist das alles Geschmackssache.

Eines ist hingegen klar: Wenn man den Faden weiterspinnt, kann man nur froh sein, dass Gottlieb Wendehals in seiner "Polonäse Blankenese" das Thema Fliegen vermieden und so nicht den Sprung in die norddeutsche Top-20-Liste geschafft hat. Nicht auszudenken, wozu dieser Fetenkracher die Schlange vor der Sicherheitskontrolle animieren könnte...

Über den Autor

Gunnar Kruse Gunnar Kruse hat Literatur und Politikwissenschaften studiert. Nach seinem Volontariat arbeitete er als Tageszeitungsredakteur, freier Journalist und als Online-Redakteur für die Nachrichtenagentur dapd. Seit 2013 ist er Mitglied der airliners.de-Redaktion. Kontakt: gunnar.kruse@airliners.de

Von: gk
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