München: Wohl keine dritte Bahn vor 2023

05.11.2018 - 07:45 0 Kommentare

Die neue bayerische Regierungskoalition legt das Projekt Dritte Bahn am Münchner Flughafen in dieser Legislaturperiode wohl auf Eis. Die ADV zeigt sich enttäuscht.

Über die dritte Piste am Flughafen München wird seit Jahren diskutiert. - © © FMG -

Über die dritte Piste am Flughafen München wird seit Jahren diskutiert. © FMG

CSU und Freie Wähler legen die Planungen für die umstrittene dritte Startbahn am Münchner Flughafen für fünf Jahre auf Eis. Über die Notwendigkeit des Projekts gebe es zwischen den beiden Koalitionspartnern unterschiedliche Auffassungen, heißt es nach Angaben aus Parteikreisen im schwarz-orangen Koalitionsvertrag.

© Flughafen München GmbH, Werner Hennies Lesen Sie auch: Nach Bayern-Wahl: Schlechte Chancen für dritte Bahn in München

Ein offizielles Statement dazu gibt es nicht. Allerdings hieß es bereits am Freitag, dass beide Parteien erfolgreich die Koalitionsverhandlungen beendet und Markus Söder am Dienstag zum Ministerpräsidenten gewählt werde.

Piste wurde Voraussetzung für Koalitionsgesprächen

Die Planungen für den Bau würden in der aktuellen Legislaturperiode - diese dauert bis ins Jahr 2023 - nicht weiterverfolgt. Die CSU will die dritte Startbahn, die Freien Wähler sind strikt dagegen.

Der Parteichef der Freien Wähler, Hubert Aiwanger, hatte kurz nach der Wahl das Aus für die dritte Bahn zur Bedingung für eine Regierungskoalition mit der CSU gemacht. Seine Partei lehnt das Großprojekt "aus sozialen und ökologischen Gründen" ab. Konkret erklärte er, dass die Stadt München bereist aus allen Nähten platze.

So hätte für die Freien Wähler ein weiterer Wachstumsschub durch eine dritte Startbahn sehr negative gesellschaftliche Auswirkungen wie etwa eine weitere Mietpreisexplosion und Verkehrsstress. Die Freien Wähler wollen innerdeutsche Flüge auf die Schiene verlagern und schlagen ein stattdessen gesamtbayerisches Flughafenkonzept mit einer Stärkung der Airports Nürnberg und Memmingen vor.

ADV kritisiert Entscheidung

Der Flughafenverband ADV zeigte sich enttäuscht, weil das Projekt erst einmal nicht weiterverfolgt wird. "Die dritte Bahn ist eines der wichtigsten Infrastrukturvorhaben in Deutschland. Sie ist Garant für Wachstum und Arbeitsplätze. Wir fordern, dass die Politik sich zu dem Zukunftsprojekt dritte Bahn bekennt", so Hauptgeschäftsführer Ralph Beisel.

Die Verankerung des Moratoriums im Koalitionsvertrag sei icht nachvollziehbar. "Das Vorhaben hat alle Schritte der Planfeststellung erfolgreich durchlaufen. Der Flughafen München hat eine vorbildliche Bürgerbeteiligung durchgeführt. Alle gerichtlichen Instanzen haben die Ausbauplanungen bestätigt." Überzeugende Bedarfsprognosen belegen das Erfordernis für eine dritte Start- und Landebahn am Flughafen München. "Die Erweiterung ist von hoher Bedeutung für die Zukunftsfähigkeit des Luftverkehrs in Deutschland."

Planungen laufen seit 2007

Obwohl Ex-Parteichef Horst Seehofer noch anderer Meinung war, hielt seine Partei das Thema komplett aus dem Wahlkampf heraus. In der Vergangenheit war die CSU eine Befürworterin des Projekts und schmiedete sogar Pläne, die Airport-GmbH in eine AG umzuwandeln.

Der Flughafen München plant seit 2007 den Bau einer dritten Start- und Landebahn. Mit der vier Kilometer langen und 60 Meter breiten Piste könnte die Kapazität deutlich gesteigert werden. Statt bisher maximal 90 stündlichen Abflügen wären dann 120 Flugbewegungen möglich. Schätzungen zufolge liegen die Kosten bei rund 1,6 Milliarden Euro, die der Airport komplett eigenständig finanzieren könnte.

Bisher ist das Projekt an den unterschiedlichen Ansichten der drei Gesellschafter (Freistaat Bayern, Landeshauptstadt München, Bundesrepublik Deutschland) gescheitert. 2012 stimmten die Münchner in einem Volksentscheid gegen die Bahn.

Von: br
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