München fürchtet Ende der Zeitumstellung

14.12.2018 - 07:09 0 Kommentare

Die Abschaffung der Zeitumstellung innerhalb der EU verunsichert die Luftfahrt. Während Verbände zusammen mit dem Flughafen München warnen, sehen Experten kaum Probleme.

Flugzeuge am Airport München. - © © Flughafen München GmbH -

Flugzeuge am Airport München. © Flughafen München GmbH

Der Flughafen München erwartet signifikante Probleme für den Fall, dass die aktuelle Zeitumstellung abgeschafft werden soll. "Alle Flüge von und zu Zielen außerhalb der EU werden plötzlich eine Stunde 'falsch' liegen", heißt es auf Anfrage. An einem Flughafen, der so nahe am Engpass operiert, sei es schier unmöglich, eine solche große Zahl an Slots neu zu vergeben.

Zahlreiche Verbindungen sind nach der Abschaffung nicht mehr (sinnvoll) darstellbar.

Flughafen München

Gerade an den Tagesrandzeiten sei eine Verschiebung ohnehin ausgeschlossen, da dort das Nachtflugverbot greift. Für viele der betroffenen Ziele gelte daher: "Ein Flughafen wie Hong-Kong ist bereits voll und hätte keine neuen Slots zu anderen Zeiten - schon gar nicht für eine große Zahl an Flügen nach Europa."

Dies betreffe allerdings ausschließlich Verbindungen, die von München zu Zielen außerhalb der EU führten, so der Airport. "Innerhalb der Union verschiebt sich nichts, weshalb es im Falle einer Abschaffung der Zeitumstellung eminent wichtig wäre, dass diese Gruppe an Ländern möglichst groß ist." Neben der EU zähle auch die Schweiz dazu.

Zeitumstellung

Die EU-Kommission hatte nach einem entsprechenden Votum in den Mitgliedsländern beschlossen, dass die Umstellung von der Sommer- auf die Winterzeit abgeschafft werden soll. Zunächst war das kommende Jahr angepeilt; jedes Mitgliedsland sollte dann selbst entscheiden, welche Zeit es annehmen möchte. Allerdings revidierte die EU diese Entscheidung jüngst und peilt nun "frühestens 2021" für die Umstellung an. In den kommenden Monaten will man sich innerhalb des Staatenbundes auf eine Zeit einigen. Denn: Die EU kann nur sagen, ob die Zeitumstellung abgeschafft wird - sie kann ihren Mitgliedstaaten nicht vorschreiben, ob dauerhaft Sommer- oder Winterzeit gelten soll.

Auch die Verbände Iata und Airlines-4-Europe erwarten "deutliche Auswirkungen auf die Luftfahrtindustrie". Grundsätzlich rufe man die EU dazu auf, beim jetzigen Modell zu bleiben, heißt es in einer gemeinsamen Erklärung.

Da es aber wohl zur Abschaffung der Zeitumstellung komme, präferiere man nach tiefgehender Analyse das Modell der Sommerzeit - "und zwar in allen Mitgliedstaaten". Ohne eine "Synchronisation der Zeit in allen 28 Staaten" werde es zu einem "Chaos" kommen.

Experte verweist auf UTC-Zeiten

Weniger dramatisch sieht Experte Michael Muzik von Lufthansa Systems die Situation: ..."Da das Slot-Management auf Basis der UTC-Zeiten stattfindet, sehe ich airlineseitig keine Auswirkungen", so der Experte. "UTC-Zeiten sind im Slot-Management und der Airline-Operations allgemein auch der zentrale Referenzpunkt, um Problematiken, die sich aus den lokalen Zeiten bei unterschiedlichen Zeitzonen ergeben können, zu vermeiden."

© dpa, Arne Dedert Lesen Sie auch: So berechnet man internationale Flugzeiten Basiswissen Luftverkehr (2)

Dass die UTC bei Nachtflugbeschränkungen dennoch ein Problem sei, verdeutlicht der Flughafen München anhand eines Beispiels: So landet der um 23.05 Uhr startende Flug aus Hong-Kong aktuell um kurz nach fünf Uhr morgens in München - also kurz nach dem geltenden Nachtflugverbot (jedoch während der Nachtflugbeschränkung). Würde die Sommerzeit abgeschafft, würde dieser Flug bereits um kurz nach vier Uhr morgens in München landen.

Keine passenden Slots in Hong-Kong

Hong-Kong liegt acht Stunden vor UTC; ein Abflug dauerhaft um 24 Uhr in Hong-Kong - damit die Maschine das ganze Jahr über nach dem Nachtflugverbot in München landet - bräuchte entsprechend einen Abflug nach 16 Uhr UTC in China. Allerdings zeigt der Blick in die Tabelle der Slot Coordination für HKG, dass es maximal um kurz vor und nach elf Uhr vormittags noch Slots zum Starten geben würde.

Daraus resultiere, so der Flughafen, das Risiko, "ganze Routen zu verlieren, da sie überhaupt nicht oder zumindest nicht sinnvoll geflogen werden können". Die einzige Möglichkeit wäre, dass solche Routen einfach langsamer geflogen würden, scherzt man am Airport.

Von: cs
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