Monopolstellung für Swiss-Chef "völlig normal"

04.12.2017 - 11:09 0 Kommentare

Swiss dominiert mit ihrem Angebot den Flughafen Zürich - dieses Monopol sei für einen Home-Carrier "völlig normal", sagt Airline-Chef Klühr. Auch in der Preisdebatte stellt er sich schützend vor den Kranich-Konzern.

Thomas Klühr. - © © Swiss -

Thomas Klühr. © Swiss

Swiss-Chef Thomas Klühr hat sich gegen Vorwürfe der Monopolstellung von Swiss am Flughafen Zürich gewehrt. " Es ist völlig normal, dass ein Hub-Carrier aus seinem Heimatmarkt heraus viele Strecken allein betreibt. Doch: Jede der von uns angeflogenen Strecken steht jedem Mitbewerber offen", sagte der Manager der Lufthansa-Tochter nun im Interview mit der "NZZ". Swiss ist mit Abstand größter Kunde am Flughafen Zürich.

Im laufenden Winterflugplan bietet allein Swiss über 55 Prozent der Sitzplatzkapazitäten ab dem Schweizer Flughafen an. Erweitert man diese Darstellung auf alle Airlines des Lufthansa-Konzerns sind es sogar fast 70 Prozent.

Kapazitäten ab Zürich
Angaben in Prozent
Siwss 55.2
Edelweiss 4.6
Eurowings 3.6
Lufthansa 2.7
Easyjet 2.5
British Airway 2.5
Emirates 2.1
Restliche Airlines 28.6

Die Grafik zeigt die Verteilung der Sitzplatzkapazitäten von Fluggesellschaften auf Flügen ab dem Airport Zürich im aktuellen Winterflugplan. Restliche Airlines sind alle mit weniger als zwei Prozent Anteil. Angaben gerundet. Quelle: CH Aviation, Stand: 4. Dezember 2017

Schaut man sich nur die Zahl der Flüge an, erhöht sich der prozentuale Wert von Swiss noch einmal auf knapp 60 Prozent. "Wenn die Swiss eine bestimmte Strecke ins Angebot nimmt, erwarten unsere Geschäftskunden, dass wir das Ziel nicht nur ein-, zweimal die Woche anfliegen, sondern mehrmals täglich", so Klühr. Das sei kostenintensiv und mit einem höheren Preisniveau verbunden.

Experten schätzen, dass sich dieses Preisniveau seit dem Ende der Air Berlin auf einigen Routen um bis zu 30 Prozent nach oben verändert hat. Da die Lufthansa-Airlines auf vielen Strecken die einzigen Anbieter sind, richten sich Vorwürfe der Preistreiberei gegen den Konzern. Auch das Bundeskartellamt will den Fall prüfen. "Wir haben die Preisstruktur nicht verändert", stellt Klühr nun klar.

"Unser Buchungssystem reagiert auf eine hohe Nachfrage mit einer Reduktion der billigen Klassen. Das ist der übliche Mechanismus einer Marktwirtschaft." Er verstehe die derzeitige Aufregung daher "nur begrenzt". Ähnlich hatte sich zuletzt auch Kranich-Chef Carsten Spohr geäußert.

© dpa, Frank Rumpenhorst Lesen Sie auch: Lufthansa wehrt sich gegen Preis-Vorwürfe

Auch setzt der Konzern auf den Strecken Frankfurt-Berlin sowie München-Berlin aktuell größeres Fluggerät ein, um den Passagieransturm bewältigen zu können. Swiss verfährt laut Klühr auf der Route Zürich-Berlin genauso. Durch Flugplandaten lässt sich dies jedoch nicht verfizieren.

Klühr erwartet harten Wettbewerb

Trotz der Pleiten von Airlines wie Air Berlin, Alitalia und Monarch geht Klüher davon aus, dass der "Druck zunehmen wird". Bezüglich des seit zehn Jahren anhaltenden Preisverfalls erwarte er "keine grundlegende Wende".

Die grossen Low-Cost-Airlines Ryanair und Easyjet haben noch viele Flugzeuge gekauft, die in den kommenden Jahren in Betrieb gehen und damit zusätzliches Angebot schaffen. Jetzt ist dieses Jahr eine Reihe von namhaften Airlines trotz guter Konjunkturlage aus dem Rennen gefallen.

Thomas Klühr, Swiss-Chef

Für das Wachstum der Swiss am Flughafen Zürich sieht er mit den drohenden Einschnitten durch eine Einschränkung der Nachtflüge dennoch klare Grenzen: "Verlieren wir - wie politisch gefordert - die letzten 30 Minuten am Abend zum Abbau von verspäteten Flügen, gefährden wir die Langstreckenverbindungen nach Südamerika, Südafrika sowie Südostasien." Heute dürfen zwischen 23.30 und sechs Uhr am Flughafen Zürich keine Maschinen landen oder starten.

Von: cs
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