Mitarbeiter begehren gegen Kötter auf

Kollabierende Passagiere vor den Sicherheitsschleusen, eine Überlastungsanzeige der Mitarbeiter und mittendrin ein Flughafen, der Rechtsmittel prüft: Das Problem der "Kötter Aviation Security" in Düsseldorf ist groß.

Ein Fluggastkontrolleur tastet mit einer Handsonde einen Passagier ab. Foto: © dpa, Oliver Berg

Lange Schlangen an den Sicherheitsschleusen: Die Mitarbeiter der "Kötter Aviation Security" am Flughafen Düsseldorf haben eine Überlastungsanzeige gegen ihren Arbeitgeber eingereicht. Mit dem Instrument des Arbeitsschutzes machen sie deutlich, dass sie nicht mehr die Haftung für Fehler übernehmen können. Die Verantwortung für eventuell auftretende, nicht entdeckte Sicherheitsverstöße geht damit auf Kötter und die Bundespolizei über, die den Auftrag an die Sicherheitsfirma vergeben hatte. 

Der Flughafen erklärte nun, dass er "vor dem Hintergrund der weiterhin bestehenden massiven Einschränkungen durch die personelle Unterbesetzung an den Sicherheitskontrollstellen" Rechtsmittel gegen Kötter prüfe. "Auch wollen wir - soweit dies möglich ist - eigenständig Ersatzmaßnahmen in die Wege leiten", so Flughafenchef Thomas Schnalke.

"Der Zustand, der sich nun schon seit Wochen an den Sicherheitskontrollen zeigt, ist unhaltbar und für uns in höchstem Maße geschäftsschädigend", sagte Schnalke. Man habe viele Gespräche mit der Firma Kötter und der Bundespolizei geführt. "Diese haben bei uns den Eindruck hinterlassen, dass Verbesserungen immer nur angekündigt, aber nicht realisiert werden. Bei allen Passagieren, die von der personellen Unterbesetzung der vergangenen Wochen betroffen waren, können wir uns nur aufrichtig entschuldigen." 

Mitarbeiter kritisiert geringe Personaldichte

Seit Wochen ist die Sicherheitsabfertigung der Fluggäste überfüllt. Mitarbeiter berichten, dass sie unterbesetzt sein und deutlich zu lange arbeiteten: In der Regel besteht ein Team pro Sicherheitsschleuse aus sechs Leuten - alle 20 Minuten tauschen sie die Aufgaben.

Warteschlange vor einer Sicherheitsschleuse am Flughafen Düsseldorf am 5. September (Dienstag). Foto: © privat

Aktuell würden die Teams oft nur aus fünf Personen bestehen und mehr als die doppelte Stundenzahl ohne Pause arbeiten. Das Personal klagt an, es müsste saisonal bedingt mehr Fluggäste kontrollieren, die Personaldichte hingegen sei aber nicht erhöht worden.

Mitarbeiter berichten zudem von Fluggästen, die panisch würden, weil ihr Boarding schon begann, während sie noch am Sicherheitscheck warteten. Auch musste schon der Rettungswagen ausrücken, weil Fluggäste kollabierten.

Auch Düsseldorfs Oberbürgermeister Thomas Geisel (SPD) hat sich schon eingeschaltet. Er soll in einer SMS Schnalke zum Rapport einbestellt haben: "Diese Zustände sind nicht dauerhaft hinnehmbar."

Verdi: Rund 100 Mitarbeiter zu wenig

Im Auftrag der Bundespolizei sind täglich bis zu 450 Mitarbeiter von Kötter an den Sicherheitsschleusen am Düsseldorfer Flughafen im Einsatz. Die Gewerkschaft Verdi schätzt, dass dies rund 100 zu wenig sind.

Die Mitarbeiter seien völlig überlastet, sagt Gewerkschafter Özay Tarim im Gespräch mit airliners.de. "Teilweise liegt der Krankenstand bei 20 Prozent." Und Tarim geht noch weiter: "Ein fehlerfreies Arbeiten ist unter diesen Bedingungen unmöglich." Eine Garantie, bei den Kontrollen alles zu entdecken, könne nicht mehr gegeben werden.

"Wir fordern, dass Kötter den Mitarbeitern nach zwei Stunden Kontrollen eine bezahlte Arbeitsunterbrechung/Erholungsphase ermöglicht", formuliert Tarim die Ansprüche der Gewerkschaft. "Denn schleicht sich Routine ein, steigt die Wahrscheinlichkeit, dass Fehler passieren."

Es fehlt aber nicht nur an Personal: Auch die Schulungssoftware des Bundesinnenministeriums sei ein Problem. "Das Personal kann immer nur so gut sein, wie der Rahmen, indem es ausgebildet wird." In der Vergangenheit habe es oft Stichprobentests der Bundespolizei mit Sprengstofffolie gegeben, diese sei aber beispielsweise gar kein Bestandteil der Schulung. "Hier muss dringend aktualisiert werden", so Tarim. "Die Mitarbeiter machen aktuell unter schlechten Rahmen- und Arbeitsbedingungen einen hervorragenden Job."

Kötter beruft Arbeitsgruppe ein

"Wir können die Verärgerung der Geschäftsführung des Flughafens nachvollziehen. Daher haben wir uns bereits in der vergangenen Woche öffentlich dafür entschuldigt, dass unser Unternehmen durch den Personalmangel die Dienstleistungen für die Passagiere besonders in den 'Peak'-Zeiten nicht in der zugesagten Form erbringen konnten", sagte Kötter-Chef Peter Lange im Gespräch mit airliners.de. "Dies möchten wir heute ausdrücklich wiederholen."

Gleich­zeitig sicherte das Unternehmen zu, dass sich eine solche Si­tuation im kommenden Jahr nicht wiederholen werde. "Wir werden alles daran setzen, dass die von uns - in Abstimmung mit Bundespolizei und Flughafen - eingeleiteten Verbesserungsmaßnahmen vor dem nächsten zu erwartenden 'Peak' in den Herbstferien greifen werden", so Lange.

Als konkrete Reaktion wurden bereits folgende Maßnahmen eingeleitet: möglichst kurzfristige Ergänzung der eigenen Belegschaft durch identisch qua­lifi­zierte Fachkräfte aus befreundeten Unternehmen; aufgrund der absehbar weiter hohen Passagierzahlen wurde die Rekrutierung und Ausbildung zusätz­licher Sicherheitskontrollkräfte verstärkt; seit dem 1. September läuft ein gemeinsames Projekt mit dem Betriebsrat zur Krankenstandssenkung; Planungs- und Kontrollprozesse werden weiter digita­lisiert und für alle Beteiligten transparenter gestaltet.

Gleichzeitig betonte Lange das große Engagement und die "gute Arbeit" der an den Kontrollstrecken tätigen Mitarbeitern: "Ihre tägliche Leistung verdient unsere höchste Anerkennung und unseren größten Respekt."

Kontrollen

Fluggäste zu kontrollieren, ist Aufgabe des Staates. Doch in den 1990er-Jahren hat die Bundespolizei private Sicherheitsdienstleister beauftragt. Seitdem kontrollieren im Regelfall angestellte Luftsicherheitsassistenten Passagiere und Gepäck. Unternehmen wie Frasec, Kötter oder Securitas konkurrieren um die Dienstleistungsverträge, die über Jahre laufen.

Zu unterscheiden gilt es zwischen reinen Gepäckkontrollen, die in Paragraph 5 des Luftsicherheitsgesetz (LuftSiG) geregelt und in Bundeshoheit liegen sowie Personal- und Warenkontrollen, die durch Paragraph 8 LuftSiG geregelt sind und in der Hoheit des Flughafens liegen.

Gepäckstücke in der Sicherheitsschleuse. Foto: © dpa, Uwe Anspach

Von: Carlo Sporkmann

Datum: 07.09.2017 - 08:00

Adresse: http://www.airliners.de/mitarbeiter-koetter-ueberlastung-duesseldorf-verdi-aviation-security/42282