Mit diesen Programmen kämpfen Lufthansa-Airlines für mehr Pünktlichkeit

Exklusiv 13.11.2018 - 13:46 0 Kommentare

Operation Excellence, Chronos und Precise: Die Netzwerk-Airlines des Lufthansa-Konzerns haben jeweils eigene Programme für eine bessere Performance aufgelegt. Experten überzeugen die Maßnahmen nur bedingt.

Nächtlicher Betrieb am Flughafen Düsseldorf - © © AirTeamImages.com - TT

Nächtlicher Betrieb am Flughafen Düsseldorf © AirTeamImages.com /TT

Die Netzwerk-Airlines Lufthansa, Austrian und Swiss haben zum Winterflugplan jeweils eigene Programme gestartet, um die Operations zu verbessern. Bei Lufthansa ist dies die Operation Excellence, bei Austrian Chronos und bei Swiss Precise. Alle drei Carrier geben auf Anfrage nur wenige Informationen preis.


Bei Lufthansa umfasst die "Operation Excellence" beispielsweise das Vorhalten weiterer Reserveflugzeuge und die Einstellung hunderter neuer Mitarbeiter. Das seien unterstützende Maßnahmen, konstatiert ein Sprecher gegenüber airliners.de: "Wir arbeiten auch im normalen Betrieb fortlaufend an der Performance. Jetzt noch mal verstärkt."

Hintergrund sind zehntausende Flugstreichungen aller Group-Airlines in den ersten drei Quartalen des Jahres. Die Maßnahmen laufen jedoch nicht von jetzt bis ins Unendliche: "Projekte haben bei uns ein Anfang und ein Ende."


Bei Austrian Airlines ist die Informationsdichte ähnlich gering. Es sei das erklärte Ziel vom Flughafen Wien und Austrian, als Hub-Carrier das Drehkreuz Wien "wieder pünktlicher" zu machen, so eine Sprecherin. Denn die Performance war unter anderem wegen Luftraumüberlastungen und Gewittern in der jüngsten Vergangenheit stark eingeschränkt.

Das Projekt Chronos ist nach dem griechischen Gott der Zeit benannt. Zu konkreten Maßnahmen äußert sich die Airline nicht. Denn das Projekt werde erst noch gestartet.


Mehr Informationen hingegen gibt Swiss über ihr Programm: Precise. Dieses ist laut eines Sprechers "kürzlich ins Leben gerufen" worden und soll bis Ende 2020 mit einem "abteilungs- und unternehmensübergreifenden Ansatz" an der "nachhaltigen Stabilität des Swiss-Systems" arbeiten.

Gleichzeitig sollen "Prozesse und Tools entwickelt werden, um früher auf operative Störungen des Flugbetriebs reagieren zu können". Erste Ideen und Maßnahmen würden bereits definiert und in den kommenden Wochen ausgestaltet. "Unter anderem werden Rotationen, die besonders anfällig auf Verspätungen sind, genauer angeschaut."

Damit seien beispielsweise Umläufe nach London-Heathrow und Mallorca gemeint, präzisierte Airline-Chef Thomas Klühr jüngst in einem Interview. Von Swiss war in diesem Sommer jeder vierte Flug über eine Viertelstunde verspätet. Allerdings konstatierte Klühr für Precise bereits: "80 Prozent Pünktlichkeit, was für unsere Flüge ab Zürich das Ziel ist, werden wir 2019 aber auch damit nicht erreichen."


Experte nicht vollends überzeugt

Strategieberater Karl-Friedrich Müller überzeugen die bislang kommunizierten Maßnahmen nur zum Teil: "Operative Reserveflugzeuge gibt es eigentlich immer - und auch immer zu wenige." Allerdings sei es positiv hervorzuheben, wenn nach der schweren Situation dieses Sommers mehr Augenmerk auf die Struktur in diesem Bereich gelegt wird:

"Für niedrige Stückkosten ist die optimale - oft wird daraus dann vereinfachend die maximale - Nutzung der Ressourcen nun mal der entscheidende Schlüssel." Daraus leite sich ein Zielkonflikt zwischen operativer und ökonomischer Exzellenz ab.

Dies bedinge, dass es laut Müller "verlockend" ist, "Reserven auch für andere Dinge zu nutzen". Wenn beispielsweise ein Flugzeug zu spät ausgeliefert wird (oder eben verspätet zur Flotte stößt, weil die Behörde bei der Umregistrierung länger braucht), werde schnell die Reserve dauerhaft anderweitig eingeplant. "Das Ergebnis nennt man Chaos-Sommer."

"Das hält Druck auf dem Kessel"

Eine knappe Reservelage führe dagegen zu höherer Disziplin: "Das hält Druck auf dem Kessel." Gleichzeitig komme aber auch schnell die Frage auf, "wo der optimale Punkt zwischen den Extremen liegt". Hier sei die Prozesssteuerung und deren scharfe Umsetzung in höchstem Maße gefragt.

Ganz konkret müssten hier trotz aller "chaotischen Zustände" weiterhin zwei Bereiche getrennt werden: "Ich brauche Flugzeuge als Wartungs- und als operative Reserve." Oder anders gesagt: Werde im Rahmen der nächtlichen Wartung etwas entdeckt, das in einigen Tagen zu einem Problem führen könnte, "will man geplante Umläufe nicht beeinträchtigen, weicht man womöglich schnell auf die Reserven im anderen Pool aus." Und das war es dann mit der operativen Exzellenz.

Problematische Turns nicht verlegen

Der Idee, störanfällige Umläufe zu isolieren, erteilt Müller klar eine Absage: "Wenn man jene Turns im Rotationsplan verstreut, gibt es Schneeball-Effekte im gesamten Netz, die die Konnektivität infrage stellen."

Um das zu verhindern, brauche es eine kluge Flugplanung, "die heute natürlich nur noch IT-gestützt passiert. Aber hinter jedem Algorithmus steckt ein Mensch, der diesen einrichten muss."

Konkret gehe es hier darum, frühzeitig Hinweise für sich abzeichnende Verspätungen zu erkennen und in die Systeme zu implementieren. "Dies ist in der Flugzeugwartung längst erfolgreich etabliert und auch in der Flugplanung rudimentär bereits praktiziert. Die Kunst besteht darin, dies in die Planung zu antizipieren." Der Sommer habe aber gezeigt, dass hier "offensichtlich noch viel Platz nach oben ist".

Maßnahmenpaket auch von Eurowings

Aber auch an anderer Front ist der Konzern aktiv: So hat die Low-Cost-Tochter Eurowings ebenfalls ein ganzes Bündel an Maßnahmen aufgelegt, um die Performance-Probleme des Sommers nicht noch einmal passieren zu lassen. Laut einer Auswertung hat sich das Sommerangebot von Eurowings in diesem Sommer im Vergleich zur Vorjahresperiode zwar mehr als verdoppelt - allerdings stieg die Zahl der Problemflüge noch stärker.

Da die ganze Luftverkehrsbranche in diesem Sommer mit etlichen Ausfällen und Verspätungen zu kämpfen hatte, diskutierten Vertreter von Airlines und Airports zusammen mit Politikern Anfang Oktober in Hamburg über Lösungen. Sie einigten sich auf 24 Maßnahmen, die nach und nach umgesetzt werden sollen. Im kommenden Frühjahr soll es ein zweites "Gipfeltreffen" zwecks Evaluierung geben.

© airliners.de, Lesen Sie auch: Das wurde auf dem Luftfahrtgipfel beschlossen Überblick

Von: cs
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