Damit kämpft Eurowings gegen Verspätungen

12.10.2018 - 07:21 0 Kommentare

Die Branche will im nächsten Jahr ein Chaos wie in diesem Sommer verhindern. Dafür haben alle Beteiligten jüngst Maßnahmen verabredet. Eurowings wird in einigen Punkten nun offenbar konkreter.

Maschine von Eurowings. - © © AirTeamImages.com  - Matthieu Douhaire

Maschine von Eurowings. © AirTeamImages.com /Matthieu Douhaire

Eurowings will flankierend zu den Maßnahmen, die der Luftfahrtgipfel beschlossen hat, laut "Wirtschaftswoche" mit zusätzlichen Punkten verhindern, dass die Operations-Probleme aus diesem Sommer auch im kommenden Jahr wieder auftreten.

Wie Teilnehmer des Treffens airliners.de berichten, soll Lufthansa-Chef Carsten Spohr gesagt haben, dass man in diesem Jahr rund eine Viertelmilliarde Euro für durch Ausfälle und Verspätungen bedingte Kompensationszahlungen ausgeben muss - einen ähnlich hohen Betrag wolle man 2019 in die Umsetzung der eigenen Maßnahmen investieren.


Zuallererst will Eurowings mehr Puffer im eigenen Flugplan unterbringen. Je nach Airport, Reisezeit und Route soll es bis zu einer Viertelstunde mehr geben, heißt es im Bericht. Idealerweise werden so die Delays aus vorigen Flügen nicht weiter in die nächsten Umläufe mitgetragen.

Ähnlich geht auch Easyjet vor, erklärte Deutschlandchef Thomas Haagensen zuletzt im Interview mit airliners.de. So setzen die Briten gerade beim Aufbau der Operations in Berlin-Tegel auf eine "konservative Planung", die bedingt, dass mittags zwei bis drei Stunden Leerlauf eingeplant sind, damit Delays vom Vor- nicht in den Nachmittag "durchkommen".


Wellenbrecher: Eurowings will laut Bericht ähnlich wie andere Airlines auch rund ein halbes Dutzend Jets als Reserve halten. Sie sollen ohne fest zugeteilten Flugplan in die Operations miteingehen: Zeichnen sich große Delays ab, die nicht durch Puffer im Flugplan aufgefangen werden können, und so nachfolgende Umläufe stark beeinträchtigen, kommen diese Jets kurzfristig zum Einsatz. Denn gerade die Integration der über 70 Air-Berlin-Maschinen hatte im Frühsommer gezeigt, wie sehr Reserven benötigt werden.

Das Airline-Management gab selbst zu, dass die Pläne bei der Übernahme von Air-Berlin-Teilen "vielleicht zu ambitioniert" waren. Weil der Kranich-Konzern zehn Maschinen an den Niki-Käufer Niki Lauda abgeben musste, ruckelte es im Plan. Die Jets waren eigentlich als Reserven bei Eurowings gedacht. Im Juni forderte der Kranich die Maschinen Im ersten Halbjahr 2019 sollen diese Maschinen auch zurück kommen - um sie bei Eurowings einsetzen zu können.


Zudem will Eurowings Business-Flüge und Urlaubs-Routen voneinander trennen. Laut "Wirtschaftswoche" bezeichnet Airline-Chef Thorsten Dirks dies als "kapseln". Die Mutter Lufthansa geht hier nach airliners.de-Informationen einen ähnlichen Weg: Im innerdeutschen Verkehr kommen nur Maschinen zum Einsatz, die auch in Deutschland stationiert sind. So will man verhindern, dass Delays bei Überflügen von besonders streikfreudigen Flugsicherungsgebieten wie Frankreich nach Deutschland überschwappen.

Bei Eurowings sollen Geschäftsreisende zudem noch von anderen Vorzügen profitieren. Laut Bericht werde "das eilige Klientel" künftig beim Umbuchen bevorzugt. Auch sollen hochfrequentierte Strecken "immer an denselben Gates in der Nähe der Sicherheitskontrolle starten". Darüber hinaus sollen die Tarife "Best" und "Smart" im nächsten Jahr "renoviert werden, damit sie die Bedürfnisse der profitablen Klientel besser widerspiegeln".


Ebenfalls soll Lufthansa-Chef Carsten Spohr nach airliners.de-Informationen bei seinem Impulsvortrag auf dem Gipfel berichtet haben, dass der ganze Konzern in diesem Jahr bereits 8000 neue Mitarbeiter eingestellt hat. Laut "Wirtschaftswoche" soll zusätzliche Manpower auch an den Flughäfen unterstützend eingesetzt werden. Gleichzeitig "plant die Linie spezielle Pünktlichkeitsprojekte mit Flughäfen und Dienstleistern, etwa damit die Maschinen schneller entladen werden".

Teil der Initiative sei offenbar auch ein höheres Budget für die Dienstleister: "Lange bekamen bei Abfertigern vor allem die Billigsten den Zuschlag." Nun hätten die Low-Coster Probleme, für die Niedriglöhne genug Leute anzuheuern.


Auf dem Luftfahrtgipfel vergangenen Freitag in Hamburg hatten Branchenvertreter und Politiker zwei Dutzend Maßnahmen beschlossen, damit der Luftverkehr im nächsten Jahr weniger chaotisch wird als in diesem Sommer. Die massive Welle an Ausfällen und Verspätungen führte dazu, dass Airlines wie die deutsche Small Planet, Azur Air oder VLM in die Pleite rutschten.

Montage © airliners.de, AirTeamImages.com, Daniela H. / Fotolia Lesen Sie auch: Airline-Pleite entfacht Charter-Debatte

Von: cs
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