Hintergrund

Mit Greifvögeln, Drohnen und Frettchen gegen Vogelschlag

19.08.2016 - 10:40 0 Kommentare

Von Beulen an den Tragflächen bis zur Zerstörung von Triebwerken: Vögel stellen für Flugzeuge eine Gefahr dar. Um sogenannten Vogelschlag zu verhindern, gibt es verschiedene Möglichkeiten.

Falkner Herbert Boger steht mit seinem amerikanischen Wüstenbussard

Falkner Herbert Boger steht mit seinem amerikanischen Wüstenbussard "Sally" auf dem Vorfeld des Flughafens Hamburg. © dpa /Markus Scholz

Vom Gewicht her sind Vögel den zivilen Passagiermaschinen unterlegen. Trotzdem können sie - abhängig von der Größe und der Anzahl - beim Zusammenprall mit Flugzeugen Cockpitscheiben und Triebwerke zerstören, im schlimmsten Fall stürzt die Maschine ab. Im Fachjargon heißt ein solcher Vorfall "Vogelschlag".

Zu einem solchen Ereignis kam es erst neulich am Flughafen Bremen. Kurz nach dem Start musste eine zwei Jahre alte A321 der Germania umkehren, weil eine Stichflamme aus einem der beiden Triebwerke kam. Ein Vogel war in das Triebwerk geraten. Menschen wurden nicht verletzt.

Vogelschläge kommen immer wieder vor. Das Luftfahrt-Bundesamt (LBA) zählte im vergangenen Jahr 342 solcher Vorfälle. Das sind weniger als 2014, damals waren es 413.

Der Deutsche Ausschuss zur Verhütung von Vogelschlag im Luftverkehr (DAVVL) erfasst im Auftrag des Bundesverkehrsministeriums Vogelschläge. Die Flughäfen unternehmen große Anstrengungen, um die Gefahr zu verringern, sagt Simon Köcher vom DAVVL. So seien zum Beispiel Bepflanzung und Bebauung der Flughäfen möglichst unattraktiv für Vögel gestaltet.

Hamburg setzt Greifvögel ein

Das ist aber nur eine Möglichkeit. Am Flughafen Hamburg kommen bei der "Vogelvergrämung" auch Greifvögel zum Einsatz. Seit drei Jahren setze Hamburg Falken und Bussarde eines Falkners ein, um etwa Möwen und Krähen zu vertreiben, sagt Markus Musser. Er ist am Hansestadt-Airport für die Grünflächen und das Thema Vogelschlag zuständig.

Auf dem 470 Hektar großen Gelände gibt es 20 "vogelschlagrelevante" Arten wie Tauben, Enten, Elstern, Krähen und Möwen. Jährlich gebe es in Hamburg 30 bis 40 Zusammenstöße mit Vögeln, darunter ein bis zwei schwere Vorfälle, sagt Musser, der gelernter Förster ist. Bei 150.000 Flugbewegungen pro Jahr keine schlechte Bilanz.

So gewöhnen sich Greifvögel an den Fluglärm

Für den Einsatz in Hamburg müssen sich die Bussarde und Falken an den Fluglärm vor Ort gewöhnen. "Man nimmt den Vogel ein paar Mal mit zum Flughafen, lässt ihn aber nicht fliegen und gibt ihm viel zu fressen", sagt Falkner Herbert Boger. "Dann verbinden sie den Fluglärm mit viel Futter, das war's."

Wüstenbussard "Sally" sitzt in Hamburg auf dem Vorfeld des Flughafens Hamburg auf einem Umspannkasten. Foto: © dpa, Markus Scholz

Falkner Herbert Boger kommt unregelmäßig zwei bis drei Mal pro Woche. Es geht darum, die anderen Vögel immer wieder zu überraschen, um einem möglichen Gewöhnungseffekt entgegen zu wirken. So greife Hamburg zwar auch auf Pyrotechnik zurück, an manchen Tagen bis zu 300 Schuss. "Da hüpft die Möwe dann aber nur noch mal kurz hoch", sagt Musser.

"Etwa 15 bis 20 Tiere werden von den Greifvögeln auch gegriffen", sagt Musser. "Und das spricht sich unter den Krähen herum. 2013 waren an manchen Tagen mehr als 1000 Rabenkrähen hier. Heute sind es selten mehr als 100."

Die Wüstenbussarde kümmern sich eher um die ungebetenen Besucher in Bodennähe. Die Falken würden sich in größerer Höhe bewegen, sagt Falkner Boger. Oft reiche schon die Silhouette der Falken, und die anderen Vögel würden die Flucht ergreifen.

Falken-Drohne soll Vögel verscheuchen

Auf den letztgenannten Effekt setzen auch Forscher aus den Niederlanden. Sie wollen Vogelschlag mit Hilfe von Drohnen verhindern, die wie Falken aussehen. Der "Robird" kann seine Flügel auf und ab bewegen, hat eine Spannweite von 1,12 Metern und erreicht im Flug Geschwindigkeiten bis zu 80 Kilometern pro Stunde.

Die Forscher hatten Ende April damit begonnen, die Greifvogel-Drohne am Airport Weeze zu testen. Größere Artgenossen wird die Falken-Drohne nicht verscheuchen können. Darum basteln die Forscher an einem weiteren Modell. Es soll eine Spannweite von mehr als 1,80 Metern haben und wie ein Adler aussehen.

Am Airport Köln/Bonn sorgen Frettchen für Sicherheit

Am Flughafen Köln/Bonn kommen ebenfalls Falkner zum Einsatz. Aber um das Flughafengelände für Greifvögel gar nicht erst attraktiv zu machen, hält der zuständige Bird-Controller Ulf Muuß deren mögliche Nahrungsquellen knapp. "Die sollen schon aus der Luft sehen: hier gibt es nichts zu Beißen", sagt Muuß.

Darum geht der gelernte Berufsjäger auf Kaninchenjagd. Unterstützt wird er dabei von Frettchen. Diese treiben die Kaninchen aus dem Bau, und Muuß kann sie lebend einfangen.

Tierische Helfer: Bird Controller Ulf Muuß setzt bei seiner Arbeit auf Hund und Frettchen. Foto: © Ulf Muuß

Eine ebenfalls präventive Maßnahme ist hohes Gras. Dadurch fühlen sich die Vögel unwohl, denn sie haben keinen freien Blick, um mögliche Fressfeinde zu sehen. So werden zum Beispiel die vier bis fünf Kilo schweren Kraniche abgehalten. "Vor denen haben wir am meisten Angst", sagt Muuß.

Am Flughafen Hannover sind Störche ein Problem

Im Notfall muss an den Airports scharf geschossen werden, um Vogelschläge zu verhindern. Aber was, wenn die Tierart geschützt ist, wie zum Beispiel beim Weißstorch? Genau dieses Problem gibt es am Flughafen Hannover.

Die Zahl der Störche rund um das Gelände des niedersächsische Airports ist gestiegen. Um die Tiere im Notfall erschießen zu dürfen, hat sich der Flughafen eine Ausnahmegenehmigung geholt. Sie gilt nur dann, wenn ein Abschuss die einzige Möglichkeit ist, um die Flugsicherheit zu gewährleisten.

© dpa, Julian Stratenschulte Lesen Sie auch: Am Flughafen Hannover dürfen Störche notfalls abgeschossen werden

Außerdem sollen auch in diesem Fall präventive Maßnahmen Vogelschläge durch Störche verhindern. So sollen zum Beispiel die Ortschaften rund um das Flughafengelände keine künstlichen Nisthilfen mehr errichten, hieß es.

Von: ch, mit Material von dpa
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