Militär bestätigt undefinierte Radarechos westlich von Malaysia

12.03.2014 - 15:46 0 Kommentare

Am Tag fünf nach dem Verschwinden von Malaysia-Airlines-Flug MH-370 wächst die Kritik am Krisenmanagement der Behörden. Nach einem Dementi hat das Militär nun doch ein Radarecho westlich von Malaysia bestätigt. Aber auch für einen Absturz südlich von Vietnam gibt es neue Hinweise.

Hier hat das Militär 45 Minuten nach dem Verschwinden von Flug MH-370 ein Radarecho aufgezeichnet.

Hier hat das Militär 45 Minuten nach dem Verschwinden von Flug MH-370 ein Radarecho aufgezeichnet.
© Google Maps - airliners.de

Der malaiische Premierminister Haji Mohammad Najib bin Tun Haji Abdul Razak besucht den MH-370 Krisenstab.

Der malaiische Premierminister Haji Mohammad Najib bin Tun Haji Abdul Razak besucht den MH-370 Krisenstab.
© MOT

Eine Boeing 777-200 der Malaysia Airlines

Eine Boeing 777-200 der Malaysia Airlines
© AirTeamImages.com - Bailey

Suche nach der verschollenen Boeing 777.

Suche nach der verschollenen Boeing 777.
© MOT

Die Suche nach dem spurlos verschwundenen Malaysia Airlines-Passagierflugzeug in Südost-Asien verläuft weiterhin erfolglos. Nach zahlreichen widersprüchlichen Angaben hat das Militär heute offiziell bekanntgegeben, dass sich die Suche nach einem undefinierten Radarecho nun auf ein neues Suchgebiet konzentriert.

Suchflugzeuge und Schiffe sind nach den vergeblichen Bemühungen im Südchinesischen Meer seit heute nun verstärkt im Andamanischen Meer vor der Westküste Malaysias im Einsatz, wie aus dem Krisenstab verlautete. Die Suche konzentriere sich jetzt auf die Meeresregion Hunderte Kilometer westlich von der letzten bekannten Position entfernt. Das neue Suchgebiet liegt entgegen der eigentlichen Flugrichtung (gelbe Flächen):

Interaktive Karte

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Undefiniertes Radarsignal nordwestlich von Malaysia

Der Luftwaffe-Chef hatte erst Stunden vor seiner neuen Enthüllung heute Berichte über seine gestrigen Äußerungen zum ein Signal westlich von Malaysia vehement dementiert. Erst am Nachmittag kam die Relativierung des Dementis.

Das malaysische Militär hat demnach 45 Minuten nach dem Verschwinden von Flug MH370 hunderte Kilometer weiter westlich ein unidentifiziertes Flugzeug auf seinem Radar gesehen. Ob es sich dabei um die Malaysia-Airlines-Maschine gehandelt hat, sei jedoch unklar, betonte er. Die Information des Primärradars müsse weiter verifiziert werden. Malaysia habe die US-Behörden um Hilfe bei der Analyse der Daten gebeten.

Nach der Radaraufzeichnung habe sich das Flugzeug zu dem Zeitpunkt 370 Kilometer nordwestlich der Insel Penang in Flightlevel 295 (29.500 Fuß, rund 10 Kilometer Höhe über Meer) über dem Andamanischen Meer befunden (s. Karte oben).

Bereits gestern war die Suche auf die Straße von Malakka westlich von Malaysia ausgeweitet worden, nachdem es Hinweise des Militärs auf eine mögliche Primärradarspur gab. Heute allerdings will der Luftwaffenkommandeur nichts mehr von seinen Presseaussagen wissen und dementiert die gestrigen sehr detaillierten Angaben zur möglichen Umkehr der Maschine in Richtung Straße von Malakka. Es gäbe lediglich vage Hinweise darauf, dass das Flugzeug umgekehrt sein könnte.

Neue Hinweise zu möglichem Absturz südlich von Vietnam

Nach einem Hinweis eines Arbeiters auf der Ölplattform Songa Mercur südlich von Vung Tau in Vietnam (s. Karte) geht die Suche auch hier erneut los. Der Arbeiter hatte in einer E-Mail detailliert beschrieben, wo er am Unglückstag ein brennendes Flugzeug gesehen haben will.

Am Montag nach dem Verschwinden des Flugzeugs hatte sich bereits die Crew eines Cathay-Pacific-Flugzeugs bei der Flugsicherung in Hongkong gemeldet und angegeben, rund 80 Meilen südlich von Ho-Chi-Minh-Stadt ein größeres Trümmerfeld gesichtet zu haben (s. Karte). Die Position würde ungefähr mit der angeblichen Absturzsichtung übereinstimmen. Die Küstenwache konnte allerdings bei ihrer Suche am Montag keine Flugzeugteile in dem Gebiet finden.

© AirTeamImages.com Alle Meldungen zum Thema: Themenseite Malaysia Airlines MH-370

Unkoordiniertes Kommunikationschaos

Das hin-und her verwundert derweil die internationalen Partner Malaysias bei der Suche nach dem Flugzeug. Die widersprüchlichen Angaben über das vermisste Flugzeug seien "ziemlich chaotisch", kritisierte das chinesische Außenministerium am Mittwoch. Nach dem Dementi schickte die vietnamesische Regierung zwei Flugzeuge und neun Suchschiffe wieder los, wie der stellvertretende Generalstabschef Vo Van Tuan sagte. Zuvor hatte die Regierung ihre Erkundungsflüge aufgrund der Äußerungen des malaiischen Militärs teilweise ausgesetzt.

Der malaysische Verkehrsminister Hishammuddin Hussein verteidigte das Vorgehen der Behörden: Es gebe keinerlei "Verwirrung" bei der "beispiellosen" Suche nach der Maschine, versicherte Hussein bei einer Pressekonferenz in Kuala Lumpur. Malaysias Verkehrsminister, aber auch Polizeichef, Armeechef, Luftfahrtbehörde, und Airline stehen unter immensen Druck. Schweißperlen auf der Stirn, das Hin- und Herschieben von Papier, das Ablesen vom Blatt, das Geflüster untereinander vor der Beantwortung von Fragen - souverän erscheinen die Ermittler auf den Presseveranstaltungen nicht. Hinzu kommt, dass es beispielsweise keine Pressemitteilungen auf den offiziellen Websiten der Regierungsorganisation gibt. Journalisten außerhalb Malaisias hangeln sich durch Twitter-Beiträge der Behörden.

Politischer Druck wächst

Die Ungereimtheit bei der Radarspuren-Aussage ist dabei nur ein Widerspruch von vielen. Zuvor bereits gab es gegensätzliche Angaben der Behörden zur Nationalität und dem Aussehen der Passagiere ohen Pass. Auch die Angaben zur Anzahl nicht an Bord gegangener Passagiere waren nicht konsistent. Die vielen Widersprüche in den offiziellen Statements der malaiischen Behörden führen derweil in den asiatischen Medien zu immer abstruseren Verschwörungstheorien zum Verschwinden des Flugzeugs.

Die Stimmung unter den Malaysiern schlage derzeit von Geduld in "Betretenheit und Wut" um - über Unstimmigkeiten bei Angaben über Passagiere und Gepäck sowie "verheimlichte Informationen zur letzten bekannten Position" des Flugzeugs, kommentierte das führende Nachrichtenportal "Malaysian Insider" am Mittwoch.

Der in sozialen Medien geäußerte Verdacht, die malaysischen Behörden verschleierten womöglich etwas, wuchs noch nach einem australischen Medienbericht, wonach der Co-Pilot des vermissten Fliegers 2011 gegen Sicherheitsregeln verstoßen haben soll. Malaysian Airlines äußerte sich am Dienstag "schockiert" zu dem Bericht, dass Fariq Abdul Hamid damals zwei junge Südafrikanerinnen während eines Flug ins Cockpit gelassen haben soll.

Die Regierungspartei, die seit der Unabhängigkeit 1957 ununterbrochen regiert, sei Transparenz im eigenen Land nicht gerade gewohnt, sagt eine ausländische Journalistin, die seit Jahren aus Kuala Lumpur berichtet. «Die Regierung hat totale Kontrolle, von der Wirtschaft bis zu den Medien», sagt sie. Forsche Fragen von der heimischen Presse sind eine Seltenheit. «Die Beamten sind es nicht gewohnt, im Rampenlicht zu stehen und jede ihrer Äußerungen zerpflückt zu sehen.»

Informationen zum letzten Funkkontakt

Derweil gibt es weitere Details zur Kommunikation der Besatzung mit den Flugsicherungseinrichtungen von Malaysia und Vietnam. Der letzte Funkspruch aus dem Cockpit des vermissten Malaysia-Airlines-Flugzeugs war demnach "Allright, good night." Dies erklärte der malaysische Botschafter in Peking bei einem Treffen mit chinesischen Angehörigen der Insassen am Mittwoch. Zugeordnet wurde das Zitat dem Kapitän der Maschine, der die Worte kurz vor dem Übergang vom malaysischen in den vietnamesischen Luftraum gesprochen haben soll. Bei der vietnamesischen Flugsicherung meldete sich das Flugzeug dann nicht mehr. Es gab auch keine Notrufe.

Die Boeing mit 239 Menschen an Bord war am Samstag verschwunden, kurz bevor sie den vietnamesischen Luftraum erreichen sollte. Daher galt das Südchinesische Meer zwischen Malaysia und Vietnam zunächst als mögliches Absturzgebiet.

Von: airliners.de mit dpa, AFP
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