Middle of the Market: Airbus will auf Boeing warten

01.06.2018 - 14:29 0 Kommentare

Seit drei Monaten leitet Guillaume Faury die Airbus-Flugzeugsparte, 2019 könnte er Konzernchef werden. Nun spricht er über die A380-Nachfrage, Personaldiskussionen und ein neues "Middle of the Market"-Modell.

Guillaume Faury. - © © dpa - Karl-Josef Hildenbrand

Guillaume Faury. © dpa /Karl-Josef Hildenbrand

Bevor der Industriekonzern Airbus ein neues Flugzeug für das "Middle-of-the-Market"-Segment baut, will der Flugzeugfertiger abwarten, wie sich Konkurrent Boeing in dieser Sparte positioniert. "Dann können wir entscheiden, wie wir reagieren", sagte der Chef der Zivilflugzeugsparte, Guillaume Faury, im Interview mit der französischen Tageszeitung "Les Echos".

Boeing hatte die Einführung einer wahrscheinlichen 757-Nachfolgerin namens "Boeing 797" kürzlich mehrerer Medienberichte zufolge auf Ende der 2020er-Jahre verschoben. Ursprünglich war das Modell 2025 erwartet worden. Airbus sieht sich in dem Segment mit der A321neo, der A321LR und der A330neo gut aufgestellt.

Middle of the Market

Bislang konzentrieren sich Airbus und Boeing in der zivilen Luftfahrt vor allem auf zwei Segmente: Kurz- beziehungsweise Mittel- und Langstrecke. Schon bald könnte noch eine dritte Sparte hinzukommen - jene für Flugzeuge mit Kapazitäten zwischen 230 und 260 Sitzen, das Langstrecken fliegt, - die sogenannte "Middle of the Market" (MoM). Zuletzt trumpfte Boeing in diesem Bereich zwischen 1983 und 2004 mit der 757 auf. Die Pläne für eine 797 konkretisierte Marketingchef Randy Tinseth im Frühjahr 2017. Mit United Airlines hat auch bereits ein erster Kunde Interesse an solch einem Flugzeug angemeldet.

Gleichzeitig kündigte Faury, der seit Kurzem das Flugzeuggeschäft von Airbus führt, an, dass die A320-Produktion in diesem Jahr von 50 auf 60 Maschinen gesteigert werden soll. Eine Erhöhung auf 70 Flugzeuge je Monat, wie sie zuletzt Konzernchef Tom Enders ins Spiel gebracht hatte, ergebe laut Faury erst "in den ersten Jahren des nächsten Jahrzehnts Sinn".

Für die Kunden ist es aber nicht wichtig, ob wir nun pro Jahr ein Flugzeug mehr bauen als Boeing oder nicht.

Guillaume Faury, Chef der Airbus-Flugzeugsparte

Auch für die doppelstöckige A380 sieht er nach wie vor eine Nachfrage - auch wenn die Produktion erst einmal lediglich durch einen Großauftrag von Emirates kurzfristig gedeckt ist. "Zwar haben sich Direktverbindungen stark entwickelt, sodass viele Airlines die großen Flughafendrehkreuze umgehen", räumt Fury ein. "Wenn aber die Hubs sehr überlastet sind, bleibt die A380 die ideale Lösung." In London-Heathrow würden immer noch rund zehn Prozent der Passagiere mit der A380 fliegen.

Manager könnte Enders beerben

Faury äußerte sich auch zu Personaldiskussionen bei Airbus. So spekulieren französische Medien seit Längerem, dass er im kommenden Frühjahr den deutschen Konzernchef Tom Enders beerben könnte. Denn: Gleichzeitig scheidet auch der französische Verwaltungsratsvorsitzende Denis Ranque aus, der aller Voraussicht nach vom ehemaligen Telekom-Chef René Obermann abgelöst wird.

Da das Tandem der beiden Spitzen von Aufsichtsrat und operativer Konzernführung immer die Kräfteverhältnisse der beiden Anteilseigner Deutschland und Frankreich wiederspiegelt, müsste dann ein Franzose auf Enders folgen. "Ich habe großen Respekt vor dem, was Enders geleistet hat. Nun will ich jetzt meine persönlichen Erfahrungen miteinbringen" so Faury. Faury hat eine ähnliche Karriere bei Airbus hinter sich wie Enders:

© dpa, Oliver Berg Lesen Sie auch: Wohl neue Führung für Airbus gefunden

Von: cs
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