MH370: Nach Wut und Ohnmacht folgt jetzt die Klage

31.10.2014 - 13:47 0 Kommentare

Seit acht Monaten ringen Familien der Insassen von Flug MH370 mit dem Unfassbaren: Ihre Angehörigen sind spurlos verschwunden. Ohne Wrack keine Unglücksursache, keine Schuldigen. Der Frust sitzt tief.

Aus Papierflugzeugen ist der Schriftzug

Aus Papierflugzeugen ist der Schriftzug "MH370" nachgebildet worden. © dpa /Azhar Rahim

Ein beispielloses Flugzeugunglück hält die Welt seit Monaten in Atem: Malaysia-Airlines-Flug MH370 verschwindet am 8. März spurlos. Bis heute gibt es keine Spur von dem Wrack. Längst haben neue Kriege und Katastrophen MH370 aus den Schlagzeilen verbannt, aber für die Angehörigen der 239 Menschen an Bord ist die Tragödie jeden Tag präsent. Zwei Kinder klagen nun gegen die Airline.

Neben Trauer, Wut und Ohnmacht kämpfen viele Familien tagtäglich mit dem Unfassbaren. Da ist zum einen die Ungewissheit: Was passierte damals in den Stunden an Bord, nachdem die Maschine vom Kurs abgewichen war und Richtung Süden flog? Waren die Menschen bei Bewusstsein? Wurden sie bedroht?

Die Angehörigen fragen sich aber auch, wie das Leben weitergeht. Die Kläger, Jungen im Alter von elf und 14 Jahren, haben ihren Vater Jee Jing Hang (41) verloren, der ihnen nach Angaben des Familienanwalts ein komfortables Leben garantierte.

Vielen Familien fehlt jetzt der Hauptverdiener

Umgerechnet gut 4000 Euro habe er mit seinem Internetladen jeden Monat nach Hause gebracht - ein kleines Vermögen in Malaysia. Viele Familien haben den Hauptverdiener verloren. Mancher Arbeitgeber hat zunächst weiter Gehalt bezahlt, aber wie lange? Können Lebensversicherungen ausgezahlt werden? Wer darf an die Konten der Verschwundenen? Wieviel Geld bekommen die Familien von der Airline, vom Staat?

Malaysia Airlines und die Behörden wollen sich nicht äußern. Es handele sich um private Angelegenheiten, die nur die Familien etwas angingen, sagt ein Airline-Sprecher. Die Fluggesellschaft wollte Angehörigen nach Angaben aus Behördenkreisen nach dem Unglück mehrere zehntausend US-Dollar auszahlen. Nach dem Montrealer Übereinkommen ist jeder Flugzeuginsasse bei einem Unglück mit mindestens 176.000 US-Dollar versichert.

Stiftung geplant

Die Regierung plant zudem eine Stiftung, die sich um die Versorgung der Angehörigen kümmern soll. Sie soll auch für die Angehörigen der 298 Insassen von MH17 da sein, also das Malaysia-Airlines-Flugzeug, das im Juli über der Ukraine wahrscheinlich abgeschossen wurde. Der Umfang ist noch nicht beschlossen.

Muster könnte der Kompensationsfonds sein, den die US-Regierung nach den Terroranschlägen vom 11. September 2001 auflegte. Damals bekamen Angehörige im Schnitt fast zwei Millionen Dollar ausgezahlt.

Welcher Schadenersatz den Angehörigen letztlich zustehe, hänge von vielen Faktoren ab, sagt der Generaldirektor des Verbandes der Fluggesellschaften in der Asien-Pazifik-Region, Andrew Herdmann: «Wenn die Fluggesellschaft einen Fehler gemacht hat oder ein mechanisches Versagen vorliegt, können mehrere Klagen gegen Hersteller, Wartungsfirmen und Serviceanbieter eingereicht werden.» Über die Höhe entscheiden dann Gerichte.

Die Fluggesellschaft steht auf dem Standpunkt, dass nur das Wrack Aufschluss über die Unglücksursache geben kann.

Von: Christiane Oelrich, dpa
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