Verwirrung um MH17-Kursänderung - Flugdatenschreiber sollen aufklären

23.07.2014 - 09:17 0 Kommentare

Die Flugdatenschreiber der abgestürzten malaysischen Boeing sollen in London ausgewertet werden. Experten erhoffen sich Antworten - etwa ob MH17 wirklich kurz vor einem möglichen Abschuss ihren geplante Flugweg verlassen hat.

Der MH17-Flugweg (braun) laut russischem Militär.

Der MH17-Flugweg (braun) laut russischem Militär.
© Russisches Militär - airliners.de

Der Fugverlauf von MH17 laut Flightradar: Um 13:21 UTC wurde das letzte Signal aufgefangen. Das Flugzeug war in 33.000 Fuß Höhe unterwegs.

Der Fugverlauf von MH17 laut Flightradar: Um 13:21 UTC wurde das letzte Signal aufgefangen. Das Flugzeug war in 33.000 Fuß Höhe unterwegs.
© Flightradar24

Der geplante Flugweg von MH17.

Der geplante Flugweg von MH17.
SkyVector - airliners.de

Zur Auswertung der Daten von Malaysia Airlines MH17 sollen die sichergestellten Flugdatenschreiber nach Großbritannien gebracht werden. In den so genannten "Blackboxes" werden Flugparameter sowie Gespräche im Cockpit aufgezeichnet und gespeichert.

Die britischen Experten für Flugzeugunglücke würden die Daten der Flugschreiber in Farnborough bei London unter internationaler Aufsicht sichten und auswerten, sagte ein Sprecher von Premierminister David Cameron am Dienstag.

Ist Flug MH17 vom Kurs abgewichen?

Ob und vorallem von wem geschossen wurde, dürfte durch die Daten sicher nicht zu ermitteln sein. Mit Hilfe der Aufzeichnungsgeräte kann aber geklärt werden, ob möglicherweise eine andere Ursache als ein Abschuss den Absturz verursacht haben könnte. Zudem erhoffen sich die Experten Aussagen dazu, ob - und falls ja - warum die Maschine von ihrem eigentlichen Kurs abwich.

Russischen Militärangaben zufolge flog die malaysische Boeing auf den Flugstraßen W633 und L69. Kurz nach Donesk habe die Boeing ihre geplante Flugbahn allerdings rund 14 Kilometer nach Norden verlassen. Dabei habe das Flugzeug drei Minuten vor dem Verschwinden vom Radarschirm an Höhe und Geschwindigkeit verloren. Öffentlich zugängliche Flugweg-Daten von Flightradar zeigen den Kurswechsel nicht. (Bilder: siehe Fotostrecke)

Ermittler erhoffen sich auch vom aufgezeichneten Funkverkehr zwischen den Piloten der abgestürzten Passagiermaschine und ukrainischen Fluglotsen Aufklärung darüber, ob und warum die malaysische Boeing 777-200 ihre Flugroute geändert haben könnte. Der Mitschnitt des Funkverkehrs wird allerdings bislang beim ukrainischen Geheimdienst SBU unter Verschluss gehalten. Es sei unklar, ob und wann die Aufzeichnungen internationalen Experten zur Analyse übergeben würden, sagte ein namentlich nicht genannter SBU-Mitarbeiter am Mittwoch Medien in Kiew zufolge. Die Behörden hätten den Mitschnitt in Dnjepropetrowsk kurz nach dem Absturz am 17. Juli beschlagnahmt, hieß es.

Interaktive Karte

Zur interaktiven MH17-Karte hier klicken. Foto: © Google Maps Engine, airliners.de

Die Flugschreiber sind bereits in Großbritannien angekommen. Das sagte eine Sprecherin des britischen Transportministeriums am Mittwoch. Die Separatistenführung in Donezk hatte die Blackboxes in der Nacht zu Dienstag an eine Delegation aus Malaysia übergeben. Die Geräte waren offenbar intakt und nur geringfügig beschädigt.

Flugunfallermittler beginnen mit Untersuchungen vor Ort

Nach Angaben aus den Niederlanden waren die Flugschreiber der Boeing in dem Zug, der die Leichen der Opfer am Dienstag vom Unglügsgebiet ins 300 Kilometer entfernte Charkow überführt hatte. Dort steht eine niederländische Hercules-Militärmaschine bereit. Nach einer ersten Untersuchung vor Ort sollen die Opfer gruppenweise nach Eindhoven ausgeflogen und dann in einer Kaserne nahe Amsterdam identifiziert werden.

Nach dem Abtransport der Opfer wollen internationale Experten nun direkt vor Ort die Ursache ermitteln. Ein Team aus Malaysia sichtete am Dienstag das Trümmerfeld. Vom Wrack erhoffen sich die Spezialisten Aufschlüsse über Einschlagspuren von Raketenteilen. Die Leitung der Untersuchung zu dem Absturz liegt auf Bitten der eigentlich dafür zuständigen ukrainischen Regierung bei den Niederlanden. Das Flugzeug hatte mehrheitlich niederländische Passagiere an Bord.

© dpa, EPA/ANASTASIA VLASOVA Lesen Sie auch: Internationale Flugunfallermittler beginnen mit Untersuchungen

Unter Vermittlung der Organisation für Sicherheit und Zusammenarbeit in Europa (OSZE) sprachen Vertreter der Führung in Kiew und der Aufständischen bei einer Videokonferenz über die Lage in der Ostukraine. Auch der Umgang mit Beweismitteln an der Absturzstelle sei erörtert worden, teilte die OSZE mit.

Von: airliners.de mit dpa, AFP
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