Die Born-Ansage (99) ( Gastautor werden )

Merkel in Not - wo war der "nationale Champion"?

06.12.2018 - 11:23 0 Kommentare

Merkel muss Linie zum G20-Gipfel nach Argentinien fliegen, weil die Flugbereitschaft nicht in der Lage ist. Karl Born wundert das Verhalten der Lufthansa und findet deutliche Worte für den "Siegerflieger".

Montage: airliners.de - © © AirTeamImages.com; Privat -

Montage: airliners.de © AirTeamImages.com; Privat

Stell' dir vor, du musst zum G20-Gipfel und dein Flieger geht nicht. Peinlich, peinlich ... Der normale Arbeitnehmer kennt das, wenn er zu einer wichtigen Besprechung im Büro zu spät kommt und sich entschuldigt: "Mein Auto sprang nicht an", "meine Straßenbahn hatte Verspätung", "mein Zug fiel aus", "Eurowings ist nicht geflogen" - oder so ähnlich. Und der Chef / die Chefin sagt: "Das war das letzte Mal."

Aber so etwas passiert doch nicht der Kanzlerin des Luftfahrtstandortes Deutschland? Doch. Alle waren beim G20-Gipfel pünktlich, nur der als "oberpünktlich" verschriene Streber Deutschland fehlte - und das vor den Augen der ganzen Welt.

Mit Steinmeier im Biergarten

Es kann bei jedem Flug etwas Unvorhergesehenes passieren. Aber die Pannenliste unserer Flugbereitschaft ist inzwischen ellenlang: Mal rauchte es in der Kabine, mal nagten hungrige Mäuse an Kabeln, Triebwerke ließen sich nicht starten und über Hunderte von Kilometern musste ein Ersatzgerät rangeschafft werden ... Legendär, als Steinmeier zusammen mit Journalisten in einem Biergarten in Vilnius wartete, bis es weiterging.

Unsere Langstreckenflugzeuge der Flugbereitschaft heißen "Konrad Adenauer" und "Theodor Heuss". Wie kann man das Ansehen dieser für Deutschland verdienten Politiker so lächerlich machen? Das wird nur noch vom Willy-Brandt-Flughafen BER übertroffen.

Bei zwei Dingen sollte man mal genauer hinsehen. "Ein einziges" Teil soll die gesamte Stromversorgung lahmgelegt haben? Wer das glaubt, glaubt auch an den Weihnachtsmann ...

Frankfurt statt Köln

Oder ist der Billigwahn etwa auch die Ursache für die vielen Pannen bei der Flugbereitschaft? Auch wenn es einige nicht hören wollen, "billig-billig" beißt sich irgendwann mit "zuverlässig".

Wie auch immer, eine Umkehr war unausweichlich, weiterfliegen wäre lebensgefährlich gewesen. Aber wenn man den Kommentaren in entsprechenden Foren Glauben schenkt, soll der absolut lebensgefährliche Teil des Flugs an diesem Abend die Landung des Fliegers voll mit Sprit auf der bekannten kurzen Landebahn in Köln gewesen sein.

"Heldentat", wie Frau Merkel danach "fachmännisch" bemerkte, oder doch eine unter allen Umständen gewollte Rückkehr zum "Heimatflughafen"? Wäre ein Ausweichen zum Beispiel nach Frankfurt angesichts der wenigen Minuten Mehrflugzeit nicht die klügere Lösung gewesen?

Kanaren-Umlauf statt staatliche Verantwortung

Aber die größte Peinlichkeit - und dafür gibt es für mich keine Entschuldigung - ist, dass Deutschland (jetzt sage ich es ganz prosaisch) nicht in der Lage war, einen Ersatzflieger für die Bundeskanzlerin bereitzustellen. Das in Berlin an diesem Abend stationierte Ersatzflugzeug konnte nicht eingesetzt werden, weil durch die Zwischenlandung in Köln die Crew aus der zulässigen Einsatzzeit gefallen wäre.

Wie bitte? Geht's noch? Wir reden hier von einer Flugbereitschaft der Bundeswehr und da gibt es Einsatzprobleme, als sei es ein Kanaren-Umlauf bei einem Ferienflieger? Ein Überziehen der Einsatzzeit wäre bestimmt weniger gefährlich als die vorsätzliche Landung mit dem überbeladenen Flugzeug in Köln gewesen.

Wir leisten uns ein Parlament mit über 700 Abgeordneten (nebenbei: Das auf die Größe der Bevölkerung bezogen größte Parlament der Welt), planen aber vorsätzlich die Flugbereitschaft der Bundeswehr auf Kante?

Wir lassen es zu, dass in größter Not eine spanische Fluggesellschaft unsere Kanzlerin nach Argentinien fliegen muss, weil wir selbst dazu nicht in der Lage sind?

Ende des "Siegerfliegers"

Da stelle ich doch bewusst die sehr provokative Frage: Wo war zu diesem Zeitpunkt unser "nationaler Champion"?

Konnte er nicht, wollte er nicht, durfte er nicht?

Unsere Fußballer kutschiert Lufthansa ständig zu allen möglichen Turnieren - und spendiert den Maschinen noch eine themengerechte Beklebung (Stichwort "Siegerflieger"). Aber die Politik ist nicht so wichtig? Da lasse ich keine Ausrede gelten (von wegen Nachtflugverbot oder Ähnliches). Das wäre "Made in Germany" als Wirtschaftsleistung gewesen.

Aber die Zeiten des "Siegerfliegers" sind wohl vorbei.

Über den Autor

In seiner Reihe "Die Born-Ansage" veröffentlicht der ehemalige Condor-Vertriebschef, Tui-Vorstand und Touristik-Honorarprofessor Karl Born auf airliners.de Kolumnen zum aktuellen Geschehen in der Luftverkehrswirtschaft.

Professor Karl BornAls Redner auf Führungskräfte- und Verbandstagungen ist Karl Born in der ganzen Welt unterwegs. Als "Querdenker der Reisebranche" für seine "Bissigen Bemerkungen" ausgezeichnet, nimmt der ehemalige Airline- und Touristikmanager auch in Sachen Luftverkehr kein Blatt vor den Mund. Kontakt

Von: Karl Born für airliners.de
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