Digital Passenger (7) ( Gastautor werden )

Mehr digitale Zuverlässigkeit bitte!

02.05.2017 - 15:45 0 Kommentare

Die deutschen Airlines können mit ihren jeweiligen Apps nicht überzeugen. In der schönen digitalen Welt geht bei Lufthansa & Co. so einiges schief. Es fehlt an Sorgfalt, urteilt "Digital Passenger" Andreas Sebayang.

iPhone-Applikationen von Air Berlin, Lufthansa und HRS - © © airliners.de -

iPhone-Applikationen von Air Berlin, Lufthansa und HRS © airliners.de

Fluggesellschaften sind eigentlich bekannt dafür, besonders zuverlässig zu sein. Zahlreiche Redundanzen fangen etwaige kritische Probleme ab und sind für den Kunden deswegen nicht sichtbar. Wenn ich aber in die Luftfahrt-Apps und -Webseiten schaue, bekomme ich oft Kopfschmerzen.

Denn in der schönen digitalen Welt der Fluggesellschaften geht so einiges schief. Da kann schon einmal ein Kernsystem über Monate hinweg komplett ausfallen, wie zuletzt bei Air Berlin. Vielflieger des Topbonus-Programms - man könnte meinen, für Air Berlin wichtige Kunden - konnten sich zwischen Oktober 2016 und März 2017 nicht mehr anmelden. In der App lediglich der Hinweis, dass Vielflieger doch einfach die Webseite nutzen sollten. Immerhin wurde die Login-Problematik zwischenzeitlich behoben. Vier Monate sind für diese Art von Fehler aber viel zu lang.

Bei Eurowings fehlen Zugriffsrechte

Auch bei der Lufthansa-Gruppe habe ich mich öfter mal über die unzuverlässige Infrastruktur gewundert. Dabei passiert es mir regelmäßig, dass die Server im Hintergrund der Apps Eingaben nicht akzeptieren wollen. Da darf ich als Passagier etwa nicht in die von mir bezahlte Buchung schauen, weil mir angeblich Zugriffsrechte fehlen (Eurowings) oder Spracheinstellungen werden in der App abgefragt, obwohl das eigentlich Sache des Smartphones ist…

Und wenn ich den Status meines eingecheckten, intelligenten Koffers abfragen will, werde ich auf eine Flugbuchungsseite umgeleitet, obwohl ich keinen Flug buchen will. Wer das System für sein Lufthansa-Gepäck genutzt hat, weiß, dass die Entwicklung noch lange nicht fertig ist. Ein aufgegebenes Gepäckstück taucht zwar auf den Status-Webseiten auf, aber bis dies bei der App aktualisiert ist, sitzt man längst schon im Flugzeug.

Hülle für mobile Webseiten

Bei der Lufthansa hängt ein Teil der Unzuverlässigkeit aber nicht mit der App zusammen, denn diese App ist im Unterschied zu der Air-Berlin-Entwicklung vielfach nur eine Hülle für die mobilen Webseiten, die leidlich funktionieren und damit auch die App betreffen.

Insgesamt zeigen die beiden größten deutschen Fluggesellschaften also in der digitalen Welt bei weitem nicht die Sorgfalt, für die Luftfahrtunternehmen eigentlich bekannt sind. Das ist mehr als nur ärgerlich - das muss besser werden.

Über den Autor

In seiner Reihe "Digital Passenger" kommentiert Technik-Journalist Andreas Sebayang auf airliners.de den digitalen Wandel in der Luftverkehrswirtschaft.

Andreas Sebayang ist der Digital Passenger, Foto: Sebastian KuhbachAndreas Sebayang ist als Hardware-Journalist regelmäßig für die Berliner IT-Nachrichtenseite Golem.de mit dem Flugzeug in der ganzen Welt unterwegs. Seine Erlebnisse als Vielflieger dokumentiert er auch auf seinem Instagram-Account AroundTheBlueMarble. Kontakt: digital-passenger@airliners.de

Von: Andreas Sebayang für airliners.de
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