Digital Passenger (15) ( Gastautor werden )

Mehr Binge-Watching, bitte!

22.08.2017 - 08:10 0 Kommentare

Filme sind in den Bordprogrammen oft vorhanden - auch die Auswahl ist reichlich. Doch bei Serien hakt es, meint "Digital Passenger" Andreas Sebayang. Scheinbar fehlt ein Konzept.

Fluggäste nutzen das Inflight-Entertainment-Angebot. - © © Brussels Airlines -

Fluggäste nutzen das Inflight-Entertainment-Angebot. © Brussels Airlines

Fliegen ist langweilig und die Möglichkeiten, sich die Zeit zu vertreiben, sind oft eingeschränkt. Deswegen muss das Inflight Entertainment (IFE) mit guten Inhalten gefüllt werden. Und gerade qualitativ hochwertige Serien-Produktionen der vergangenen Jahre lassen die Zeit – Achtung Wortspiel – wie im Flug vergehen.

Wenn ich in einem Flieger bin, arbeite ich entweder - vorausgesetzt in den engen Maschinen ist genügend Platz vorhanden -, oder schaue Serien. Das Interesse an Filmen ist bei mir in den vergangenen Jahren verschwunden: Entweder sind sie zu seicht oder für einen Flug zu anstrengend. Zumindest am Stück.

Die Film-Auswahl ist groß und gut

Nun neigen immer noch viele Carrier dazu, ihren Fokus auf das Filmprogramm zu legen. Klassiker gehen offenbar immer. Sehr beliebt sind auch Streifen, die man noch nicht im eigenen Heimkino sehen kann. Die Auswahl ist groß und gut. Doch bei Serien hakt es oft - nicht an der Auswahl, aber am Konzept.

Oft sind die Serien nämlich nur bruckstückhaft ins IFE eingespielt. Bei Serien wie dem Comedy-Klassiker "Friends" stört das nicht, wenn nur die Folgen sieben, acht und neun von Staffel vier im Programm sind. Selbiges gilt für "Modern Family" oder die "Simpsons". Denn die Handlungsstränge gehen meist nicht über eine Episode hinaus – jede Folge funktioniert im Grunde als Einzelwerke.

Doch wenn sich von Serien wie "Breaking Bad" oder "Game of Thrones" nur drei Episoden der Staffelmitte schauen lassen, ergibt das kaum einen Sinn. Die Story ist viel zu komplex, um mal eben nach drei Folgen aus der Mitte durchzublicken, und selbst Fluggäste, die die Serien bereits komplett kennen, wollen kaum irgendwo in der Mitte anfangen …

Meist eh nicht mehr als zwölf Folgen

Deswegen freut es mich immer wieder, wenn ich im IFE eine komplette Staffel finde. Bei der Vielzahl der hochkarätigen Serien ist ein Langstreckenflug ideal für sogenanntes Binge-Watching, also eine Staffel am Stück zu schauen. Bei hochkarätigen Produktionen sind das oft ohnehin nur sechs bis maximal zwölf Folgen, und das passt zeitlich bei vielen Flügen ab Deutschland in einen anderen Kontinent.

© Thomas Hawk, Lesen Sie auch: Inflight Entertainment sucht den Nachtmodus Digital Passenger (5)

Solche Serien müssen von den Fluggesellschaften aber gezielt ins Programm genommen werden und nicht jeder Programmverantwortliche hat ein Händchen für die Auswahl. Zugegebenermaßen ist das Programm auch manchmal nicht einfach unterzubringen: Die zahlreichen Gewalt- und Nacktszenen der HBO-Serien "Game of Thrones" und "Westworld" sind nicht unbedingt etwas für einen Ferienflug mit Kindern an Bord.

Doch sollten sich die Carrier bei den Streaming-Anbietern mal umschauen. "The Expanse", "House of Cards" oder "The Man in the High Castle" sollten öfter den Weg in die Kabine finden. Das gilt auch für diverse Serien des "Marvel Cinematic Universe". Die Filme sind nämlich meistens da, die Serien, die viele Story-Lücken schließen, hingegen nicht.

Über den Autor

In seiner Reihe "Digital Passenger" kommentiert Technik-Journalist Andreas Sebayang auf airliners.de den digitalen Wandel in der Luftverkehrswirtschaft.

Andreas Sebayang ist der Digital Passenger, Foto: Sebastian KuhbachAndreas Sebayang ist als Hardware-Journalist regelmäßig für die Berliner IT-Nachrichtenseite Golem.de mit dem Flugzeug in der ganzen Welt unterwegs. Seine Erlebnisse als Vielflieger dokumentiert er auch auf seinem Instagram-Account AroundTheBlueMarble. Kontakt: digital-passenger@airliners.de

Von: Andreas Sebayang für airliners.de
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