Mehdorn für Tegel-Weiterbetrieb

04.09.2017 - 11:50 0 Kommentare

Ex-Flughafenchef Hartmut Mehdorn kann sich einen Weiterbetrieb des Airports Berlin-Tegel durchaus vorstellen - zu einem bestimmten Zweck. Indes schmilzt in einer Umfrage der Vorsprung der Befürworter.

Ein Flugzeug startet am Berliner Cityairport Tegel. - © © dpa - Jörg Carstensen

Ein Flugzeug startet am Berliner Cityairport Tegel. © dpa /Jörg Carstensen

Der frühere Chef der Flughafengesellschaft Berlin-Brandenburg (FBB) und der Airline Air Berlin, Hartmut Mehdorn, hat sich für einen dauerhaften Weiterbetrieb des Flughafens Tegel als Business- und Regierungs-Airport ausgesprochen.

Grundsätzlich sei ein profitabler Betrieb möglich, anders als es die Flughafengesellschaft behaupte, sagte Mehdorn der "Welt am Sonntag". Nach seinem Konzept sollte die Flugbereitschaft der Bundesregierung in Tegel bleiben, dann wäre der Umzug nach Schönefeld nicht nötig.

Hinzu könnten kleine Geschäftsmaschinen zwischen 16 und 30 Tonnen Gewicht kommen, die - begrenzt durch ein Flugverbot zwischen von 20 Uhr abends und sechs Uhr morgens - die Lärmbelastung für die Anwohner erträglich halten sollten. Damit, so Mehdorn, wäre Tegel trotz nötiger Investitionen profitabel zu betreiben. Ähnlich hatte sich im März schon der Verband des Geschäftsflugverkehrs positioniert.

Finanzsenator bezweifelt Wirtschaftlichkeit

Nach Aussage des Berliner Finanzsenators Matthias Kollatz-Ahnen (SPD) ist Tegel nach der BER-Eröffnung nicht mehr profitabel. "Würde in Tegel nur die Hälfte der bisherigen Passagiere fliegen, wäre der Flughafen ausgesprochen unwirtschaftlich – in allen Komponenten: Beim Betrieb, bei den nötigen Investitionen und beim Schallschutz. Insgesamt würde der Weiterbetrieb rund 250 Millionen Euro pro Jahr kosten", sagte er der "Berliner Morgenpost".

Wollte man Tegel wirtschaftlich machen, ginge das nur, indem die Airlines viel höhere Landegebühren zahlen. "Wenn man die Gebühren verdoppelt, könnte es vielleicht sogar funktionieren. Aber genau das schließen die Betreiber des Volksbegehrens aus", so Kollatz-Ahnen.

Auf die Frage, ob man auf Tegel wirklich verzichten kann, da der BER ja schon zu seiner Eröffnung zu klein ist, sagte der Senator: "Man kann, und man wird es müssen. Es stimmt, dass der Flughafen aufgrund des inzwischen gewachsenen Passagieraufkommens zu klein ist. Deshalb arbeitet die Flughafengesellschaft an den nötigen Erweiterungen." Die prognostizierten Passagiere werde man in Schönefeld problemlos abfertigen können. "Die zwei Rollbahnen am BER reichen aus. Eine dritte Startbahn ist nicht notwendig."

Ja-Fraktion schrumpft in Umfrage

Die Berliner stimmen am Tag der Bundestagswahl auch über einen Appell an den Senat ab, die geplante Schließung des Flughafens Tegel zu stoppen. In einer neuen Umfrage schmilzt der Vorsprung der Befürworter des Cityairports.

Waren im Februar noch 73 Prozent der Befragten für einen Weiterbetrieb des Flughafens, sind es in einer aktuellen Forsa-Umfrage nur noch 61 Prozent.

© FBB, Lesen Sie auch: Auseinandersetzung um Volksabstimmung zu Tegel wird heftiger

Die meisten Tegel-Befürworter kommen laut aktueller Umfrage aus dem Lager der Berliner Oppositionsparteien. 88 Prozent der FDP-Wähler sind für Tegel, bei den CDU-Wählern sind es 70 Prozent. Bei den Grünen-Wählern kann sich dagegen nur rund jeder Zweite für einen Weiterbetrieb des Innenstadt-Airports begeistern. Der Volksentscheid geht auf die Initiative der FDP im Senat zurück.

Von: cs mit Material von dpa, dpa-AFX und AFP
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