Medien: Alitalia-Kredit soll verlängert werden

04.12.2018 - 16:49 0 Kommentare

Italiens Regierung will laut Berichten den Kredit für die insolvente Alitalia erneut verlängern. Eine Übernahme durch die Staatsbahn wird immer wahrscheinlicher - mögliche Partner sind Easyjet und Delta Air Lines.

Ein Airbus A320 der Alitalia. - © © AirTeamImages - Simone Ciaralli

Ein Airbus A320 der Alitalia. © AirTeamImages /Simone Ciaralli

Die marode Fluggesellschaft Alitalia wird voraussichtlich noch weiter am staatlichen Finanztropf hängen. Der zum 15. Dezember auslaufende Überbrückungskredit in Höhe von 900 Millionen Euro soll erneut verlängert werden, berichteten italienische Medien.

Laut der Nachrichtenagentur Ansa will der Ministerrat am Mittwoch einen entsprechenden Erlass verabschieden. Demnach soll die Rückzahlung des Kredits bis spätestens 30. Juni 2019 erfolgen, im Falle eines Verkaufs entsprechend früher. Über die Verlängerung war bereits im Oktober spekuliert worden.

Mit der neuen Maßnahme dürfte sich Italiens rechtspopulistische Regierung einmal mehr mit der EU-Kommission anlegen. Denn sie hatte bemängelt, dass der Alitalia-Kredit die zulässige Höchstdauer von sechs Monaten längst überschreite. Erstmals erhielt die Fluggesellschaft im Mai 2017 Finanzspritzen vom Staat, nachdem sie unter Sonderverwaltung gestellt worden war. Die EU leitete daher Ende April ein offizielles Prüfverfahren ein.

Rom will die Hälfte des Kredits umwandeln

Weitere Konflikte zwischen Rom und Brüssel könnten die derzeitigen Pläne für die Neustrukturierung von Alitalia mit sich bringen. Denn laut einem Bericht des "Corriere della Sera" will die Regierung dabei die Hälfte des Überbrückungskredits, also rund 500 Millionen Euro, in das Unternehmenskapital einfließen lassen.

Laut Medienberichten läuft derzeit alles auf eine "neue Alitalia" unter Federführung der staatlichen Eisenbahngesellschaft Ferrovie dello Stato (FS) hinaus. Sie soll 51 Prozent der Airline-Anteile übernehmen, der Rest könnte an ausländische Fluggesellschaften und Finanzinvestoren gehen.

Staatsbahn könnte mit Easyjet und Delta paktieren

Demnach hat es bereits Gespräche zwischen FS und Delta Air Lines gegeben. Während die US-Airline als Alitalia-Partner im Langstreckenverkehr gehandelt wird, könnte der Billigflieger Easyjet Teile des Europa-Verkehrs übernehmen. Daran hatte er wiederholt Interesse bekundet. Insgesamt sollen laut "Corriere della Sera" 1,5 Milliarden Euro frisches Kapital für Alitalia zusammen kommen.

Die Lufthansa Group, die lange Zeit als Favoritin für die Alitalia-Übernahme gehandelt wurde, würde bei dieser Konstellation außen vor bleiben. Sie hatte zuletzt auch deutlich gemacht, dass sie nicht für eine Minderheitsbeteiligung bei der italienischen Airline zur Verfügung stehe.

© dpa, Lesen Sie auch: Lufthansa will nicht Co-Investor bei Alitalia werden

FS-Chef Giovanni Battisti berichtete im November, sein Unternehmen habe ein Angebot für Alitalia abgegeben und warte auf die Bestätigung durch das Wirtschaftsministerium. Derzeit sei man mit vielen potenziellen Ko-Investoren im Gespräch. "Wir registrieren große Aufmerksamkeit für die Pläne der FS und werden bald in der Lage sein, etwas Konkretes zu verkünden", sagte er laut der Zeitung "La Repubblica".

Von: pra
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