Mauer mit Luftloch: Erinnerung an deutsch-deutsche Linienflüge

10.08.2014 - 10:03 0 Kommentare

Vor genau 25 Jahren gab es die ersten Linienflüge zwischen Ost- und Westdeutschland - und zwar schon vor dem Fall der Mauer. Das Jubiläum soll heute gefeiert werden.

Boeing 737-300 der Lufthansa auf dem Vorfeld in Leipzig. Im Vordergrund ist der damalige Chefpilot Jürgen Raps zu sehen.

Boeing 737-300 der Lufthansa auf dem Vorfeld in Leipzig. Im Vordergrund ist der damalige Chefpilot Jürgen Raps zu sehen.
© Lufthansa

Interflug-Generaldirektor Kurt Henke (l) begrüßt am 10. August 1989 auf dem Flughafen Leipzig/Halle den damaligen Lufthansa-Chef Heinz Ruhnau.

Interflug-Generaldirektor Kurt Henke (l) begrüßt am 10. August 1989 auf dem Flughafen Leipzig/Halle den damaligen Lufthansa-Chef Heinz Ruhnau.
© dpa - Lufthansa

 10. August 1989: Lufthansa nimmt den innerdeutschen Linienverkehr auf.

10. August 1989: Lufthansa nimmt den innerdeutschen Linienverkehr auf.
© Lufthansa

Die Streckenkarte des Linienerstflugs, der über den Umweg Prag und Dresden führte.

Die Streckenkarte des Linienerstflugs, der über den Umweg Prag und Dresden führte.
© Lufthansa

Die Flagge der DDR (Deutsche Demokratische Republik) und der Kranich der Lufthansa auf dem Leitwerk einer Iljuschin IL 18.

Die Flagge der DDR (Deutsche Demokratische Republik) und der Kranich der Lufthansa auf dem Leitwerk einer Iljuschin IL 18.
© dpa - Jan Woitas

In der DDR wurde das Ereignis eher als Randnotiz vermerkt und erreichte kaum die Öffentlichkeit. In der damaligen Bundesrepublik hingegen galt der Start der ersten deutsch-deutschen Linienverbindung im Luftverkehr als kleine Sensation. Am 10. August 1989, drei Monate vor dem Fall der Mauer, landete die Lufthansa Boeing 737-300 «Reutlingen» auf dem Flughafen Leipzig/Halle. Das war der Beginn des ersten regulären Linienflugverkehrs zwischen Frankfurt am Main und Leipzig. Im Gegenzug flog die DDR-Interflug ab 11. August zweimal pro Woche von Leipzig nach Düsseldorf.

«Wenn man so will, hat Lufthansa damals - im übertragenen Sinn - ein erstes Loch in die Mauer geflogen», zitiert das Unternehmen Flugkapitän Jürgen Raps, der damals die erste Linien-Boeing nach Leipzig steuerte. Er lebt heute als Pensionär im Ausland.

Das 25-jähirge Jubiläum soll heute mit einer Wiederholung des Linien-Erstflugs FRA-LEJ begangen werden – diesmal mit dem modernen Airbus A320 „Halle a. d. Saale“, aber mit zahlreichen Zeitzeugen „beider Seiten“ und auf der Original-Flugroute, die die damalige innerdeutsche Grenze meiden musste, wie Lufthansa mitteilte.

«Das war schon sehr, sehr bewegend»

Eckhard Fischer hat den Erstflug als Stationsleiter der Lufthansa in Leipzig erlebt. «Das war schon sehr, sehr bewegend», sagt Fischer, der vor dem Wechsel nach Leipzig in Belgrad gearbeitet hatte. «In der DDR ist das nicht groß kundgetan worden, aber das war ein großer Moment», sagt er. Damals war er 34 Jahre alt. Heute ist Fischer Lufthansa Verkehrsvorstand für Ostdeutschland mit Sitz am Flughafen Berlin-Tegel.

«Es war für beide Staaten wichtig, dass ein regulärer Linienverkehr eingerichtet wird», sagt auch Martina Mann, damals rechte Hand von Interflug-Chef Klaus Henkes. «Und für Interflug war es wichtig, nun endlich eine Linie nach Westdeutschland zu haben», sagt sie. Vor allem Geschäftsleute hätten die Linien nutzen sollen.

Route führte in den Luftraum der damaligen CSSR

Doch die luftigen Wege von einem Deutschland ins andere Deutschland waren damals noch kompliziert. Es durfte nicht die direkte Strecke zwischen den Städten geflogen werden. Die Route führte laut Lufthansa von Frankfurt aus ostwärts in den Luftraum der damaligen CSSR über Prag auf Nordkurs Richtung Dresden, um dann im DDR-Luftraum nach Nordwesten Richtung Leipzig zu schwenken. Das kostete 25 Minuten mehr Zeit und 1400 Liter mehr Treibstoff. Grund war eine 30 bis 40 Kilometer breite militärische Kontrollzone entlang der innerdeutschen Grenze.

In Reihe 1 der B737 saß an diesem 10. August 1989 – als erste Vollzahler im Linienverkehr zwischen den beiden deutschen Staaten – ein Rentnerehepaar aus Würselen bei Aachen, das die neue Verbindung nutzte, um Verwandte in Weißenfels zu besuchen. Das Gros der Passagiere in dem nagelneuen Jet machten Manager von westdeutschen Unternehmen mit Geschäftsinteressen in der DDR und rund 50 Pressevertreter aus der gesamten Bundesrepublik aus, wie es hieß. In der Business Class wurde der Flug nach Leipzig und zurück übrigens für 758 D-Mark angeboten, der „Flieg- und Spartarif“ kostete 422 D-Mark.

Zwar hatte Lufthansa bereits 1973 erstmals einen Charterflug von Frankfurt nach Leipzig unternommen. Und ab Herbst 1984 hatte ein Abkommen mit der Interflug Sonderflüge in den Tagen der Leipziger Messe – jeweils im Frühjahr und Herbst – ermöglicht, wie die Kranich-Airline informierte. Doch die Aufnahme der ersten regelmäßigen innerdeutschen Linienflugverbindung habe eine neue Qualität in dieser langsamen, vom Lufthansa-Management aber mit Beharrlichkeit verfolgten Entwicklung bedeutet.

Während der Erstflug in Leipzig zelebriert wurde, ahnte wohl kaum jemand trotz Hunderttausender Ausreiseanträge und sich anbahnender Proteste, wie nahe das Ende der DDR schon war. Am 9. November fiel die Mauer.

Von: dpa, airliners.de
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