Massen-Krankmeldungen bringen Tuifly fast zum Stillstand

07.10.2016 - 18:00 0 Kommentare

Tuifly kämpft weiter mit kurzfristigen Krankmeldungen von Piloten und Flugbegleitern. Am Freitag blieb der eigene Flugbetrieb so gut wie eingestellt, angemietete Flugzeuge holen Urlauber nur noch nach Hause. Für Sonntag wird mit einer Entspannung der Lage gerechnet.

Ein leerer Check-In-Schalter der Tui  am Flughafen in Hannover. - © © dpa - Peter Steffen

Ein leerer Check-In-Schalter der Tui am Flughafen in Hannover. © dpa /Peter Steffen

Tuifly hat den eigenen Flugbetrieb weitestgehend eingestellt. Lediglich zehn Flüge könnten an diesem Freitag aus Deutschland heraus stattfinden, teilte die zum Reisekonzern Tui gehörende Fluggesellschaft auf ihrer Internetseite mit. Alle weiteren Flüge ab Deutschland, Österreich und der Schweiz seien gestrichen.

Am Abend wurde bekannt, dass Tui die Entscheidung über eine Ausgliederung seiner deutschen Ferienfluggesellschaft zunächst verschiebt. Zudem machte der Reiseanbieter den Tuifly-Mitarbeitern verschiedene Zugeständnisse, unter anderem drei Jahre Bestandsschutz als Fluggesellschaft in Deutschland. Ab Sonntag könnte sich die Lage nun entspannen, erfuhr airliners.de aus Tuifly-Mitarbeiterkreisen.

Ärger um Ausgleichszahlungen

Die Auseinandersetzung zwischen Belegschaft und Management bei Tuifly bringt derweil auch die Fluggäste auf die Barrikaden. Neben Ärger über Unannehmlichkeiten und abgesagte Reisen spielt dabei auch die Ankündigung von Tuifly eine Rolle, ihre Fluggäste nicht entschädigen zu wollen. Tuifly sieht die massenhaften Krankmeldungen als "außergewöhnlichen und nicht vermeidbaren Umstand im Sinne von höherer Gewalt."

Bereits am Donnerstagabend hatte Tui mitgeteilt, den Flugbetrieb bei Tuifly zunächst weitestgehend einzustellen. Als Grund dafür nannte der Reiseveranstalter extrem kurzfristige Krankmeldungen von Piloten und Flugbegleitern. Durch die Entscheidung, Reiseverträge zu stornieren, würden Urlauber vor "unzumutbaren Wartesituationen am Flughafen bewahrt", hieß es.

In Folge massenhafter Krankmeldungen konnte die Airline am Morgen nur noch eine Handvoll Flugzeuge selbst bereedern. Zum Abend hin waren rund ein Dutzend Tuifly-Flugzeuge in der Luft, wie ein Blick auf Flightradar zeigt. Auch etliche Flugzeuge anderer Airlines flogen im Auftrag der Tuifly und holten vor allem gestrandete Urlauber nach Hause. Dabei wurden zum Teil mehrere Routen zusammengefasst.

© dpa, Luther Rechtsanwaltsgesellschaft Lesen Sie auch: Arbeitgebern sind bei kollektiven Krankmeldungen die Hände gebunden

Dobrindt ruft zu Verhandlungen auf

"Wir versuchen alles, um die Auswirkungen auf die Gäste so gering wie möglich zu halten", sagte Tuifly-Aufsichtsratschef Henrik Homann der "Bild"-Zeitung. "Wir wissen, dass das leider momentan nicht bei allen Kunden gelingt." Hunderte Piloten hätten sich krank gemeldet. "Das ist eine Herausforderung. Wir sind im Gespräch und hoffen, dass das die Lage beruhigt."

Bundesverkehrsminister Alexander Dobrindt (CSU) sprach derweil von einer inakzeptablen Situation. "Interne Konflikte müssen am Verhandlungstisch ausgetragen werden und nicht auf den Rücken der Passagiere", sagte er der Zeitung.

Neben den Reisenden sind auch die Reisebüros Leidtragende bei der aktuellen Tuifly-Krise. Die Flugausfälle bedeuten viel zusätzliche Arbeit. Der Branchenverband DRV mahnte am Freitag bei Veranstalter und Airline mehr Kulanz bei den Provisionen an. Die aktuellen Schwierigkeiten dürften nicht auf dem Rücken der Reisebüros ausgetragen werden, erklärte DRV-Vize Ralf Hieke laut einer Mitteilung. Für viele Tausende Urlauber müssten Stornierungen oder Umbuchungen vorgenommen werden, ohne dass der Mehraufwand vergütet werde.

© dpa, Julian Stratenschulte Lesen Sie auch: Bei Tuifly brodelt es schon lange

Schon an den Vortagen hatten sich viele Crew-Mitglieder bei Tuifly kurzfristig krank gemeldet und damit den Flugbetrieb eingeschränkt. Betroffen war und ist auch Air Berlin. Dort drohen weitere Ausfälle, denn ein Drittel der Tui-Flotte fliegt samt Besatzung für die Berliner.

Als Hintergrund werden der tiefgreifende Umbau der hoch verschuldeten Air Berlin und damit einhergehende Veränderungen bei der Tuifly gesehen. Die deutsche Fluggesellschaft des Touristikkonzerns Tui soll gemeinsam mit Air-Berlin-Teilen in eine neue Dachholding für Ferienflieger integriert werden. Arbeitnehmervertreter fürchten Job-Verluste und schlechtere Tarifbedingungen.

© airliners.de, Karl Born, Lesen Sie auch: Ein Appell an die Vernunft

Von: dh mit dpa, AFP
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