Artikel vom 15.07.2010
Turkish Airlines soll Jat Airways schlucken
Regierungen treiben Übernahme voran
Die Regierungen der Türkei und Serbiens wollen die Kauf-Verhandlungen zwischen Turkish Airlines und der hochverschuldeten Jat Airways vorantreiben, berichtet das Branchenportal „Air Transport World“. Während einer Konferenz sagte der türkische Premierminister Tayyip Erdogan “Wir sind bereit, alle notwendigen Schritte für diese Kooperation einzuleiten.“
Im Mai hatte Temel Kotil, CEO der Turkish Airlines, durchblicken lassen, dass er Gespräche sowohl mit der polnischen LOT als auch der serbischen Jat Airways führt. Die türkische Fluglinie will damit ihren Marktanteil im Osteuropa-Geschäft ausbauen. Die Nachrichtenagentur Reuters hatte zudem im März berichtet, dass die serbische Regierung plane, den Nationalcarrier auf zwei neue Firmen aufzuteilen, wobei eine die Schulden und eine die Aktiva erhält. Alle bisherigen Versuche, für das marode Unternehmen einen Käufer zu finden, waren fehlgeschlagen. Die Airline soll den Plänen zufolge im Frühjahr 2011 unter dem Namen „Air Serbia“ schuldenfrei an den Start rollen.
Jat Airways musste für das Jahr 2009 einen Verlust von 16,5 Millionen Euro ausweisen. Nun kündigte sie an, Kredite in Höhe von 51,5 Millionen Euro aufnehmen zu wollen, um die überalterte Flotte zu ersetzen und sich auf die Partnerschaft mit Turkish Airlines vorzubereiten. Branchenexperten rechnen mit einer Bestellung von vier Airbus A319 plus Optionen auf vier weitere Maschinen. Die Auslieferungen sollen zwischen 2012 und 2013 erfolgen. Ebenso könnte sich Jat Airways aber auch für das Konkurrenzmuster Boeing 737-700 entscheiden.
Die Flotte der Jat Airways setzt sich derzeit aus neun Boeing 737-300 und fünf Turbopropmaschinen vom Typ ATR72-200 zusammen. Hinzu kommen eine in Belgrad abgestellte Boeing 737-300 und eine in Kemble/Cotswold (Großbritannien) geparkte 737-400. Die Boeings haben ein Durchschnittsalter von knapp 24 Jahren. Die ATR72 sind mit 19 Jahren nur unwesentlich jünger.
In der Bevölkerung hat JAT wegen eines schlechten Services und andauernder Verspätungen (JAT - Joking About Time) einen miserablen Ruf. Lange Zeit verstand es aber die Regierung, Billigflieger aus Westeuropa den Anflug von Serbien zu untersagen und so die einheimische Jat zu schützen. Doch das ist nun vorbei.
Stand: 15.07.2010 - 11:39 AM Uhr
Quelle: airliners.de
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