Artikel vom 02.11.2009 0

Ryanair bremst Expansion

Halbjahresbilanz

Der irische Billigflieger Ryanair hat den Halbjahresgewinn dank niedriger Kerosinkosten vervierfachen können. Angesichts fallender Ticketpreise rechnet CEO O'Leary jedoch mit Verlusten in den kommenden Monaten. Daher setzt Ryanair auch den Flugzeugbauer Boeing unter Druck und droht mit dem Ende der Geschäftsbeziehung.

Ryanair Boeing 737-800 - © © AirTeamImages.com -

Ryanair Boeing 737-800

Ryanair bekam im ersten Geschäftshalbjahr bis Ende September die Wirtschaftskrise deutlich zu spüren. Obwohl die Zahl der Fluggäste um 15 Prozent auf 36,4 Millionen Euro zulegte, sank der Umsatz um zwei Prozent auf rund 1,8 Milliarden Euro. Der Überschuss vervierfachte sich unterdessen auf 373,5 Millionen Euro, nachdem er im Vorjahr unter der Last der hohen Treibstoffkosten deutlich geschrumpft war.

Die Aktie des Billigfliegers stürzte zu Handelsbeginn um mehr als 9 Prozent in die Verlustzone und notierte zuletzt mit 4,92 Prozent im Minus bei 2,80 Euro.

Verluste befürchtet

Für die kommenden beiden Quartale erwartet Ryanair deutliche Verluste. So werden die durchschnittlichen Ticketpreise in diesem Winter voraussichtlich um bis zu 20 Prozent zurückgehen, sagte Vorstandschef Micheal O'Leary. Dies werde das Ergebnis in den Monaten Oktober bis März ins Minus drücken. Für das Gesamtjahr hielt der Ryanair-Chef hingegen an seinem Gewinnziel fest. Der Überschuss soll am unteren Ende der Spanne von 200 bis 300 Millionen Euro liegen.

Ryanair zieht nach Vorlage der Zahlen ein Ende seines schnellen Wachstums in Betracht. "Wenn wir unser Überschusskapital nicht effizient in neue Flugzeuge investieren können, sollten wir das Geld an die Aktionäre zurückgeben", sagte  O'Leary.

Ryanair droht Boeing mit Ende der Geschäftsbeziehung

Ryanair verhandelt mit Boeing derzeit über den Kauf von 200 Flugzeugen. Jetzt setzt die Airline den Flugzeugbauer unter Druck: "Wir sehen keinen Sinn darin, unser schnelles Wachstum fortzuführen, während die Durchschnittserlöse sinken und unser wichtigster Partner im Flugzeug-Geschäft seine Rolle in unserem Kostensenkungsprogramm nicht annehmen will", sagte O'Leary. Wenn die Verhandlungen bis Jahresende nicht zu einem Ergebnis führten, werde Ryanair die Geschäftsbeziehung zu Boeing beenden.

Welchem Hersteller er sich dann zuwenden wolle, ließ O'Leary jedoch offen. Der europäische Flugzeugbauer Airbus ließ den Billigflieger bereits im Februar abblitzen, da er sich nicht in eine Rabattschlacht mit Boeing hineinziehen lassen wolle. Im Airbus-Hauptquartier in Toulouse hieß es damals, man sei zu dem vorgeschlagenen Preis an einem Geschäft nicht interessiert.

Bislang besteht die Flotte des Billigfliegers ausschließlich aus Boeing-Maschinen. Derzeit stehen 202 Boeing 737-800 im Dienst von Ryanair. Die 200 neuen Flieger, um die es bei den Verhandlungen geht, sollten in den Jahren 2013 bis 2016 ausgeliefert werden. Mit der einheitlichen Flotte aus nur einem Flugzeugtyp spart Ryanair Wartungs- und Ausbildungskosten und kann die Maschinen flexibler einsetzen.

Stand: 02.11.2009 - 4:31 PM Uhr

Quelle: dpa-AFX, dpa, airliners.de

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