Artikel vom 07.04.2009 0
Luftfahrt-Flaute geht im März weiter
Rezession und «Oster-Effekt»
© dpa
Zehn Prozent weniger Fluggäste bei Air France-KLM, gut acht Prozent Rückgang bei British Airways und rund sechs Prozent Einbußen bei Air Berlin und easyJet. Die Passagierentwicklung im März weiter nach unten. Die größte deutsche Fluggesellschaft - die Lufthansa - legt ihre aktuellsten Verkehrszahlen am Gründonnerstag vor.
Mindestens zwei Faktoren beeinflussen das Bild: Zum einen hatten die Fluggesellschaften im März 2008 von den Osterurlaubern profitiert, die in diesem Jahr erst im April in die Flieger steigen. Zum anderen lässt die Wirtschaftskrise den Luftverkehr nicht ungeschoren: Vor allem Geschäftsreisende bleiben vermehrt in der Heimat.
Noch scheint es den Billigfluggesellschaften besser zu gehen als den klassischen Linienfliegern, denen zur Zeit auch die treuen Kunden aus der Wirtschaft fehlen. "Das sind die Banker, die bislang zwischen Frankfurt und New York hin und her geflogen sind und nun stattdessen in ihren Büros sitzen und in Videokonferenzen miteinander reden", sagt Luftfahrt-Analyst Per-Ola Hellgren von der Landesbank Baden-Württemberg (LBBW). Das schmerzt die Netzwerkairlines besonders, denn oft flog diese Klientel als Vollzahler durch die Welt.
Die Buchungsrückgänge treffen bei den Linienfliegern daher vor allem Business und First Class. Die Lufthansa kündigte zuletzt an, die Business Class ihrer Jumbo-Jets zu verkleinern und stattdessen mehr Economy-Sitze einzubauen. Zwar mögen sich für diese Tickets leichter Käufer finden. Allerdings verdienen die Airlines daran deutlich weniger. Daher könnte sich die Krise bei den Gewinnen der Airlines noch stärker niederschlagen, als die Fluggastzahlen erwarten lassen.
Bei einigen Fluggesellschaften fehlt das Geld schon jetzt. British Airways und Air France-KLM rechnen im operativen Geschäft mit roten Zahlen. Bei der Lufthansa stehen die Zeichen hingegen weiter auf Gewinn. Kurzarbeit soll die Krise für Mitarbeiter, Kunden und Aktionäre erträglich machen.
Noch ist die Wirtschaftskrise bei den Verbrauchern nicht richtig angekommen. Reiseveranstalter wie Thomas Cook ("Neckermann Reisen") und die TUI-Tochter TUI Travel geben sich noch immer optimistisch für die Sommersaison. Flughafenvertreter erwarten bereits einen boomenden Last-Minute-Markt mit Kampfpreisen für Flugtickets und Pauschalreisen.
Daher müssen Air Berlin oder easyJet mit ihrem höheren Urlauberanteil bislang nicht unbedingt zittern. Ohne den Oster-Effekt wären die Passagierzahlen bei Air Berlin im März nur leicht oder überhaupt nicht zurückgegangen, schätzt Hellgren. Dank des Oster-Reiseverkehrs könnte die Airline im April sogar auf mehr Passagiere kommen als ein Jahr zuvor.
Experte Hellgren schließt nicht aus, dass die Krise am Ende auch die Urlaubsnachfrage einbrechen lässt. "Bisher leiden wir unter den Folgen der Finanzkrise", sagt er. Sollten die staatlichen Konjunkturpakete nicht anschlagen, seien - vermutlich im Herbst - beträchtliche Entlassungen in der gesamten Wirtschaft zu erwarten. Urlaub dürfte dann für viele Menschen kaum mehr ein Thema sein. Die Turbulenzen sind noch nicht vorbei.
Stand: 07.04.2009 - 5:59 PM Uhr
Quelle: dpa-AFX
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