Artikel vom 23.01.2012 0

Cirrus stellt Insolvenzantrag

Flugbetrieb ruht

Erst wurde der Flugbetrieb eingestellt, nun folgte der Insolvenzantrag, die Betriebsgenehmigung ruht. Der Saarbrücker Cirrus Airlines droht die Zahlungsunfähigkeit. Am Dienstag soll ein vorläufiger Insolvenzverwalter bestellt werden.

Dornier 328 und Bombardier Dash-8Q-300 der Cirrus Airlines - © © Cirrus Airlines -

Dornier 328 und Bombardier Dash-8Q-300 der Cirrus Airlines

Die Fluggesellschaft Cirrus Airlines hat einen Insolvenzantrag beim Amtsgericht Saarbrücken gestellt. Der Flugverkehr bleibe ausgesetzt, teilte das Saarbrücker Unternehmen am Montag mit. Das Gericht werde an diesem Dienstag einen vorläufigen Insolvenzverwalter bestellen. Das Insolvenzgericht im saarländischen Sulzbach, eine Außenstelle des Amtsgerichts Saarbrücken, bestätigte den Eingang des Insolvenzantrags. Begründet worden sei der Antrag mit einer drohenden Zahlungsunfähigkeit, sagte ein Sprecher.

Nach Angaben des Luftfahrt-Bundesamtes ruht mit sofortiger Wirkung die Betriebsgenehmigung von Cirrus. Damit ist die Fluggesellschaft nicht mehr berechtigt, Passagiere sowie Post oder Fracht im gewerblichen Verkehr zu befördern, wie das Bundesamt am Montag in Braunschweig mitteilte. Cirrus Airlines hatte am Freitagabend den Flugbetrieb zunächst befristet bis Ende dieser Woche eingestellt. Passagiere würden umgebucht, die rund 300 Mitarbeiter arbeiteten zunächst weiter, hatte es von Cirrus geheißen.

Unterdessen sorgen sich mehrere Flughäfen, die von Cirrus angeflogen werden, um die Zukunft der Airline. Dazu zählt der Flughafen Münster/Osnabrück, von dem aus Cirrus nach Stuttgart fliegt. "Das ist eine Verbindung, die vor allem für die regionale Wirtschaft wichtig ist", sagte ein Flughafensprecher

Kritik an Cirrus kam aus dem oberfränkischen Hof. Vom dortigen Flughafen Hof-Plauen fliegt Cirrus nach Frankfurt am Main. Das Einstellen des Flugbetriebes komme zu einem denkbar ungünstigen Zeitpunkt, sagte Oberbürgermeister Harald Fichtner (CSU). Die öffentliche Hand subventionierte den Linienflugbetrieb in Hof 2011 mit 3,6 Millionen Euro. Die Zahlungen seien nun natürlich ausgesetzt worden, betonte Fichtner.

Der Flughafen Dresden verliert durch die Insolvenz der Cirrus Airlines drei Linien nach Hamburg, Wien und Zürich. "Die Einstellung des Flugbetriebes hat uns überraschend getroffen", sagte Flughafenchef Michael Hupe am Montag der Nachrichtenagentur dapd. Noch am Mittwoch hatte die Airline erklärt, in Dresden ab März eine dritte Maschine stationieren zu wollen. Damit wäre Dresden die größte Basis der Regionalgesellschaft geworden.

Seit längerer Zeit gab es in der Branche bereits Gerüchte, wonach Cirrus Airlines in wirtschaftlichen Schwierigkeiten stecke. Spekuliert wurde über eine Übernahme durch die Skywork aus Bern in der Schweiz. Skywork dementierte vergangene Woche derartige Pläne, beide bestätigten aber Verhandlungen über eine gemeinsame Flugzeugwartung.

Die Regionalfluggesellschaft Cirrus bediente dezentrale Strecken zwischen elf Flughäfen in Deutschland, Österreich und der Schweiz. Dafür musste Personal an zahlreichen Stationen bereitgehalten werden. Wiederholt war die Airline in der Vergangenheit in die Schlagzeilen geraten, weil wegen technischer Problemen Flüge ausfielen. Wartungspersonal musste auf dem Landweg zeitaufwendig zum gestrandeten Flugzeug fahren. Während der Flottenumstellung von Dash- auf Dornier-Maschinen fehlte gelegentlich das für den jeweilige Flugzeugtyp geschulte Personal. Erst im Dezember waren die Strecken Erfurt-München und Mannheim-Berlin/Tegel aus wirtschaftlichen Gründen eingestellt worden.

Zuletzt betrieb Cirrus nach eigenen Angaben acht Dornier-Maschinen mit rund 30 Sitzen im Liniendienst und einem Embraer-Jet mit 76 Plätzen für Charterflüge.

Stand: 23.01.2012 - 6:35 PM Uhr

Quelle: dpa-AFX, dpa, dapd

Empfehlen:

Anzeigen

Kommentare
Es gelten die Forenregeln und Nutzungsbedingungen

mit Unterstützung durch Disqus
Aktuell kommentiert
Powered by Disqus