Artikel vom 13.11.2009
British Airways und Iberia fusionieren
Marken bleiben, BA übernimmt Führung
Iberia und British Airways (BA) wollen sich zusammenschließen. Der BA-Verwaltungsrat stimmte in der gestrigen Nacht einer Vereinbarung zu, die die Grundlage für den Zusammenschluss legen soll, wie es in der gemeinsamen Erklärung hieß. Iberia hatte bereits am Nachmittag einer Fusion zugestimmt.
Demnach soll BA-Chef Walsh die neue Fluggesellschaft führen, der Aufsichtsratsvorsitzende von Iberia, Antonio Vázquez, soll auch bei dem neuen Unternehmen den Aufsichtsrat leiten.
Der Zusamenschluss soll bis Ende 2010 vollzogen sein und Kosten von jährlich rund 400 Millionen Euro einsparen. Beide Marken sollen erhalten bleiben. Nach den Plänen soll BA 55 Prozent an dem neuen Unternehmen halten und Iberia 45 Prozent. Die beiden Airlines hatten seit 16 Monaten über die Fusion verhandelt, beide gehören dem Luftfahrtbündnis Oneworld an.
«Dies ist ein Riesenschritt in der Geschichte unserer Unternehmen. Wir haben die Basis zur Schaffung einer wahren globalen Fluggesellschaft gelegt», sagte Iberia-Chef Antonio Vázquez zu der bevorstehenden Fusion. Die Gruppe soll ihren Geschäftssitz in Madrid und den operativen Sitz in London haben, wie es weiter hieß.
Die neue Gruppe werde über eine Flotte von 419 Flugzeugen verfügen und 205 Ziele anfliegen. 2008 transportierten BA und Iberia nach eigenen Angaben insgesamt 62 Millionen Passagiere. Im vergangenen Geschäftsjahr machten sie zusammen rund 15 Milliarden Euro Umsatz und sind damit nach Lufthansa und Air France/KLM die drittgrößte Airline der Welt.
Tief rote Zahlen
Beide Unternehmen stecken jedoch tief in den roten Zahlen. BA hatte erst vor einer Woche einen Halbjahresverlust vor Steuern von 292 Millionen Pfund (323 Mio Euro) verkündet. Angesichts der Wirtschaftskrise flog auch Iberia im ersten Halbjahr 2009 einen Verlust von rund 165 Millionen Euro ein.
Die Vorstände beider Gesellschaften waren am Donnerstag zu getrennten Sondersitzungen zusammengekommen, um die Fusion unter Dach und Fach zu bringen. Die größten Hürden sollen zuletzt die Milliarden-Defizite bei den BA-Betriebspensionen sowie die hohen Schulden der britischen Gesellschaft gewesen sein.
Eine Sprecherin von BA sagte, es werde vermutlich keine Stellenstreichungen geben, die über die bereits angekündigten hinausgingen. Sowohl BA als auch Iberia bauen derzeit tausende Jobs ab. Die meisten Kosten würden in den Bereichen IT und Beschaffung gespart werden, ergänzte die Sprecherin.
Angesichts ihrer Verluste hatte Iberia den Abbau von 2200 Stellen und die Streichung unrentabler Strecken angekündigt. Zuletzt hatte die spanische Gesellschaft, die Marktführer auf den Routen zwischen Europa und Lateinamerika ist, wegen eines Streiks des Kabinenpersonals Schlagzeilen gemacht. Fast 400 Flüge mussten am Dienstag und Mittwoch gestrichen werden, rund 40 000 Passagiere waren betroffen. BA hatte angekündigt, bis zum Abschluss des Geschäftsjahres im März 4900 Stellen zu streichen. Rund 7000 Mitarbeiter nehmen zudem bereits an einem Sparprogramm teil, bei dem einige auch auf ihr Gehalt verzichten.
Lange Verhandlungen
BA und Iberia hatten bereits im vergangenen Jahr die Verhandlungen über einen möglichen Zusammenschluss aufgenommen. Sie haben wie viele Fluggesellschaften mit der Wirtschaftskrise und der Billigflieger-Konkurrenz zu kämpfen. Iberia hatte zuletzt angekündigt, sich ganz auf Langstreckenverbindungen zu konzentrieren.
An der Börse erlebten beide Unternehmen bereits am Donnerstag einen Höhenflug. Die Aktien Iberias legten in Madrid um fast zwölf Prozent zu, die von British Airways gewannen in London rund acht Prozent. Iberia hält bislang bereits zehn Prozent an BA, die Briten sind mit 13,15 Prozent an Iberia beteiligt.
Stand: 13.11.2009 - 8:48 AM Uhr
Quelle: dpa, AFP
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