Artikel vom 22.02.2010 0
Pilotenstreik: Chaos bleibt aus
Lufthansa und Germanwings fliegen Sonderflugpläne
© dpa, B. Roessler
Eine Anzeigentafel am Flughafen Frankfurt zeigt zahlreiche annullierte Flüge am 22.02.2010.
Der Streik der Lufthansa-Piloten hat am Montag große Teile des Flugverkehrs in Deutschland lahmgelegt. Zum Auftakt hat sich die Zahl der Lufthansa-Flüge in Deutschland fast halbiert. Zwischen 0.00 Uhr und 16.00 Uhr wurden am Montag 1.014 Flüge der Lufthansa im deutschen Luftraum gezählt, ergab eine Auswertung der Deutschen Flugsicherung (DFS) auf Anfrage der Deutschen Presse-Agentur dpa. An einem vergleichbaren Montag, dem 8. Februar, seien dagegen in diesem Zeitraum 1.947 Lufthansa-Flüge gezählt worden.
Lufthansa nannte bis zum späten Nachmittag keine genauen Zahlen über Flugausfälle. Der Sonderflugplan werde ständig aktualisiert. Die ebenfalls bestreikte Lufthansa-Tochter Germanwings teilte mit, trotz des Arbeitskampfes hätten drei Viertel aller Flüge stattgefunden. 120 von bundesweit 160 geplanten Flügen seien am ersten Streiktag ausgeführt worden.
Chaos bleibt vorerst aus
Das befürchtete Chaos an den Flughäfen blieb allerdings aus. Passagiere wurden teils auf andere Fluggesellschaften oder bei innerdeutschen Strecken auf die Bahn umgebucht. Im Vergleich zu den üblichen 330.000 Fernverkehrs-Kunden am Tag sei die Zahl der Reisenden bei der Bahn aber «nur geringfügig höher» gewesen, teilte die Bahn in Berlin mit. In Abstimmung mit der Lufthansa wurden auf einigen Strecken Zusatzzüge eingesetzt oder die Platzkapazitäten erhöht.
An den größten deutschen Flughäfen in Frankfurt, Düsseldorf, München, Berlin und Hamburg fielen am Montag zahlreiche Flüge aus. Etwa 800 Flüge sollten nach Einschätzung der Lufthansa über den Tag wegfallen. Das wären etwa zwei Drittel der Flüge, die von der Gewerkschaft bestreikt werden können. Das restliche Drittel der Flieger sollte abheben. Beim Billigflieger Germanwings, dessen Piloten die gleichen Tarifverträge haben, sollten rund zwei Drittel der Flüge trotz des Streiks stattfinden.
Fraport verliert Millionen
Der Frankfurter Flughafenbetreiber Fraport verliert nach eigenen Angaben täglich zwischen 1,0 und 1,5 Millionen Euro wegen des Pilotenstreiks bei der Lufthansa. In dieser Zahl seien unter anderem entgangene Entgelte für Starts und Landungen sowie sinkende Einzelhandelsumsätze enthalten, erklärte ein Unternehmenssprecher am Montag. Auch müsse wegen des Streiks zusätzliches Personal in allen Bereichen vorgehalten werden.
In dem Tarifkonflikt geht es um Geld, Arbeitsplatzsicherung und Einfluss auf die Firmenpolitik. Die Gewerkschaft will verhindern, dass durch billigere Lufthansa-Töchter vor allem im Ausland eine innerbetriebliche Konkurrenz entsteht. Daher verlangt sie auch Mitsprache bei den Auslandstöchtern. Lufthansa hält dies für unzulässig. Eine Annäherung war nicht in Sicht. «Wir haben in den letzten Stunden keinen direkten Kontakt gehabt», sagte der Sprecher der Pilotengewerkschaft Vereinigung Cockpit, Jörg Handwerg.
Streikfortführung angedacht
Außerdem denken die Piloten schon an eine weitere Fortsetzung des Arbeitskampfes. «Offenbar reicht der Lufthansa der Druck von vier Tagen Streik noch immer nicht», sagte Alexander Gerhard-Madjidi von Cockpit. Sollte es am Ende des aktuellen Streiks aber keine Gespräche geben, seien neue Streiks denkbar. «Wir können das im Wochenrhythmus wiederholen.»
Die Fluggesellschaft zeigte sich offen für Verhandlungen. «Wir sind dialogbereit, wenn Cockpit das Gesprächsthema vom Tisch nimmt, dass man tarifvertraglich mitentscheiden möchte, wo die Lufthansa welche Flugzeuge mit Lufthansa-Klassik-Piloten besetzt», sagte Lufthansa-Sprecher Klaus Walther im Deutschlandfunk. «Man versucht da praktisch, das Tarifvertragsrecht ins Ausland auszuweiten. Das ist mit uns nicht verhandelbar.»
Weitere Informationen:
Aktuelle Fluginformationen bei Lufthansa
Aktuelle Fluginformationen bei Germanwings
Stand: 22.02.2010 - 6:16 PM Uhr
Quelle: ddp, dpa, airliners.de
Anzeigen
Meistgelesen
- 1 Air Berlin wagt den Billigst-Tarif Neue Tarifstruktur
- 2 Lufthansa-A380 heißt «Berlin» Taufe in Tegel
- 3 A400M-Tests in Brandenburg beendet Testflüge verliefen «nicht nach Plan»
Anzeige

Wieder Charterflüge ab Lübeck