Artikel vom 20.02.2012 0

48-Stunden-Streik am Flughafen Frankfurt

Weniger Flugausfälle

Der Streik von Vorfeld-Kontrollmitarbeitern in Frankfurt hat am Montag erneut zu Behinderungen und Flugausfällen geführt. Doch während im Tarifstreit weiterhin Stillstand herrscht, fliegen offenbar von Tag zu Tag wieder mehr Flugzeuge.

Flugausfälle am Flughafen Frankfurt - © © dpa - Frank Rumpenhorst

Flugausfälle am Flughafen Frankfurt

Die streikenden Mitarbeiter der Vorfeldaufsicht, Verkehrszentrale sowie der Vorfeldkontrolle in Frankfurt erhöhen ihren Druck weiter. Obwohl der Ausstand am größten deutschen Flughafen zuletzt bis zum Mittwochmorgen verlängert wurde, haben sie Flughafenbetreiber Fraport und die Airlines auf den Streik der rund 200 Mitarbeiter mittlerweile offenbar gut eingestellt.

Die Streikenden hatten am Montagmorgen die dritte und bislang härteste Runde ihres Arbeitskampfes eingeläutet. Am Montag fielen während der 18 Stunden Betriebszeit an Deutschlands größtem Flughafen allerdings nur noch 240 von 1.271 geplanten Flügen aus, wie eine Fraport-Sprecherin am Montagabend sagte. Das waren bereits rund 60 weniger als am Freitag vergangener Woche mit gut 300 Ausfällen in lediglich 14 Stunden Streik.

Für Dienstag rechnet Fraport nun mit noch weniger Einschränkungen. Um die Auswirkungen des Arbeitskampfes abzufedern, hatte der Flughafenbetreiber kurzerhand weitere Mitarbeiter geschult, die Aufgaben der streikenden Einweiser und Disponenten übernehmen.

«Wir werden das jetzt durchziehen»

Die Gewerkschaft der Flugsicherung (GdF) bekräftigte dennoch ihre Entschlossenheit, ihre Forderungen durchzusetzen. Diese brächten nach Angaben von Fraport für einzelne Beschäftigte bis zu 70 Prozent höhere Gehälter. «Wir müssen das jetzt durchziehen. Und wir werden das jetzt durchziehen», sagte GdF-Tarifvorstand Markus Siebers der Nachrichtenagentur dpa.

Nachdem das Vorfeldpersonal seinen Ausstand am Wochenende auf zunächst zwei Tage bis Mittwochmorgen um 05.00 Uhr ausgedehnt hat, ist nun eine weitere Verlängerung im Gespräch, wie GdF-Chef Michael Schäfer am Montag sagte.

Der GdF-Bundesvorstand und der Verhandlungsführer der Gewerkschaft wollten beraten, ob der Streik möglicherweise noch weiter ausgedehnt werde, sagte Schäfer in Kelsterbach nahe Frankfurt. Würden die Arbeitsniederlegungen auf den kompletten Mittwoch ausgeweitet, werde die Gewerkschaft dies aber spätestens 24 Stunden zuvor mitteilen.

Flugverkehr «den Umständen entsprechend reibungslos»

Die Lufthansa plant für den Dienstag nur noch mit 160 gestrichenen Starts und Landungen in Frankfurt nach rund 200 Ausfällen am Montag. Der Interkontinentalverkehr werde weiterhin im vollen Umfang aufrechterhalten, der Flugplan innerhalb Deutschlands und Europas werde ausgedünnt. «Wir haben es immer besser im Griff, einen stabilen Flugverkehr abzuwickeln», sagte Lufthansa-Sprecher Andreas Bartels.

Der Flugverkehr mit zahlreichen Umbuchungen auf andere Flüge und das Umsteigen auf die Bahn liefen «den Umständen entsprechend reibungslos», ergänzte eine Sprecherin. Auch Konkurrent Air Berlin berichtete von einigen Ausfällen nach Frankfurt. Die Passagiere werden aber ebenfalls umgebucht. Fraport riet Reisenden, sich rechtzeitig über ihre Verbindungen zu informieren.

Auch die anderen Fluggesellschaften zeigten sich zufrieden mit dem Krisen-Management, das insbesondere die interkontinentalen Verbindungen bevorzugt. Martin Gaebges vom Airline-Verband Barig stärkte der Fraport den Rücken: "Letztlich müssten wir die höheren Entgelte über die Gebühren bezahlen." Er forderte die Gewerkschaft auf, an den Verhandlungstisch zurückzukehren.

Kritik an GdF wächst

Die GdF ergötze sich offensichtlich an ihrer Machtposition, kritisierte der Präsident des Bundesverbandes der Deutschen Tourismuswirtschaft (BTW), Klaus Laepple. Sie müsse schnellstmöglich zur Vernunft kommen. Er verlangte zudem gesetzliche Vorkehrungen, um die Macht kleiner Spartengewerkschaften zurückzudrängen.

Die Bundesregierung sieht hingegen keinen Anlass zum Eingreifen. "Die Tarifautonomie ist verfassungsrechtlich geschützt", sagte Regierungssprecher Steffen Seibert am Montag in Berlin. Die Vorgänge im Tarifkonflikt würden beobachtet. Es obliege aber nicht der Regierung zu beurteilen, "ob eine Streikmaßnahme oder ob Forderungen einzelner Gruppen angemessen sind."

In der Nacht zum Montag hatte die GdF den Streik auf 48 Stunden verlängert - ursprünglich sollte nur bis zum Dienstagmorgen 5.00 Uhr die Arbeit niedergelegt werden. Nun soll der Ausstand nach GdF-Angaben bis Mittwoch (22.Februar/5.00 Uhr) dauern. «Wir wollten der Gegenseite die Gelegenheit geben, sich für Verhandlungen zu melden. Da dies am Sonntag nicht geschehen ist, haben wir den Streik verlängert», erläuterte Siebers. «Wir hoffen, dass die Erhöhung des Drucks zu einem Einlenken von Fraport führt.» Fraport sieht dagegen die Gewerkschaft am Zuge und verlangt eine Rückkehr an den Verhandlungstisch. Die bisherigen Forderungen der GdF hält Fraport für überzogen.

Bereits am vergangenen Donnerstag und Freitag hatten die rund 200 Mitarbeiter die Arbeit niedergelegt. Fraport will zwar die Forderungen für die Vorfeldlotsen weitgehend erfüllen, nicht aber die Berufsgruppen der Einweiser und der Disponenten ebenfalls aus ihrem Tarifgefüge entlassen. Die geforderte Bezahlung stehe in keinem Verhältnis zu ähnlichen Tätigkeiten auf dem Flughafen, betonte das Unternehmen. Man müsse aber das gesamte Unternehmen im Blick haben und habe aus diesem Grund auch den Schlichterspruch von Hamburgs Ex-Bürgermeister Ole von Beust abgelehnt.

Stand: 20.02.2012 - 11:52 PM Uhr

Quelle: AFP, dpa

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