Artikel vom 01.09.2009 0

Jetbird stellt sich mit "Roadshow" vor

Den Mittelstand im Fokus

Mit einer „Preview“-Tour über acht deutsche Flughäfen hat die neue Geschäftsreise-Airline Jetbird sich und die brandneue Embraer „Phenom 100“ vorgestellt. Der „Billigflieger“ unter den Privatjet-Anbietern will zum Quartalsende von Köln aus abheben und plant einen massiven Wachstumskurs.

Jetbird Embraer

Jetbird Embraer "Phenom 100"

Köln/Bonn, Düsseldorf, Egelsbach, Hamburg-Fuhlsbüttel, Oberpfaffenhofen, Stuttgart, Hannover und Berlin/Tegel – acht Flughäfen in einer Woche, Köln/Bonn sogar mehrfach an drei Tagen: Mit einer „Preview“-Tour durch Deutschland hat sich die neue Privatjet-Airline Jetbird in der letzten Woche bei potentiellen Kunden sowie der Fach- und Wirtschaftspresse vorgestellt.

„Die Tour war ein voller Erfolg“, fasst Jetbird-Vertriebsdirektor Siegfried Römer die Woche im Gespräch mit airliners.de zusammen. „Auf rund 80 Terminen habe ich unser Produkt über 120 Interessenten vorstellen können.“ Jetbird hatte vom Hersteller Embraer eine „Phenom 100“ ausgeliehen – den brandneuen „Very Light Jet“, von dem die neue „Lowcost“-Geschäftsreise-Airline insgesamt bis zu 100 Exemplare geordert hat.

„Die Reaktionen auf Jetbird waren fantastisch, leider mussten wir sogar Anfragen absagen“, zieht Römer Bilanz. Aus diesem Grund plant der ehemalige Mobilfunk-Manager nun eine weitere Roadshow, sobald Jetbird zum Ende des Monats die ersten beiden eigenen Maschinen in Empfang nimmt.

Der „Billigflieger“ unter den Privatjets

Wenn Jetbird zum Monatswechsel ab Köln/Bonn mit zunächst zwei Maschinen startet, beginnt in Europa nach Römers Worten eine neue Ära in der Privatjet-Fliegerei. Unter dem Motto „changing the world of business jet travel forever“ tritt die Airline als Preisbrecher im Markt an und verspricht Preise, die 50 Prozent unter denen der Konkurrenz liegen.

Den Mittelstand im Fokus: Jetbird-Vertriebsdirektor Siegfried Römer im Gespräch mit airliners.de

“Wir machen vieles anders als etablierte Privatjet-Anbieter“, erläutert Römer die Strategie von Jetbird. Kein aufwändiges Catering an Bord, keine Flugbegleitung, bescheidene Büroräume und ein schlankes Management seien aber nur ein Teil der Lowcost-Strategie. Vielmehr setzt Jetbird bei seiner Kalkulation auf die Kostenvorteile des neuen „Very Light Jets“ von Embraer.

„Die Phenom 100 ist um 30 Prozent günstiger im Betrieb als vergleichbare Muster“, freut sich Römer. Man könne sagen, der komfortable leichte Jet sei vergleichbar mit dem Betrieb eines Turboprop-Flugzeugs. „Zudem haben wir erhebliche Mengenvorteile – immerhin haben wir zunächst einmal 59 Exemplare fix bestellt und halten Optionen auf 41 weitere Maschinen.“

Der Kurs von Jetbird sieht ein dementsprechend rasantes Wachstum vor: Nach den ersten zehn Maschinen in Köln/Bonn will Jetbird im ersten Halbjahr 2010 erst eine Basis mit weiteren zehn Jets in München aufbauen. Im zweiten Halbjahr soll dann Berlin/Schönefeld mit ebenfalls zehn „Phenom 100“ folgen. Hamburg soll zum Jahresende mit vier Flugzeugen starten.

Ab 2011 will die Geselschaft mit Sitz in Irland dann auch europäisch expandieren: Nach den bereits gesetzten Standorten London und Paris sollen später Hubs in Städten wie Rom, Mailand, Nizza oder Wien entstehen und so Europa mit einem Netz von Jetbird-Standorten überziehen.

Den Mittelstand im Fokus

In Zeiten der Wirtschaftkrise verwundert der Start eines neuen Privatjet-Anbieters mit derart großen Ambitionen schon ein wenig. Jetbird setzt bei seiner Expansionsstrategie allerdings nicht nur auf das klassische Jetset-Klientel. Mit den pro Sitz gerechnet durchaus erschwinglichen Preisen will die neue Airline vielmehr den Mittelstand für sich gewinnen.

„Die Leute wollen sich nicht binden“, erörtert Römer die Preispolitik von Jetbird. Anders als bei Mitbewerbern wie der kürzlich gescheiterten Jet Republic oder auch beim Branchenprimus Netjets müsse bei Jetbird niemand Nutzungsrechte pauschal einkaufen. Um die 100 Flugzeuge dennoch auszulasten, setzt Römer auf Zielgruppenmarketing, Pressearbeit und die Vertriebswege Internet, klassisches Keyaccount sowie auf etablierte Wiederverkäufer.

Das Internet bietet dabei für weniger ausgefallene Destinationswünsche sogar die Möglichkeit, kurzfristig Flüge über eine standardisierte Buchungsmaschine online zu bestellen. Der Regelfall wird nach Römers Einschätzung aber weiterhin die individuelle Ausarbeitung von Kundenanfragen sein.

Die angepeilte schnelle Expansion scheint dabei notwendig, denn auch wenn sich der neue Embraer-Jet im Einsatz wirklich als extrem sparsam erweist verbrennen Privatjet-Anbieter generell vor allem durch Leerflüge viel Geld. Wenn es nach Römer geht, wird die „Phenom 100“ in der auffälligen braun-beigen Jetbird-Lackierung daher in naher Zukunft nicht nur auf den acht Flughäfen der Roadshow, sondern in ganz Europa häufig anzutreffen sein.

           
     

Jetbird-Vertriebsdirektor Siegfried Römer, © airliners.de

           

Stand: 01.09.2009 - 5:17 PM Uhr

Quelle: airliners.de

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