Interview

"Wir wollen, dass Ryanair in Bremen noch ausbaut"

22.08.2018 - 14:03 0 Kommentare

Elmar Kleinert ist seit 1. Juli Chef am Flughafen Bremen. Im airliners.de-Interview spricht er darüber, warum Streiks zum Tagesgeschäft gehören, wie sein Airport aufgestellt ist und wie man Ryanair glücklich macht.

Das Vorfeld am Flughafen Bremen. - © © Flughafen Bremen GmbH  -

Das Vorfeld am Flughafen Bremen. © Flughafen Bremen GmbH

Elmar Kleinert war schon einmal Flughafenchef. Von 2009 bis 2013 führte er die Geschicke am Airport Paderborn/Lippstadt. Seit rund sechs Wochen ist er jetzt verantwortlich für den Flughafen Bremen. Hinter dem Airport liegt ein turbulentes halbes Jahr, seit Ex-Chef Jürgen Bula im November des vergangen Jahres abberufen wurde. Im airliners.de-Interview spricht Elmar Kleinert über seine Ziele für den Flughafen, warum Streiks zum Tagesgeschäft gehören und welche Aspekte für eine erfolgreiche Zusammenarbeit mit Ryanair wichtig sind. Außerdem verrät er, wohin die vom Aufsichtsrat bewilligten 16 Millionen Euro fließen.

airliners.de: Herr Kleinert, Sie sind seit einem Monat Chef am Flughafen Bremen. In was für einer Situation haben Sie den Flughafen vorgefunden?
Elmar Kleinert: Zuallererst habe ich mich sehr herzlich empfangen gefühlt. Der Flughafen Bremen ist ein Flughafen mit einer jungen und überdurchschnittlich engagierten Mannschaft. Aber man hat natürlich auch gemerkt, dass nach der Interimsphase von knapp acht Monaten und dem Ärger um den Geschäftsführerwechsel ein bisschen Unruhe im Unternehmen ist. Diese Unruhe versuchen wir natürlich schnell wieder einzudämmen und zu beruhigen.

Der Aufsichtsrat hat dem Flughafen Bremen rund 16 Millionen zur Verfügung gestellt. Was passiert mit dem Geld?
Wir haben zehn oder elf Millionen in den letzten zwei Jahren für einen hochmodernen Duty-Free-Bereich und eine moderne Wegeführung verbaut. Wir wollen die Verkehrsströme gezielt durch den Duty-Free-Bereich führen. Jeder Gast darf und soll in den Genuss eines zeitgenössischen Retail-Bereichs kommen, egal ob er Low-Cost-Passagier, Urlauber oder Geschäftsreisender ist. Das sind so die großen Blöcke. Daneben haben wir natürlich eine Reihe an kleineren Ertüchtigungen und Investitionen. Das reicht von der Beleuchtung für die Parkhäuser über das Lieblingsthema eines jeden Flughafens, der Sanierung des Vorfeldes und der Rollwege, bis zur Modernisierung und Ertüchtigung von WC-Anlagen.

Der Interviewpartner

Elmar Kleinert ist seit 1. Juli 2018 Geschäftsführer der Flughafen Bremen GmbH. Zuletzt verantwortete er als Geschäftsleiter "Operation" bei der Flughafengesellschaft Berlin Brandenburg den Verkehr der Flughäfen Tegel und Schönefeld. Bereits zwischen 2009 und 2013 war Kleinert Flughafenchef in Paderborn. Der studierte Wirtschafts- und Maschinenbau-Ingenieur begann seine Laufbahn 1990 als Leiter des Verkehrsbereichs der Deutschen Lufthansa am Flughafen Stuttgart. Von dort ging es über den Flughafen Hannover als Geschäftsfeldleiter nach Berlin. In Bremen hat Kleinert einen Fünfjahresvertrag unterschrieben.

Elmar KleinertFoto: © Flughafen Bremen

Der Flughafen

Der Flughafen Bremen ist nach Passagieren der elftgrößte deutsche Verkehrsflughafen. Im vergangenen Jahr nutzten rund 2,54 Millionen Reisende den Airport an der Weser. Größte Airline am Platz ist Ryanair mit einem Marktanteil in diesem Sommerflugplan von 29,0 Prozent. Auf Platz zwei und drei folgen Lufthansa mit 26,4 und Germania mit rund 17,6 Prozent. Bremen ist auch ein Standort der Lufthansa Aviation Training, der Pilotenschule des Kranichs.

Wie sehen ihre Pläne für die kommenden fünf Jahre aus? Was wollen Sie anstoßen?
Wir werden uns natürlich um neue Kunden, neue Destinationen und neue Strecken bemühen. Wir haben gerade mit Zürich eine neue wichtige Destination speziell für die Wirtschaft gewinnen können. Es gibt noch ein paar andere im Köcher, das ist zwar noch nicht spruchreif, aber zum Greifen nahe. Gleichzeitig wollen und müssen wir uns mit unseren Wettbewerbern beschäftigen. Wir befinden uns da in einem anspruchsvollen Umfeld: Groningen im Westen ist ein Low-Cost-Standort; Münster und Hannover sind ähnlich segmentiert wie wir. Die werden versuchen, uns den ein oder anderen Kegelclub für die touristische Wochenendreise abjagen. Und natürlich Hamburg, als größter Flughafen der Region. Ich war noch nie so froh, dass zwischen Hamburg und uns die Elbe liegt.

Sie sprachen gerade Ihre drei Segmente an. Können Sie die noch einmal spezifizieren?
Wir stehen im Grunde auf drei Säulen. Wir haben die klassische Linie, mit den tradierten Netzwerk-Carriern Air France, KLM und Lufthansa. Dann haben wir den Bereich Touristik, den bei uns sehr stark die Germania repräsentiert. Und wir haben ein echtes Low-Cost Segment, da ist vor allem Ryanair zu nennen.

Da Sie gerade Ryanair ansprechen: Michael O'Leary hatte jüngst im Rahmen der Pilotenstreiks gedroht, Flugzeuge aus Ländern abzuziehen, in denen das Personal streikt. Haben Sie Angst, dass es Bremen treffen könnte?
Streiks sind generell ein Thema, das uns Jahr für Jahr verfolgt und auch weiterhin verfolgen wird. Wir werden immer mit Streiks umgehen müssen. Die heile Welt, die wir uns alle wünschen, in der man die Prognosen auf zehn Passagiere genau einhalten kann, werden wir nie bekommen. Es wird immer Schwierigkeiten geben, sei es bei der Flugsicherheit, oder wie jetzt akut durch Airline-Streiks. Das ist das Tagesgeschäft. Damit muss man klarkommen.

Aber es wäre schon schlecht, wenn der größte Kunde am Platz Flugzeuge aus Deutschland abziehen würde?
Als ich vor einem knappen Jahr erlebt habe, wie Air Berlin als allergrößte Kundin in Berlin-Tegel unter die Räder kam, war es wichtig, nicht hektisch zu werden, sondern konzentriert und in Ruhe die Themen abzuarbeiten. Man kann mit solchen Situationen umgehen, wenn man sich rechtzeitig darüber Gedanken macht. Aber eine solche Situation haben wir mit Ryanair nicht. Ryanair wird ihren strammen Wachstumspfad weiterfahren. Und bei Ryanair wissen wir natürlich, dass sie ihre Flugzeuge dort stationieren, wo sie die höchste Rendite einfährt oder wo es zur Gewinnung von Marktanteilen besonders wichtig ist - siehe Berlin. Wenn man also weiß wie Ryanair tickt, dann weiß man auch, welche Aspekte für eine erfolgreiche Zusammenarbeit wichtig sind.

Sie haben das Gefühl, das Bremen da gut aufgestellt ist?
Ich denke schon. Wir wollen sicherstellen, dass sie ihr Engagement nicht zurücknehmen, sondern eher noch ausbauen. Ich glaube, dass Ryanair hier in Bremen ganz wichtige Anforderungen und Ansprüche, die sie stellen, auch geliefert bekommen.

Die Passagierzahlen sehen gut aus in Bremen und auch die Flugbewegungen nehmen zu. Sind Sie zufrieden?
Absolut. Ich habe jetzt sechs Wochen hier in Bremen erlebt. Ich sehe eine motivierte Mannschaft und erhebliche Potenziale, die man für diesen Flughafen gewinnen kann. Insbesondere bei der Erschließung höherer Ertragsquellen. Aber auch beim Thema Destinations-Portfolio. Ich glaube, da warten eine ganze Menge Arbeit, schöne und spannende Themen auf uns.

Herr Kleinert, vielen Dank für das Gespräch.

Von: br, cs
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