«Man braucht Wrackteile»: Tiefsee-Experte erklärt Suche nach MH370

26.03.2014 - 09:50 0 Kommentare

Der Unglücksflug MH370 endete im Indischen Ozean. Tausende Meter tief kann die Maschine gesunken sein. Ein Experte ist optimistisch, dass das Flugzeug dort gefunden werden kann - vorausgesetzt, es gibt endlich einen Hinweis an der Meeresoberfläche.

Der französische Tiefseetechniker Sylvain Pascaud. - © © dpa - Sylvain Pascaud

Der französische Tiefseetechniker Sylvain Pascaud. © dpa /Sylvain Pascaud

Die Suche nach der verschwundenen Malaysia-Airlines-Maschine hat Erinnerungen an den Unglücksflug einer Air-France-Maschine wachgerufen. Von der Maschine, die auf dem Weg von Rio de Janeiro nach Paris 2009 in den Atlantik stürzte, wurden innerhalb einer Woche Wrackteile entdeckt. Das Flugzeug selbst aber wurde erst fast zwei Jahre später auf dem Meeresgrund gefunden. Der Tiefseetechniker Sylvain Pascaud (51) half bei der erfolgreichen Suche mit Tauchrobotern. Er gehört zu den wenigen Experten, die mit Suchen in 6000 Metern Meerestiefe Erfahrung haben. Der Franzose arbeitet heute als Filmemacher und suchte vor kurzem auch nach Schiffen, die am Tag der Landung der Alliierten in der Normandie 1944 sanken. Im dpa-Interview spricht er über Schwierigkeiten und Chancen bei der Suche nach Flug MH370 im Indischen Ozean.

Wie wahrscheinlich ist es, dass mehr als zwei Wochen nach dem Absturz Trümmer gefunden werden?
Pascaud: Im Fall der Air-France-Maschine wurde ein Großteil des Trümmerfeldes sechs Tage nach dem Absturz entdeckt. Die größten Teile waren vier bis fünf Quadratmeter groß. Es war wie ein ganzes Bündel Trümmer, so dass es aus der Luft leicht zu finden war. Was im aktuellen Fall Sorgen macht - abgesehen von dem Umstand, dass wir absolut keine Idee haben, was die letzte Position des Flugzeugs war - ist, dass sich das Trümmerfeld mit der Zeit in verschiedene Richtungen verstreuen und sinken wird. So wird es mit jedem Tag, der verstreicht, schwerer werden, irgendetwas von der Luft aus zu finden. Dazu kommt, dass das Wasser in der Gegend sehr rau ist, so dass es noch schwer ist, etwas von einem Flugzeug aus zu erblicken, weil alles weiß aussieht.

Wenn die Wrackteile erst einmal gefunden werden, wie gut stehen die Chancen, die Blackboxen - die Datenschreiber des Flugzeugs - zu finden?
Pascaud: Wenn man heute ein Wrackteil fände, wäre es mehr als zwei Wochen lang in der See gedriftet, so dass man seinen möglichen Weg berechnen und zurückverfolgen müsste. Wenn man das Suchgebiet hat, kann man Roboter einsetzen (die Tauchfahrzeuge, die die Air-France-Maschine fanden) und es sollte nicht ewig dauern, das Flugzeug zu finden. Wie wir gesehen haben, können die Datenrecorder zwei bis drei Jahre im Wasser bleiben, sie sind sehr gut vorm Meereswasser geschützt. Aber: Man braucht Wrackteile.

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Die US-Marine sendet ein TPL-System (Towed Pinger Locator), ein Spezialgerät, das helfen soll, die Blackbox zu lokalisieren. Wie effektiv sind solche Geräte in tiefen Gewässern?
Pascaud: Dieses Ortungsgerät ist sehr gut in flachen Gewässern, wenn es 1000 Meter oder weniger in die Tiefe geht und man das Signal der Box sehr gut hören kann. Um das Gerät zu ziehen, muss das Kabel ungefähr dreimal so lang sein wie die Tiefe des Meeres. Wenn es 3000 oder 4000 Meter sind, braucht man ungefähr 9000 Meter Kabel. Entsprechend könnte das Signal in der Zeit, die es braucht, um vom Kabel zum Boot zu gelangen, schon sehr schwach geworden sein. Im Fall der Air-France-Maschine hatten wir zwei Boote, die 30 Tage lang mit der richtigen Abhörausrüstung suchten - und wir hörten nichts.

Wenn die Blackboxen aufgehört haben, ein Signal zu geben, was ist dann die beste Möglichkeit für die Suche?
Pascaud: Das hängt vom Gelände ab. Wenn es flach ist, kann man mit einem Schleppsonar hinten an einem Boot rund um die Uhr suchen. Bei der Air-France-Maschine, die im Mittelatlantischen Rücken lag, setzten wir die Remus-U-Boote ein. Sie funktionieren autonom und können Hügel auf- und abwärtsfahren. Drei von ihnen zu haben, ist der beste Weg, um die Suche zu optimieren. Man hat zu jeder Zeit zwei im Wasser und eines an Bord und wechselt durch: Eines kommt hoch, man wechselt die Batterien aus, lädt die Daten runter, präpariert es und schickt es wieder ins Wasser - und so weiter. Wir hatten zwei Teams, die in Zwölf-Stunden-Schichten arbeiteten und das innerhalb eines Radius' von 40 Seemeilen rund um die letzte bekannte Flugzeugposition. Und wir haben das Flugzeug in nur neun Tagen gefunden. Aber das war bei unserem dritten Suchanlauf.

Von: dpa
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