Malaysias Frontmann bei MH370-Suche ist ein mächtiger Politiker

19.03.2014 - 15:21 0 Kommentare

Jeden Tag muss der malaysische Verkehrsminister Hishammuddin Hussein sich der Weltpresse stellen. Kritische Fragen ist der Spross einer mächtigen Politikerdynastie allerdings nicht gewohnt.

Malaysias Verkehrsminister Hishammuddin Hussein bei einem TV-Interview.

Malaysias Verkehrsminister Hishammuddin Hussein bei einem TV-Interview.
© Malaysia Ministry of Transport

Malaysias Verkehrsminister Hishammuddin Hussein.

Malaysias Verkehrsminister Hishammuddin Hussein.
© Malaysia Ministry of Transport

Beratungen im malaysischen Krisenstab zum Flug MH370.

Beratungen im malaysischen Krisenstab zum Flug MH370.
© Malaysia Ministry of Transport

Vor einer Woche stand Malaysias Verkehrsminister Hishammuddin Hussein noch im Anzug im Blitzlichtgewitter der Weltpresse. Inzwischen gibt er sich meist hemdsärmelig, aber sein Stil ist ansonsten derselbe: Während er seine Worte des Mitgefühls für die Angehörigen der 239 Menschen an Bord von Flug MH370 vom Blatt abliest, braust er bei frechen Fragen auf. Als Verkehrsminister koordiniert der 52-Jährige die multinationalen Ermittlungen um das spurlos verschwundene Malaysia-Airlines-Flugzeug.

Pannen bei den Ermittlungen, zögerliche Weitergabe von Informationen und immer wieder Widersprüche - gute Noten bekommt er bislang nicht. Hisham, wie in die Lokalpresse nennt, ist zwar seit Jahren im Politgeschäft, bohrende Fragen internationaler Reporter aber nicht gewohnt. Er ist der Spross einer mächtigen Politikerfamilie, Sohn eines früheren Regierungschefs, wie auch Ministerpräsident Najib Razak, sein Cousin. Sie gehören der UMNO an, der mächtigsten Partei des Landes, die seit der Unabhängigkeit am Ruder ist. Der Parteiapparat, in dem die Familien groß geworden sind, hat die Gesellschaft fest im Griff, einschließlich der wichtigsten Medien. Da wird nur brav gefragt.

Der lange Arm der mächtigen Familien reicht so weit, dass selbst Analysten sich öffentlich nicht kritisch über das Krisenmanagement der Regierung äußern wollen. «Kommunikation ist in der Krise immer voller Missverständnisse», sagt Andrin Raj, Analyst eines Zentrums für Sicherheitsstudien in Kuala Lumpur vorsichtig. «Aber die Regierung muss verstehen, dass die Leute nach ein paar dieser Pressekonferenzen endlich konkrete Informationen brauchen.»

In einem Land, in dem Familienbande und Beziehungen über Karrieren entscheiden, steht Hishammuddin in vorderster Front. «Wenn man UMNOs Geschichte anschaut, wette ich, dass Hishammuddin der nächste Regierungschef wird», schriebt der Journalist Primraj Victor auf dem unabhängigen Nachrichtenportal «Malaysia Insider». «Für ihn spricht einiges: Er spricht nicht nur sehr gut Englisch, er kommt in der Sprache auch noch sehr geschliffen rüber.» Hishammuddin, gleichzeitig Verteidigungsminister studierte in Großbritannien Jura.

Wenn es Hishammuddin gelinge, Malaysia mit seinem Auftritt international ein positives Image zu verschaffen, könne dies seiner Karriere nur förderlich sein, sagen Analysten. Nach Einschätzung von Beobachtern hat er diesen Test bislang nicht bestanden. «Diese Leute können einfach keine gradlinigen Antworten geben», sagte eine ausländische Reporterin.

Von: dpa
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