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Artikel vom 18.04.2011 0

Vorkämpferin in einer Männerdomäne Intersky-Gründerin Renate Moser

Renate Moser ist die einzige Frau weltweit, die eine Fluggesellschaft gegründet hat. Sie galt über zehn Jahre lang als Paradiesvogel in der von Männern dominierten Luftfahrtbranche. Jetzt denkt sie langsam daran, ein wenig kürzerzutreten.

Intersky-Gründerin Renate Moser posiert am 05.04.2011 auf dem Flughafen Friedrichshafen vor einem Flugzeug.

In der eher kühlen Welt der Fliegerei ist Renate Moser ein Paradiesvogel. Die Chefin der Fluggesellschaft Intersky war eigenen Angaben zufolge lange Zeit die einzige Frau im Airline-Business, die eine Fluggesellschaft gegründet hat. Die Intersky hat ihren Firmensitz in Bregenz in Vorarlberg. Von 2002 bis 2005 war Bern der Basisflughafen. Seit 2005 ist die Intersky am Flughafen Friedrichshafen beheimatet. Dort werden die vier Maschinen gewartet, geparkt, geputzt.

Im November 2001, wenige Monate nach den Anschlägen vom 11. September, gründet die energiegeladene Frau die Fluggesellschaft. Damals war sie 58 Jahre alt. «Was sollte ich machen? Nichtstun für den Rest meines Lebens konnte ich mir nicht vorstellen», berichtet die blonde Endsechzigerin.

Der entscheidende Impuls für die Gründung der Airline kam vom damaligen Chef des Flughafens Bern, Charles Riesen. Seiner Ansicht nach gab es damals einen Bedarf auf der Flugstrecke Bern – Berlin. Zusammen mit ihrem Mann Rolf Seewald, dem langjährigen Eigentümer der Rheintalflug, ließ sich die ehemalige Pressesprecherin des Flughafens Wien von der Idee begeistern.

Seewald gründete die Rheintalflug 1973 als regionale Fluglinie, die von St. Gallen Altenrhein nach Wien flog. Seit 1997 bediente sie im Auftrag der Lufthansa die Strecke Altenrhein-Berlin, und im Jahr 2001 verkaufte Seewald seine Rheintalflug an die Austrian Airlines und beteiligte sich an der Gründung der Intersky durch seine Frau. Seewald besitzt 50 Prozent an der Intersky, seine Frau die andere Hälfe.

Das erste Flugzeug startete für Intersky am 25. März 2002 von Bern nach Berlin-Tempelhof. Bis zum Jahr 2008 ging es stetig bergauf mit der Airline, mit vier Flugzeugen transportierte die Intersky 210 000 Fluggäste und erreichte einen Umsatz von 29 Millionen Euro. Im Jahr 2009 gab es einen ersten leichten Rückgang bei Passagiere und Umsatz. 2010 kam dann der Einbruch: Trotz steigender Passagierzahlen (220 000) und steigenden Umsatzes (29 Mio Euro) schrieb Intersky erstmals Verluste. Wie hoch diese sind, will das Unternehmen Ende April bekanntgeben.

Hauptgrund war nach Angaben von Moser, dass sich der Billigflieger Germanwings am Flughafen Friedrichshafen ansiedelte und die Preise drückte. «Dass hat uns viel Geld gekostet», sagt die Airline-Besitzerin. Im laufenden Jahr sieht es schon besser aus. Moser hofft, dass Intersky im laufenden Jahr wieder schwarze Zahlen schreibt. Bis zum Jahr 2014 will Intersky 55 Millionen Euro erlösen, die Zahl der Passagiere soll auf 400.000 Passagiere wachsen.

Über die Unternehmenszahlen ist Renate Moser bestens informiert, täglich hat sie die auf dem Schirm, obwohl sie seit 2007 in ihrer Funktion als Eigentümerin nur noch im Beirat der Intersky vertreten ist. Die Geschäfte führt seither ihr Sohn Claus Bernatzik. Für die Zukunft hat sich Renate Moser vorgenommen, sich vom operativen Geschäft noch weiter zurückzuziehen und mehr Zeit mit ihrem Mann zu verbringen: «Ich habe mehr erreicht, als ich je zu hoffen gewagt hatte.»

Stand: 18.04.2011 - 5:03 PM Uhr

Quelle: Frank Wiesner, dpa

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