Artikel vom 10.05.2011 0
Treffen der Generationen Die große Show des A380 und der «Tante Ju»
© Lufthansa /Gregor Schläger
Zum 75. Geburtstag trifft die Junkers Ju 52 der Deutschen Lufthansa Berlin-Stiftung auf einen ihrer „Ur-Enkel“, einen Airbus A380 der Lufthansa.
Luftfahrt-Freaks und Zehntausende, die zum Hafengeburtstag gekommen waren, haben am Samstag an der Elbe staunend in den Himmel geschaut: Ein neuer Airbus A380 der Deutschen Lufthansa - 72,7 Meter lang, mit 526 Sitzplätzen ausgerüstet und normalerweise 900 Stundenkilometer schnell - und die 75 Jahre alte Ju 52 der Deutschen Lufthansa Berlin-Stiftung, die mit ihren drei Sternmotoren 17 Passagiere mit beschaulichen 270 Stundenkilometern kutschiert, demonstrierten gemeinsam am Himmel über der Elbe die Entwicklung der Luftfahrt. Der «Europäische Riese» und «Tante Ju» flogen eine gemeinsame Show - ein Novum am europäischen Himmel. Es war auch eine technische Meisterleistung der Piloten, diese Flugdemonstration zwischen den beiden so unterschiedlichen Flugzeugen sicher zu koordinieren.
Mit der Ju 52, in den 30er Jahren das am meisten verbreitete Verkehrsflugzeug der Welt, begann in Europa die moderne Verkehrsfliegerei. Die erste dreimotorige Ju 52/3m hob am 7. März 1932 in Dessau zum Jungfernflug ab - die «D-AQUI» der Lufthansa, liebevoll restauriert und Winter für Winter in der Lufthansa-Werft in Hamburg-Fuhlsbüttel überholt und von Mechanikern und Ingenieuren sorgfältig gepflegt, hob erstmals am 6. April 1936 in Dessau ab. Seit ihrer kostspieligen 15-monatigen Restaurierung 1986, die fast einem Neubau gleich kam, hat sie fast 200.000 begeisterte Passagiere in beschaulichen Höhen über die schönsten Landschaften Europas und Nordamerikas geschaukelt.
Dagegen steht eine imposante andere Zahl: Die 44 Airbus A380, bis bislang weltweit im Dienst sind, haben seit der Übernahme der ersten A380 durch Singapore Airlines am 15. Oktober 2007 schon rund zwölf Millionen Passagiere transportiert.
Jürgen Raps, der langjährige Chefpilot der Deutschen Lufthansa, der am Samstagnachmittag die Lufthansa-A380 im langsamen Schauflug den Hamburgern vorführte und damit bekräftigte, dass dieser vierstrahlige Riese das leiseste Düsenverkehrsflugzeug der Welt ist, und Lufthansa-Aufsichtsratsvorsitzender Jürgen Weber prophezeiten unisono: «Unsere "Tante Ju" ist jetzt 75 Jahre alt und fliegt so tüchtig und zuverlässig wie eh und je. Unser Ziel ist unser Programm: Die "D-AQUI" wird 100 Jahre alt werden und dann immer noch sicher fliegen.» Dafür bürgen die Deutsche Lufthansa Berlin-Stiftung und der Förderverein gemeinsam.
Spätesten Anfang 2013 soll «Tante Ju» eine größere Schwester erhalten: In Auburn in Maine, dem nordöstlichsten US-Bundesstaat, wird aus den Resten von drei Super Constellation eine neue Super Constellation aufgerüstet. Auf rund 30 Millionen Euro werden die Kosten dieses aufwendigen und prestigeträchtigen Projektes geschätzt. Dagegen war die Restaurierung der Ju 52 billig. Nicht einmal ein Zehntel dieses Betrages hat die Restauration der deutschen Ju 52 gekostet, die heute den Namen «Berlin-Tempelhof» trägt.
Die Prominenz der deutschen Luftfahrt-Industrie war am Samstag in Hamburg-Finkenwerder versammelt, um die historische Begegnung zwischen dem Oldtimer und dem Riesen A380 mit zu erleben – darunter viele Lufthanseaten, die diese Ju 52 in ihrer Freizeit fliegen und betreuen.
Einem Mann standen fast die Tränen in den Augen, als «Tante Ju» von Zehntausenden gefeiert wurde und auf ihre Weise zum Erfolg des Hafengeburtstages beitrug: Bernd Junkers, ein Münchner Ingenieur und Enkel des großen deutschen Luftfahrtpioniers Hugo Junkers, der mit seinen Flugzeugen der Luftfahrt den Weg gewiesen hat und der wegen seiner liberalen Geisteshaltung von den Nazis verfemt und enteignet wurde. Oder, um mit Jürgen Weber zu sprechen: «Ohne Hugo Junkers würde es keinen Airbus A380 geben.» Chefpilot Jürgen Raps formulierte es so: «Beide Flugzeuge haben die Welt zwischen Himmel und Erde radikal verändert. Davon profitieren wir heute alle.»
Der deutsche Airbus-Präsident Thomas Enders sagte: «Die Ju 52 und die A380 sind beide das Ergebnis von unternehmerischem Mut und technologischer Vision, von brillanten Ingenieurleistungen, großer Leidenschaft und der Faszination für die Luftfahrt.» Da passt es ins Bild, dass Hugo Junkers in den 20er Jahren sogar eine eigene Fluggesellschaft gegründet hatte, aus der später die Deutsche Luft Hansa - so schrieb sie sich damals noch - hervorging.
Stand: 10.05.2011 - 5:03 PM Uhr
Quelle: Karl Morgenstern, dpa
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