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Artikel vom 23.07.2010 Tipp: Nachrichten-Newsletter hier kostenlos abonnieren

Tragisches Ende einer Ikone Zehn Jahre Concorde-Absturz

Als am 25. Juli 2000 eine Concorde der Air France in einem Feuerball bei Paris explodiert, ist der Mythos des Überschallflugzeugs zerstört. Trotz etlicher Modifikationen war das Vertrauen der Jetset-Kundschaft nach dem Unfall gebrochen. Noch heute, zehn Jahre später, wirft der Absturz Fragen auf.

Concorde-Takeoff Aerospatiale / BAC Concorde Eine Concorde landet auf dem Flughafen Karlsruhe am 24.6.2003 Bug einer Concorde in den Farben der Air France Experten untersuchen Wrackteile an der Absturzstelle der Concorde bei Gonesse nördlich von Paris Letzter Air France Concorde-Flug AF4066 am 06. März 2005

Concorde-Takeoff

Sie bleibt für immer eine Legende der Luftfahrt. Manche nannten sie «Donnervogel», andere sprachen vom «fliegenden Kugelschreiber» oder sogar von einer «Königin der Lüfte». Die pfeilförmige Form der Überschallmaschine gilt bis heute als Sinnbild für technischen Fortschritt, den Inbegriff des Jetsets und der Leistungsfähigkeit der Luftfahrtindustrie.

Die Schreckensnachricht an Concorde-Pilot Christian Marty besteht am 25. Juli 2000 aus einer Zahl und acht Wörtern. «4590, Sie haben Flammen... Sie haben Flammen hinter sich.» Es ist genau 16 Uhr 43 und 13 Sekunden, als ein Lotse des Pariser Großflughafens Charles de Gaulle das Unheil in Worte fasst. Ein rußig-rötlicher Schweif aus brennendem Kerosin ist zu sehen, während das Überschallflugzeug von Startbahn 26 schwerfälliger als sonst abhebt. 117 Sekunden später kann der Tower nur noch an die Feuerwehrleitung funken. «Die Concorde ist in der Nähe von Le Bourget abgestürzt», lautet die knappe Nachricht.

In wenigen Momenten zerstört das Flammeninferno bei Paris das Leben von 113 Menschen und einen Mythos. Wie eine Schockwelle verbreitet sich die Nachricht vom Absturz der mehr als 2000 Stundenkilometer schnellen Maschine in der Welt und vor allem in Deutschland. Die schleswig-holsteinische Reederei Deilmann hatte den Flug nach New York gechartert - 97 Opfer kamen aus der Bundesrepublik. Das Unglück läutete auch das Ende der Concorde ein. Drei Jahre nach dem Absturz stellten die beiden Betreiber British Airways und Air France den Betrieb ein.

Zehn Jahre danach ist die Katastrophe weit davon entfernt, in Vergessenheit zu geraten. Noch immer herrscht vor allem Streit über die Ursache der Katastrophe. Erst Ende Mai endete ein viermonatiger Verhandlungsmarathon vor einem Strafgericht in Pontoise bei Paris. Bis zum 6. Dezember wollen die Richter nun ein Urteil über die mutmaßlich Schuldigen fällen.

Die Staatsanwaltschaft geht davon aus, dass das Flugzeug beim Start über ein Metallstück rollte, das von einer Continental-Maschine abgefallen war. Dabei platzte ein Reifen der Concorde, Gummiteile durchschlugen einen Tank des Flugzeugs und der ausströmende Treibstoff fing Feuer. Die Verteidigung der Fluggesellschaft Continental hingegen behauptet, dass die Concorde bereits brannte, bevor sie die fahrlässig an der Continental-Maschine befestigte Titan-Lamelle überrollte. Ursache soll eine Unebenheit in der Startbahn gewesen sein.

Die Anklage hält dies - wie die offiziellen Unfallermittler - für falsch und hat für zwei Continental-Mechaniker 18 Monate Haft auf Bewährung gefordert. Auch der damalige Chef des Concorde-Programms soll mit zwei Jahren Haft auf Bewährung büßen. Dem heute 80-jährigen Henri Perrier soll die Anfälligkeit des Flugzeugs bekannt gewesen sein.

Auch der Anwalt der Familie von Concorde-Flugkapitän Marty äußerte im Prozess die Überzeugung, dass die Katastrophe hätte verhindert werden können. «Man kannte die Schwächen der Concorde seit mehr als 20 Jahren», sagte Roland Rappaport. Ein Flugzeug dürfe nicht nur wegen eines geplatzten Reifens abstürzen.

Ende eines Mythos

Für die meisten Hinterbliebenen hat das Urteil nur noch symbolische Bedeutung. Etwa 700 Angehörige der Opfer von Flug AF 4590 einigten sich bereits kurz nach der Katastrophe mit Air France und ihrer Versicherung auf Entschädigungen - Schätzungen zufolge sollen 173 Millionen Euro geflossen sein. Viele der Opfer hatten eine Kreuzfahrt gebucht, die von New York aus in die Karibik gehen sollte.

Wenn der Prozess endgültig beendet ist, wird vor allem die Erinnerung bleiben. Denn derzeit sieht es trotz der Bemühungen einiger Fans nicht danach aus, als sollte noch einmal eine Concorde abheben. Gleich nach dem Unglück waren alle Concordes gegroundet worden. Air France und British Airways unternahmen umfangreiche Tests und daraus resultierende Sicherheitsverbesserungen am Tank und am Fahrgestell. Unter anderem entwickelte Michelin sogar einen neuen Reifen, der im Falle eines Platzers in viele kleine Stücke zerspringt.

Allerdings war das Vertrauen der elitären Kundschaft in die Concorde nachhaltig gestört. Zudem machten die hohen Ölpreise den Einsatz der Concorde immer unerschwinglicher, sodass zunächst Air France und später auch British Airways schlossen, die Flüge mit der Concorde einzustellen.

Am 24. Oktober 2003 wurde das große Kapitel der Concorde-Linienflüge geschlossen. Beim letzten Flug einer Concorde der British Airways nach London wurde die Designikone über dem Ärmelkanal von einem Verband der britischen Kunstflugstaffel Red Arrows begleitet.

Am 26.11.2003 fand dann der letzte Concorde-Flug aller Zeiten statt. British Airways überführte eine Maschine von London-Heathrow zum späteren Ausstellungsort der Maschine im britischen Airbus-Werk in Filton. Ein Fly-bye und die Landung auf dem Filton Airfield wurde von über 20.000 Besuchern verfolgt. British Airways hatte die 100 Plätze für den Abschiedsflug für Mitarbeiter reserviert. Vor der Landung flog die Maschine noch eine Schleife über dem Nordatlantik und durchbrach ein letztes Mal die Schallmauer.

airliners.de, auf dpa-Basis

Stand: 23.07.2010 - 12:59 PM Uhr

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