Flieger des zwanzigsten Jahrhunderts
Claude Dornier
(* 1884 † 1969) © EADS
Als Sohn deutsch-französischer Eltern wurde Claude Honore Desiré Dornier am 14. Mai 1884 in Kempten geboren. Nach dem Abitur studierte er Maschinenbau an der Technischen Hochschule München. Im Jahr 1910 begann Dorniers Karriere bei der Luftschiffbau Zeppelin GmbH. Dort zeigte sich bereits in jungen Jahren seine visionäre Kraft: Sein erster Erfolg war die Entwicklung einer „Drehbaren Langhalle für Luftschiffe“, die er am 29. September 1912 patentieren ließ.
Schnell erkannte Graf Zeppelin Dorniers konstruktives Talent und verschaffte ihm eine eigene Abteilung, die „Abteilung Do.“ Von diesem Zeitpunkt an widmete Dornier den technischen Konstruktionen und Versuchen seine ganze Aufmerksamkeit und entwickelte sich schnell zum Experten für flugzeuggeeignete Metalle. Ab 1917 agierte die Abteilung Do. als Zeppelin-Werk Lindau GmbH, später als Dornier Metallbauten GmbH mit Sitz in Friedrichshafen-Manzell und ab 1932 schließlich als eigenständige Gesellschaft unter der Leitung Dorniers.
In den zwanziger Jahren realisierte Dornier eine Vielzahl von Flugzeugprojekten, die – technisch revolutionär – fast vollständig aus Metall gefertigt wurden. Einen legendären Ruf und große Popularität genoss der „Wal“. Mit seiner überragenden Seetüchtigkeit erschloss dieses Flugboot viele Strecken für den Luftverkehr und flog über zwanzig Weltrekorde.
Dornier Flugboot DO-X
Im Jahr 1925 erreichte der Polarforscher Roald Amundsen mit dem „Wal“ den 88. Breitengrad, 220 km vom Nordpol entfernt. Wolfgang von Gronau steuerte einen „Wal“ über den Atlantik und machte die erste Weltumrundung in einem solchen Flugboot. Dieser Erfolg war für Dornier noch nicht genug. Ihm schwebte ein Riesenflugboot für den Atlantikverkehr vor. Die aus dieser Vision entstandene „Do. X“ ging als größtes Flugboot seiner Zeit in die Fluggeschichte ein.
Weltweites Ansehen genoss auch der „Komet“ I, II und III, der als äußerst robuste und leistungsfähige Maschine Luftfahrtgeschichte geschrieben hat. Die Umrüstung vom „Komet“ III auf den „Merkur“ I und II steigerte die Flugleistungen noch weiter. Der „Merkur“ flog sieben Weltrekorde. Zwei Expeditionen sorgten im Jahr 1926 für besonderes Aufsehen: Die erste Überquerung des Kaukasus mit Passagieren und Gepäck und eine Expedition nach Afrika über 14.000 km von der Schweiz bis Kapstadt. Der „Wal“, die „Do 24“ und die „Do 17 K“ wurden als größeren Serien in Lizenz auch im Ausland gefertigt, was Dornier internationale Anerkennung einbrachte.
1932 wurde Dornier Alleingesellschafter der Dornier Metallbauten GmbH, deren Produktion in den dreißiger und vierziger Jahren maßgeblich von militärischen Entwicklungen geprägt war. Die „Do 17“, die zum Standard-Kampfflugzeug wurde, und die „Do 335“, das schnellste Propeller-Jagdflugzeug seiner Zeit, gehören zu den bedeutendsten Entwicklungen der damaligen Luftfahrt.
Nach den Kriegszerstörungen und dem Verbot des Flugzeugbaus schaffte es Dornier in den fünfziger Jahren mit der Produktion von Kurzstartflugzeugen und Senkrechtstartern wieder in Deutschland Fuß zu fassen. Das erste Flugzeug, das nach dem Verbot des Flugzeugbaus in Deutschland entwickelt wurde, war die „Do 27“, die später als D-ENTE im Zebra-Look bei den Afrikaflügen des Tierforschers Grzimek berühmt wurde. 1955 fanden Dorniers Leistungen als Flugzeugkonstrukteur in seiner Ernennung zum Präsidenten des Bundesverbandes der Deutschen Luft- und Raumfahrtindustrie Anerkennung.
Durch Dorniers Weitblick und sein vernetztes Denken, das heute als besonderes Merkmal der Unternehmensphilosophie erkannt wird, haben seine technischen Errungenschaften auch in anderen Disziplinen Fortschritt ermöglicht: Mit dem Nierenlithotripter, der auf Basis von Stoßwellen Nierensteine nicht-operativ entfernt, leistete Dornier einen revolutionären Beitrag für die Medizin. Im Jahre 1962 zog er sich aus der Leitung der Dornier-Werke zurück und überließ die Führung seinen Söhnen. Dornier starb mit 85 Jahren am 5. Dezember 1969 in Zug (Schweiz).
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