Flieger des zwanzigsten Jahrhunderts
Antoine de Saint-Exupéry
(* 1900 † 1944)
"Man sieht nur mit dem Herzen gut. Das wesentliche ist für die Augen unsichtbar"
(Antoine de Saint-Exupéry, Der kleine Prinz)
Antoine de Saint-Exupéry, oder Saint-Ex wie ihn seine Freunde nannten, war schon zu Lebzeiten eine Berühmtheit und Legende. Er machte sich nicht nur als Flieger und Literat einen Namen, sondern war darüber hinaus ein begabter Erfinder, erfolgloser Handelsvertreter und zeitweise Zeitungsreporter. Er gehörte zu der Generation von Fliegern, die in den zwanziger Jahren das Fliegen von einem Abenteuer in einen geregelten uns sicheren Service für Fracht, Post und Passagiere wandelten.
Saint-Exupéry wurde am 29. Juni 1900 in Lyon geboren. Er war der Sohn des Grafen Jean Marie de Saint-Exupéry und Marie de Fonscolombe und somit von adeliger, aber verarmter, Abstammung.
Schon früh verlor er seinen Vater und einen Bruder. Um so stärker war dafür seine Beziehung, die sich zu seiner Mutter entwickelte. Den größten Teil seiner Kindheit verbrachte er in den Schlössern seiner Tante und seiner Großmutter.
Nachdem er bei der Aufnahmeprüfung zu Marineakademie gescheitert war studierte Saint-Ex wenig erfolgreich Architektur an der Akademie der schönen Künste. 1921 trat Saint-Exupéry dann seinen Militärdienst in Straßburg bei einem Fliegergeschwader an. Von der erlebten Fliegerei fasziniert machte er dann dort 1922 seinen Flugschein.
Zu seiner wahren Bestimmung fand er jedoch zu diesem Zeitpunkt noch nicht. Auf eine Karriere als Militärpilot verzichtete er zu Liebe seiner damaligen Verlobten und verbrachte die folgenden Jahre als Buchhalter einer Ziegelei und Handelsvertreter für Lastkraftwagen.
Als Nationalheld war Saint-Exupéry auf der französischen 50F Banknote abgebildet.
Erst im Herbst 1926 begann er seiner Passion zu folgen und arbeitete als Postflieger für die "Compagnie Latécoère". Dort flog er zu Beginn die Route Toulouse-Casablanca. Sie führte ihn über das Mittelmeer und die Sahara mit der ihn eine liebevolle ehrfürchtige Beziehung verband.
Am 19. Oktober 1927 kam Saint-Ex als Flugleiter nach Cap Juby, dem heutigen Tarfaya. Zu der Zeit war dies ein Wüstenfort und ein kleiner Flugplatz am Rand der Wüste auf der Strecke Toulouse-Dakar. Dieser bestand nur aus ein paar schäbigen Holzbaracken und dem Rollfeld. Für achtzehn Monate lebte hier Saint-Exupéry in diesen einfachen Verhältnissen mit seinen vier französischen Mechanikern und zehn bei der Fluglinie angestellten Mauren. Die Zeit in Cap Juby sollte den Menschen Saint-Exupéry und sein späteres Werk entscheidend prägen.
Als er Ende 1928 nach Frankreich zurückkehrte wurde er als Held gefeiert. Während seiner Zeit in Cap Juby hatte er über ein Duzend Flieger nach Abstürzen aus der Wüste gerettet. Darüber hinaus hatte er sich den Respekt und die Anerkennung der Einheimischen erworben, die ihn fortan "König der Vögel" tauften. Seine Fliegerkollegen hingegen sahen ihn eher als unberechenbaren Instinktflieger.
Nach seiner Heimkehr veröffentlichte er 1928 seinen Roman "Südkurier" der in Cap Juby entstand. Dieser Teils autobiografische Roman erzählt die Geschichte eines Postfliegers, der nach einem Absturz marokkanischer Stämmen in die Hände fällt. Diese Geschichte basierte auf den Erlebnissen die für die Postflieger zur der Zeit täglicher Alltag in ihrem Beruf waren. Im besten Fall wurden sie von den Stämmen nach monatelangen Lösegeldverhandlungen wieder freigelassen.
1929 tauschte Saint-Exupéry die Wüste gegen die Anden. Er wurde Betriebsleiter der Aéropostale in Argentinien. Mit den Eindrücken aus dieser Zeit entstand 1931 sein zweites Buch "Nachtflug" in dem er beschreibt, wie die Flieger den Dienst des Postbeförderung mit voller Hingabe leisten.
Nach dem Konkurs der Firma versuchte sich Saint-Ex als Testpilot. Nachdem er aber nach einem Absturz mit einem Wasserflugzeug beinahe ertrank, arbeitete er bei dem Nachfolger der Aéropostale, der Air France wo Vortragsreisen für die Werbeabteilung durchführte. Zu dieser Zeit arbeitete Saint-Ex auch als Korrespondent für den "Paris-Soir". So schrieb er aus Moskau über die 1. Mai Feierlichkeiten und als Berichterstatter über den spanischen Bürgerkrieg.
Beim Langstreckenflug stürzte 1935 Saint-Ex über der ägyptischen Wüste ab und irrte tagelang mit seinem Mechaniker umher, bevor sie von einer Karawane gerettet wurden. Später verarbeitete er dieses Ereignis während seiner langen Genesung nach einem Startunfall in Guatemala im Buch "Wind, Sand und Sterne", welches am Vorabend des Kriegsausbruchs 1939 veröffentlicht wurde.
Machte ihn in aller Welt berühmt: Der kleine Prinz.
Mit dem Beginn des Zweiten Weltkrieges lies sich Saint-Ex als Offizier der Reserve reaktivieren. Eigentlich ließ aber sein gesundheitlicher Zustand einen Einsatz nicht mehr zu. Nach seinen zahlreichen Flugunfällen war seine Schulter halb gelähmt.
Nach der Besetzung Frankreis ging Saint-Exupéry in die USA. Dort wurde er mit seinen Büchern wie ein Star gefeiert. 1942 erschien die Kriegsgeschichte "Der Flug nach Arras" und 1943 schließlich "Der kleine Prinz", das Buch, das Antoine Saint-Exupéry unsterblich machte.
Nach der Landung der Alliierten verlässt Saint-Ex die USA und schließt sich einer Aufklärungsstaffel an. Am 31. Juli 1944 hebt er auf Korsika mit seiner P-38 Lightning zu seinem letzten Flug ab und bleibt verschollen. Im Oktober 2003 wurden vor der Küste Marseilles Wrackteile geborgen, die der seit sechs Jahrzehnten gesuchten Lightning von Saint-Ex zugeordnet werden konnten. Den entscheidenden Beweis erbrachte ein Vergleich der Flugzeug-Seriennummern. Weiter unklar bleibt aber die Unfallursache.
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